Kriminalitätsstatistik 2015/2016 für Marokko veröffentlicht.

Das marokkanische Innenministerium veröffentlichte am letzten Freitag die offizielle Kriminalitätsstatistik für 2015/2016.

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Kriminalitätsstatistik
Kriminalitätsstatistik Marokko 2015/2016

Das marokkanische Innenministerium veröffentlichte am letzten Freitag die offizielle Kriminalitätsstatistik für 2015/2016.

Kriminalitätsstatistik
Kriminalität in Marokko

Rabat – wie das Wirtschaftsblatt L´Economiste am letzten Freitag (26.08.2016) berichtet, hat das marokkanische Innenministerium die Kriminalitätsstatistik 2015/2016 veröffentlicht. Die Zahlen beziehen sich auf das erste Halbjahr 2015 und auf das erste Halbjahr 2016. Insgesamt ist ein Anstieg von 3% festzustellen. Im Jahr 2015 wurden noch 315.000 Delikte registriert. Für das erste Halbjahr 2016 wurden bereits 323.669 Straftaten verübt.  Wichtig ist dabei zu wissen, dass in die Statistik nur die Straftaten einfließen, die in Städten verübt wurden. Das Statistikwesen in Marokko ist noch nicht ganz so weit ausgebaut, dass alle Delikte registriert werden können. Die Zahlen passen zum Trend, der sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat. Marokko kämpft mit einer wachsenden Kriminalität. Insbesondere Straftaten gegen Personen, wie Körperverletzung und Mord, und Sachwerte, wie Wohnungseinbrüche, sind leicht angestiegen. Aber auch die Wirtschaftskriminalität ist leicht angestiegen. Darunter fallen alle Delikte aus der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit und Finanzbrunche. Viele Handwerker und Kleinunternehmen werden zunehmend auffällig, auch weil die Einhaltung der bestehenden Gesetzgebung strenger überprüft wird. Dies gilt auch für Steuerdelikte. Einzig die registrierten Straftaten im Bereich Familie und öffentliche Moral weisen einen geringen Rückgang auf.

Neue Sicherheitsdebatte in Zeiten des Wahlkampfs.

Wie auch in anderen Ländern löst eine solche Statistik heftige Debatten aus, insbesondere in der heißen Phase eines Wahlkampfs. In Marokko wird am 07. Oktober 2016 ein neues Parlament gewählt. Die aktuelle Regierung gerät dabei regelmäßig in die Defensive, wenn eine negative Entwicklung im Bereich „öffentliche Sicherheit“ verkündet werden muss. Ein Anstieg der Kriminalität ist stets ein schwieriges Thema und wird schnell zu einem Instrument der politischen Debatte. Die Opposition nutzt aber nicht nur die negative Gesamtentwicklung zur Kritik an der Regierung, sondern auch die „positive“ Entwicklung im Bereich „Familien und öffentliche Moral“ bietet für konservative Kräfte eine Angriffsfläche. Während die Kritiker den Gesamtanstiegt der Kriminalität dazu nutzen der Regierung die Fähigkeit abzusprechen die öffentlichen Sicherheit zu gewährleisten, so nutzen andere Kritiker die sinkenden Zahlen dazu, der Regierung vorzuhalten, das die öffentliche Moral geschwächt ist. Im ersten Moment eine seltsame Argumentation, doch die „positiven Werte“ im Bereich „Familien und Moral“ werden darauf zurückgeführt, dass z.B. Abtreibungen nicht mehr verfolgt werden. Aber auch Anzeigen wegen der Verletzung der öffentlichen Moral (Trunkenheit) oder wegen Prostitution nahmen ab, weil die Gesellschaft zunehmend eine liberale Einstellung entwickelt und viele Dinge akzeptiert.

Gerade der Bereich der sexuellen Übergriffe und Straftaten verschärft die Debatte. In den letzten Monaten wurden in Marokko immer mehr Fälle von Vergewaltigungen und Belästigungen öffentlich. Maghreb-Post berichtete über einen besonders schwerwiegenden Fall.  Die höhere Bereitschaft der Opfer sich an die Behörden zu wenden und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Fälle, hat wahrscheinlich Einfluss auf die Bewertung der offiziellen Zahlen.

Auch der Anstieg im Bereich der Finanzdelikte kann, vor dem Hintergrund der weltweiten Sicherheitslage, nicht überraschen. In diesem Bereich fallen neben der Fälschung von Eigentumsnachweisen, Fälschung von Finanzmittel (wie Banknoten), das Ausstellen von ungedeckten Schecks sowie Betrug, auch die Geldwäsche. Im Kampf gegen den Terror werden die Sicherheitsbehörden die Finanzströme im Land mit mehr Aufmerksamkeit verfolgt haben. Dies führte zwangsweise dazu, dass mehr Gesetzesverstöße entdeckt werden.

Gefühlte Sicherheit vs. tatsächliche Gefahrenlage

Die Sicherheitsbehörden weisen daher darauf hin, dass man zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Sicherheitslage unterscheiden muss. Die National Security (DGSN) sprach in einer Stellungnahmen davon, das ein Anstieg der Kriminalität differenziert betrachtet werden muss. Tatsächlich steht Marokko mit seinen Werten nicht besser oder schlechte da, als andere Länder. Im Vergleich zu Deutschland ist der Anstieg tatsächlich geringer. Das Bundesinnenministerium wies z.B. für das Jahr 2014 einen Anstieg von 4,1% aus

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