Marokkanischer Rechnungshof beklagt zu hohe Beamtengehälter.

Gehaltsniveau im öffentlichen Dienst deutlich höher als in der Privatwirtschaft.

Rechnungshof
Marokkanischer Rechnungshof legt Bericht zu Beamtengehälter vor.

Der marokkanische Rechnungshof legt seinen Bericht zu Beamtengehältern und Effizienz im öffentlichen Dienst vor.

Rabat – Der marokkanische Rechnungshof hat Ende November seinen Bericht zur Effizienz des Öffentlichen Dienstes vorgestellt. Dabei untersuchte er die Entwicklung der Beamtengehälter im Vergleich zum Wirtschaftswachstum in Marokko. Nach dem jüngsten Bericht des Rechnungshofs droht der Anstieg der Beamtengehälter die Mittel der marokkanischen Wirtschaft zu überlasten. Gleichzeitig geht das Wachstum der Beamtengehälter nicht mit einer Verbesserung ihres Ansehens in der Bevölkerung einher.

Rechnungshof bewertet Verwaltungsreform und kritisiert eine hohe Verwaltungsquote.

In seinem jüngsten Bericht, der am 20. November 2017 veröffentlicht wurde, zieht der Rechnungshof Bilanz bezüglich der ergriffenen Maßnahmen zur Verwaltungsreform. Diese wurde in den 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts eingeleitet.

Im Jahr 2016 waren im Öffentlichen Dienst 860.253 Personen beschäftigt, davon 583.071 Beamte des Staates, 147.637 Beamte in den Kommunen und 129.545 Beamte in öffentlichen Einrichtungen. Obwohl die Verwaltungsquote in Marokko durchschnittlich 17,2‰ beträgt (die Verwaltungsquote wird durch die Zahl der Beamten je 1.000 Einwohner ausgedrückt), ist die territoriale Verteilung des Personals von Region zu Region unterschiedlich.

Verwaltungsquote reicht von 13,5‰ bis 37,7‰.

In der Region Rabat-Salé-Kénitra besteht eine Verwaltungsquote von 27,8‰. Dies ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass Rabat die Landeshauptstadt ist, in der zahlreiche Ministerien und Behörden ihren Hauptsitz haben. Überraschend ist dabei, dass die Region Rabat nicht die höchste Verwaltungsquote hat. Gerade im Süden des Landes sind die Verwaltungsquoten sehr hoch. Darunter die Region Laayoune-Sakia El Hamra mit einer Quote von 37,7‰ und die Region Dakhla-Oued Eddahab mit einem Wert von 26,7‰. Einige Regionen liegen dagegen deutlich unter dem nationalen Durchschnitt. Dies ist z.B. in der Region Marrakesch-Safi der Fall. Dort kommt man mit einer Verwaltungsquote von 13,5‰ zurecht.

Verwaltungsquote deutlich höher, wenn nur die erwerbsfähige Bevölkerung betrachtet wird.

Nutzt man zur Berechnung der Verwaltungsquote eine andere Berechnungsgrundlage, wird noch deutlicher, wie groß der Öffentliche Dienst ist. Anders als der Rechnungshof kann man statt der Gesamtbevölkerung nur die erwerbsfähige Bevölkerung als Basis heranziehen. Dann ist der Vergleich zwischen Leistungskraft der Volkswirtschaft und den Ausgaben für den Staatsdienst wesentlich aussagekräftiger. Die erwerbsfähige Bevölkerung macht weniger als 50% der Gesamtbevölkerung aus.

Erwerbsfähige Menschen
Anteil der Erwerbsfähigen an der Gesamtbevölkerung in Marokko.

Für das Jahr 2016 ergibt sich eine durchschnittliche Verwaltungsquote von rund 39‰. Das ist wesentlich mehr, als der Rechnungshof ausweist.

Vier Bereiche des Öffentlichen Diensts binden über 80% der Beamten.

Der Rechnungshof stellt außerdem erhebliche Unterschiede bei der Verteilung innerhalb der öffentlichen Verwaltung fest. Im Jahr 2016 waren fast 82,5% der Beamten in nur vier Ministerien tätig. In der nationalen Bildung sind (49,4%), im Innenministerium (20,5%), im Gesundheitswesen (8,4%) und im Hochschulwesen (4,2%) tätig. Eine Verteilung, die nach Ansicht des Rechnungshofes „analysiert und gegebenenfalls revidiert werden sollte“. Nicht betrachtet wurde der Wehrdienst bzw. der Bereich der nationalen Verteidigung.

Kosten für den Öffentlichen Dienst steigen und drohen die Wirtschaft über Gebühr zu belasten.

Dem Bericht des Rechnungshofs zufolge weist Marokko, im Vergleich zu seinen Nachbarn in der MENA-Region, einen relativ hohen Anteil der Beamtenbesoldung am Brutto-Inland-Produkt (BIP = Volkseinkommen) auf. Zwischen 2008 und 2016 stieg die Summe alle Löhne und Gehälter im Öffentlichen Dienst von 75,4 Milliarden marokkanische Dirham auf 120 Milliarden Dirham (MAD). Neben der absoluten Steigerungsrate sind die relative sowie die komparative Wachstumsraten entscheiden. Die öffentlich-rechtliche Gehalts- und Lohnquote stieg von 11,38% auf 11,84% des BIP. Dies klingt im ersten Moment gering, wird aber umso bedeutender, wenn man sich die Wachstumsraten pro Jahr im Vergleich zum Wirtschaftswachstum in Marokko ansieht. Zahlungen an die Beamten stiegen durchschnittlich um 5,3% pro Jahr. Das Wirtschaftswachstum (BIP) lag im gleichen Zeitraum nur bei durchschnittlich 3,92%. D.h. die Gehälter sind schneller und deutlich höher angestiegen, als das Volkseinkommen. Die Kosten steigen für den Staat schneller als das Einkommen für Marokko.

Gehaltsniveau im Öffentlichen Dienst deutlich höher als in der Privatwirtschaft.

Im marokkanischen Öffentlichen Dienst erreichte der durchschnittliche monatliche Nettolohn im Jahr 2016 7.700 MAD, was einer Steigerung von 51,6% im Vergleich zu 2006 entspricht. Dies ist ein Gehalt, das weit über dem Durchschnitt in der Privatwirtschaft liegt. In der Privatwirtschaft lagen im Jahr 2015 das durchschnittliche monatliche Nettogehalt bei 4.932 MAD und der Mindestlohn bei 2.568 MAD. Nimmt man als Vergleichswert das BIP pro Kopf hinzu, dann erhalten die Beamten rund das Dreifache des Wertes des BIP pro Kopf. In Marokko liegt das BIP pro Kopf bei 2.832 MAD (2016 pro Monat). Im Vergleich dazu liegt der Wert in Frankreich bei Faktor 1,2 und in Spanien genau bei 1.

Arbeitseffizienz der Beamten ist nicht mit den Gehältern gestiegen.

Der Rechnungshof weist in seinem Bericht darauf hin, dass „die substanzielle Verbesserung der Einkommen der Beamten nicht zu einer Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung der Verwaltung passt“. Mit anderen Worten, die Gehaltserhöhungen basieren nicht auf einer gesteigerten Arbeitsleistung bzw. verbesserten Arbeitseffizienz. Hier empfiehlt der Rechnungshof ein Umdenken im System.

Prognose für die weitere Gehaltsentwicklung

Laut der im Bericht enthaltenen Prognosen für den Zeitraum 2017-2021, wird das Gehaltsniveau zunächst weiter ansteigen. Für die Jahre 2016 und 2017 geht man von einem Anteil der Gehälter am BIP von 11,84% bzw. 12% aus. Erst ab 2018 folgt eine Stagnation bei den Gehältern und ab 2019 soll dann der BIP-Anteil auf ca. 11,5% wieder fallen

Notwendigkeit eines Systemwechsels – Rechnungshof gibt Empfehlungen ab.

Der Rechnungshof sieht die Gefahr, dass die marokkanische Wirtschaft zeitnah an ihre Grenzen gerät und die Beamtengehälter die Wirtschaftsentwicklung behindern könnten. Daher schlägt er einige Maßnahmen vor, die dabei helfen sollen den notwendigen Systemwechsel einzuleiten.

  1. Eine Überarbeitung des Vergütungssystems

    Das jetzige System bestimmt die Gehälter nach Verteilungsschlüssel und Hierarchiestufen. Diese Stellschrauben müssen angepasst werden. Verbunden damit gilt es Beförderungen und Gehaltssprünge einzuschränken.

  2. Neueinstellungen von Beamten sollen auf das Notwendigste beschränkt werden.

    Sofern Positionen zu besetzen sind, soll dies zunächst durch Personalumschichtungen erfolgen.

  3. Verlängerung der Arbeitszeiten soll einen besseren Stundensatz ergeben.

    Durch Verlängerung der Arbeitszeit im Öffentlichen Dienst würde man mehr Arbeitsstunden zur Verfügung haben, womit sich Neueinstellungen vermeiden lassen. Allerdings ist die gesetzlich vorgeschriebene stündliche Arbeitsbelastung nicht gleichmäßig verteilt und die tatsächlichen Arbeitsstunden im öffentlichen Dienst sind nicht bekannt.

Zentralregierung kündigte an 40.000 neue Stellen im öffentlichen Dienst zu schaffen.

Die marokkanische Zentralregierung hat bei den Beratungen zum Haushalt 2018 angekündigt bis zu 40.000 neue Stellen im Öffentlichen Dienst zu schaffen – magheb-post berichtete. Damit will man jungen Menschen, die es in Marokko besonders schwer haben eine Anstellung zu finden, eine Perspektive geben. Damit hat die Regierung von Premierminister El Othmani etwas Angekündigt, was den Empfehlungen des Rechnungshofes widerspricht. Allerdings schaut sich der Rechnungshof auch nur die wirtschaftliche Seite an, während die Regierung die politische und soziale Dimension betrachtet.

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