Maghreb – Drohnenwettrüsten zwischen Algerien und Marokko

Wettrüsten im Kontext diplomatischer Spannungen zwischen Algerien und Marokko.

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Drohne
Drohne

Neu Käufe in China, USA, Türkei und Israel – Drohnen – Wettrüsten im Kontext diplomatischer Spannungen zwischen Algerien und Marokko.

Algier / Rabat – Die seit Ende letzten Jahres wieder besonders angespannte Situation zwischen den rivalisierenden Nachbarländern Algerien und Marokko hat das ohnehin bestehende Wettrüsten weiter angeheizt. Während Marokko auf die Modernisierung seiner Streitkräfte, durch Zukäufe von F-16 Kampfflugzeugen und Kampfpanzern des Typs Abraham in den USA sowie mit Hilfe Frankreichs und Italiens auf satellitengestützte Überwachungstechnologie setzt, beschafft sich Algerien neuste Raketensystem, Mehrzweckbomber, Kampfjets mit Tarnvorrichtungen, Kampfschiffe und Aufklärungstechnologie aus Russland, China und Deutschland. Nun scheinen sich die beiden Länder ein zusätzliches Wettrüsten auf dem Gebiet der Drohnentechnologie bieten zu wollen. Beide Länder besitzen bereits Aufklärungs- und Kampfdrohnen. So setzt Marokko Drohen aus den USA und Frankreich ein, während Algerien vergleichbare Systeme aus Russland im Arsenal hat. Aktuell treten aber weitere Akteure auf die Bühne. Die bisherigen Marktführer Israel und USA bekommen Konkurrenz, aber nicht aus der EU.

Türkei liefert Kampfdrohnen an Marokko – Algerien kauft in China

Noch Mitte September erhielt Marokko eine erste Lieferung von 13 Bayraktar TB2, Kampfdrohnen aus türkischer Produktion, die bereits 2019 bestellt wurden. Das türkische Modell ist nach Expertenangaben verhältnismäßig sehr leicht, kann 27 Stunden in der Luft bleiben, und verfügt sowohl über eine „leichte“ Bewaffnung sowie über einen Sprengkopf, so dass die Drohne selbst als Waffe gegen Stellungen zum Einsatz gebracht werden kann. Das türkische Modell gilt als kostengünstige Alternative, kann bis zu vier kleinere lasergesteuerte Lenkwaffen tragen und wurde im letzten Konflikt in Aserbaidschan eingesetzt. Das nordafrikanische Königreich hat außerdem vier amerikanische Reaper-Drohnen für die marokkanischen Streitkräfte erworben. Nach Angaben der marokkanisch-königlichen Luftwaffe will man die Modernisierung der eigenen Ausrüstung weiter vorantreiben.

Bayraktar TB2
Quelle FAR-Forum – Kampf- und Überwachungsdrohne aus der Türkei – Typ Bayraktar TB2

Die algerische Luftwaffe verfügt bereits über sechs Drohnentypen, von denen vier Typen als Angriffsdrohnen einzustufen sind. Außerdem wartet das Land auf 24 bei der chinesischen AVIC bestellte Wing Loong II-Panzerabwehrdrohnen, deren erste Lieferungen für Ende 2021 geplant ist. Die chinesische Drohe hat einen Flugradius von 1.500km, kann 20 Stunden in der Luft bleiben und eine Angriffsgeschwindigkeit von bis zu 370km/h erreichen.

Drohnentest
Algerische Drohne mit Bewaffnung

Mutmaßliche Pläne zwischen Israel und Marokko zum gemeinsamen Bau von „Kamikaze-Drohnen“

Wie das Fachportal defense news zuletzt berichtete, scheint sich zwischen Israel und Marokko eine erste konkrete Kooperation im Bereich Rüstungsgüter abzuzeichnen. So plane man in Marokko den Bau sog. „Kamikaze – Drohnen“. Ein unbemanntes Flugobjekt, ähnlich der türkischen TB2 Drohne, das selbst und als Ganzes, in Anlehnung an die japanischen Selbstmordpiloten des zweiten Weltkrieges, zur Waffe wird. Entsprechend fehlen Systeme zur sicheren Landung nach einem Einsatz. Das nordafrikanische Königreich hatte bereits 2020 angekündigt, eine eigene Rüstungsindustrie aufbauen zu wollen und hatte dazu eigens die strengen Gesetze zur Ansiedelung von ausländischen Unternehmen geändert.

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Erste Produktionsstätten sollen im Raum Casablanca und nördlich von Fés entstehen. Im Kontext der mutmaßlichen Kooperation mit Israel wurde der baldige Besuch des israelischen Verteidigungsministers Benny Gantz in Marokko angekündigt.

Drohne
Quelle FAR-Forum Maroc – Kooperation zum Bau von sog. Kamikaze-Drohnen mit Israel

Wettrüsten im Kontext diplomatischer Spannungen zwischen Algerien und Marokko.

Das neuerliche technische Wettrüsten durch militärische Drohnen muss als besorgniserregend gewertet werden. Ein Drohneneinsatz ist im Zweifelsfall schneller befohlen, da man keine eigenen Soldatenleben direkt gefährdet und auch die materiellen Kosten geringer sind, als z.B. bei einem Einsatz von teuren Kampfjets. Hinzu kommt, dass besonders die kleineren Drohnen, wie das türkische Modell oder mögliche „Kamikaze-Drohnen“ schwere vom gegnerischen Radar oder für die Abwehr von Flugzeugen entwickelten Abwehrsysteme zu orten sind. Zugleich haben sich die Spannungen zwischen beiden Ländern in den letzten Monaten deutlich verschärft und beide Staaten haben ihre militärischen Präsenzen an der gemeinsamen Grenze verstärkt.
Politische Beobachter sehen eine wachsende Gefahr für einen bewaffneten Konflikt. Dabei geht man aber eher von einem räumlich und zeitlich begrenzten Einsatz der Waffen aus, der aber genügen würde, Zweifel an der politischen Stabilität der Region zu wecken, wie bereist teilweise erfolgt.
Einem Umstand, der vor allem Algerien nutzen könnte, da die heimische Wirtschaft weniger von dem Vertrauen ausländischer Investoren abhängig ist, als dies bei Marokko der Fall wäre. Während aus Algerien durchaus aggressive Töne in Richtung Marokko zu hören sind und auch z.B. Armee- und Marinemanöver unweit der Grenze zum Königreich durchgeführt werden, zeigt man sich in Rabat auffällig zurückhaltend, denn Außenpolitisch und in der Westsaharafrage nützt das Säbelrasseln aus Algier der Diplomatie in Rabat. Verlierer dieses Wettrüstens sind die Bevölkerungen in den beiden Ländern, da die Militärausgaben erhebliche Mittel binden, die an anderer Stelle für die Entwicklungsmodelle genutzt werden könnten.

BIP
Anteil der Militärausgaben im Verhältnis vom BIP
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