Marokkanisches Parlament startet in das neue Sitzungsjahr.

Marokkos Bevölkerung macht der politischen Elite Druck.

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König Mohammed VI. von Marokko - Rede vor dem Parlament

Marokkos König eröffnet am morgigen Freitag im Parlament das neue Sitzungsjahr 2017/2018.

Rabat – Am morgigen Freitag, den 13. Oktober 2017, endet offiziell die parlamentarische Sommerpause. Traditionell und durch die Geschäftsordnung des Parlaments vorgegeben, eröffnet König Mohammed VI. das neue Sitzungsjahr 2017/2018 mit einer Rede an die Parlamentarier. König Mohammed VI. wird die Sitzung gegen 17 Uhr Ortszeit im Parlament eröffnen. Die Rede wird wahrscheinlich live im Staatsfernsehen übertragen.

An der Auftaktsitzung werden Regierungschef Saad-Eddine El Othmani und der Präsident des Repräsentantenhauses, Lahbib El Malki, teilnehmen. Die Abgeordneten sind verpflichtet, die nationale Tracht gemäß der Geschäftsordnung der beiden gesetzgebenden Institutionen zu tragen.

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Traditionelle Kleidung bei der Rede von König Mohammed VI. pflicht.

König gibt die Richtung der Politik vor und spart auch nicht mit Kritik.

Welche Themen König Mohammed VI. in seiner Rede ansprechend wird, ist noch unklar. Das es an Themen nicht fehlen sollte, ist aber allen bewusst. In seiner letzten Rede, am 17. Oktober 2016, kritisierte König Mohammed VI. die Parlamentarier deutlich – maghreb-post berichtete. Er zweifelte damals an, dass die Parlamentarier(innen) und Politiker(innen) im Dienste der Menschen tätig sind. Nur wenige Monate später legte der König in seiner Thronrede nochmals deutlich nach und zweifelte bei einem Großteil der Staatsdiener deren Eignung und fachliche Kompetenz an – maghreb-post berichtete. In seiner Rede an das Parlament gibt der König, im Sinne einer Regierungserklärung, die Richtung der Politik vor und skizziert dabei seiner Erwartungen. Die Themen seiner Rede könnten sich aus dem turbulenten politischen letzten Jahr ergeben.

Marokko blickt auf ein turbulentes politisches Jahr zurück.

Das letzte politische Jahr war recht turbulent. Neben der Monate andauernden politischen Blockade nach den Parlamentswahlen, prägten die „Hirak“ – Bewegung in der Region Al Hoceima, der Wiedereintritt in die Afrikanische Union, die Weltklimakonferenz und der Antrag auf Aufnahme in die ECOWAS die politische Großwetterlage. Aber auch die gescheiterte Liberalisierung des Wechselkurses der Landeswährung und die Wasserkrise im Süden Marokkos haben das Land beschäftigt. Diese Themen werden Marokko auch im nun beginnen Sitzungsjahr beschäftigen.

Marokkos Bevölkerung macht der politischen Elite Druck.

Marokkos Bevölkerung zeigt sich zunehmend frustriert und ungeduldig. Obwohl Marokko ein positives Wirtschaftswachstum aufweist und neben Tunesien eine der offensten islamischen Gesellschaften hat, hat die Mehrheit der Menschen nicht das Gefühl, dass sich für sie die Lage wirklich verbessert hat. Dies liegt nicht zuletzt an der hohen Arbeitslosigkeit, gerade unter den jungen Menschen. Aber auch zunehmend frustrierend ist die Korruption im Land und die ungerechten Verteilung des entstehenden Wohlstands. Neben der politischen Führung gerät auch König Mohammed VI. zunehmend in die Kritik. Den Druck der Bevölkerung spürt die politische Elite und König Mohammed VI. zunehmend. Nicht selten wurden die Ereignisse in Al Hoceima mit dem Beginn des arabischen Frühlings verglichen, den das Land durch Zugeständnisse des Königs, aber auch durch Zugeständnisse des Volkes an seinen König, friedlich überstanden hat.

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