Landesweite Proteste in Marokko

Landesweite Proteste nach dem Tod eines Fischhändlers in Al-Hoceima.

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Proteste in Rabat
Proteste in Rabat nach Tod eines Fischhändlers in Ak-Hoceima

Landesweite Proteste nach dem Tod eines Fischhändlers in Al-Hoceima. Zwischen 8 und 11 Beschuldigte sollen festgenommen worden sein.

Rabat – Nach dem Tod der Fischhändlers Mohsen Fikri, am letzten Freitag in der Küstenstadt Al-Hoceima, gab es landesweite Proteste. Nach dem seit mehreren Tagen in Al-Hoceima protestiert wird, haben sich die Bürger in mehreren Städten des Königreiches den Protesten angeschlossen. Wie zahlreiche Medien wie Euronews, Aljazeera, tagesschau, Deutsche Welle und das ZDF berichten, sind nun auch die Bürger der Hauptstadt Rabat auf die Straße gegangen.

Proteste in Rabat
Proteste gegen Behördenwillkür in Rabat bis in die Nacht – Tod eines Fischhändlers in Al-Hoceima

Am letzten Freitag starb der Fischhändler Mohsen (Mouhsin) Fikri nach einer behördlichen Kontrolle seines Fischhandels unter tragischen Umständen. Schnell protestierten die Menschen gegen die Art und Weise des behördlichen Vorgehens und gegen die Todesumstände vom Mohsen Fikri. Er starb in einem Mülltransporter durch die Hydraulikpresse – maghreb-post.de berichtete.

Unter anderem zeigten sich die Menschen in der Hauptstadt Rabat mit den Bewohnern von Al-Hoceima solidarisch und protestierten ebenfalls gegen Behördenwillkür und Korruption. Die Demonstrationen blieben friedlich. Die Staatsmacht griff bisher nicht offen ein.

Nach Angaben der tagesschau.de protestierten tausende Menschen in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Die Demonstranten forderten eine glaubwürdige Arbeit der Regierung, die an den Lebensumständen der Menschen etwas verbessern muss. Ein Großteil der Demonstranten sind sehr junge Menschen, die wenig Perspektiven für sich sehen. Die Ineffizienz der Behörden und die Neigung von Beamten Bestechungsgelder anzunehmen oder gar zu fordern, wurde durch König Mohammed VI. in einer Rede vor dem Parlament Mitte Oktober diesen Jahres angeprangert – maghreb-post.com berichtet.

Gegen acht bis elf Personen wurden Untersuchungsverfahren eingeleitet.

Der König hatte den marokkanischen Innenminister Mohamed Hassad umgehend nach Al-Hoceima entsendet und eine umfassende Aufklärung der näheren Umstände des Todes von Fikri gefordert. Nach unbestätigten Angaben soll König Mohammed VI. die Beerdigungskosten übernommen haben.

Wie der deutsche TV-Sender ZDF, in seiner heute-Sendung vom 01. November 2016 um 19:00 Uhr (Video hier klicken) berichtet, wurden 8 Personen verhaftet (Deutsche Welle spricht von 11 Personen), die in die näheren Umstände der tragischen Ereignisse verwickelt sein sollen.

Die weitere Entwicklung der Proteste wird von der Art und Weise der Aufklärung der Todesumstände abhängig sein. Noch ist völlig unklar, ob die Beamten in menschenverachtender Gleichgültigkeit den Tod des Fischers, zumindest fahrlässig oder gar billigend, in Kauf genommen haben, oder es im Rahmen einer gewöhnlichen Amtshandlung zu diesem tragischen Ereignis gekommen ist. Diese Frage ist zu klären und sowohl die Regierung als auch die Menschen in Marokko werden sich daran messen lassen müssen wie sie das Ergebnis der Untersuchungen bewerten und wie darauf im Land reagiert wird.

Menschen sind frustriert, wütend und fordern Veränderungen.

Unabhängig vom tragischen und extremen Fall Mohsin Fikri, steht dieser leider nur exemplarisch für das alltägliche Erleben der Menschen mit Amtsträgern. Die nun entflammten Proteste zeigen, welche tiefe Frustration bei den marokkanischen Bürgern vorhanden ist. Sie fordern daher nicht nur Aufklärung, sondern auch Veränderungen sowie deutliche Konsequenzen. König Mohammed VI. hat selbst, in der genannten Rede vor dem Parlament, darauf hingewiesen, dass die Effizienz der Behörden ein Gradmesser für die Entwicklung eines Landes ist. Man mag dem Hinzufügen, dass auch das Vertrauen in die Amtsträger ein Gradmesser für die politische Stabilität eines Landes ist. Die polizeilichen Untersuchungen sowie die juristische Bewertung sind daher auch eine Chance für die Politik und die Menschen in Marokko.

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