Marokko – Außenministerium schweigt zur möglichen Teilnahme an Nah-Ost Konferenz.

Marokkanisches Außenministerium reagiert weiterhin nicht.

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Jerusalem
Al Quds - Felsendom in Jerusalem

USA lassen durchsickern, dass Ägypten, Jordanien und Marokko an der Nah-Ost Friedenskonferenz in Bahrain teilnehmen.

Rabat – Am vergangenen Mittwoch (12. Juni 2019) meldeten mehrere Nachrichtenagenturen, dass Ägypten, Jordanien sowie Marokko dem Boykottaufruf der palästinensischen Autonomieregierung nicht folgen und an der von den USA organisierten Nah-Ost Friedenskonferenz teilnehmen werden. Die Nachrichtenagenturen beziehen sich auf Informationen eines hochrangigen Beamten aus dem „Weißen Haus“ in Washington, der aber nicht genannt werden will. In Bahrain will das Team, um US-Sonderberater Jarad Kushner, den wirtschaftlichen Teil ihres Friedensplanes, zur Lösung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern, vorstellen. Kritiker befürchten, dass die USA glauben, die Akzeptanz von politischen Zugeständnissen der Palästinenser und der islamischen Welt, zu Gunsten Israels, durch das Versprechen von wirtschaftlicher Entwicklung, erkaufen zu können, wer auch immer dann letztendlich die Kosten trägt.

Marokko – Spekulationen über Marokkos Teilnahme an Nah-Ost Friedenskonferenz

Marokkanisches Außenministerium reagiert weiterhin nicht.

Ob Marokko tatsächlich auf der Konferenz anwesend sein wird, ist noch unklar. Aus dem marokkanischen Außenministerium gab es, trotz Nachfrage mehrer marokkanischer Medien, dazu noch keine Aussage. Außenminister Nasser Bourita befindet sich, bis einschließlich morgen, auf Südamerika-Tour.

Erst kurz vor dem Ende des für Muslime heiligen Monats Ramadan besuchte US-Sonderberater Kushner das Königreich und traf dabei mit Außenminister Nasser Bourita und König Mohammed VI. zusammen. Am vergangenen Wochenende versicherte der marokkanische Außenminister Bourita, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Amtskollegen, Jean-Yves Le Drain, dass Marokko den von den USA entwickelten Friedensplan nicht kennen würde und das US-Sonderberater Kushner auch keine Gelegenheit hatte, Inhalte zu dem von ihm entwickelten Plan, in Rabat vorzustellen. Selbst wenn Kushner keine Details vorstellte, so kann man jetzt nicht ausschließen, dass er um die Teilnahme Marokkos bei der Konferenz in Bahrain warb.

Marokko – Außenminister Bourita bestreitet Kenntnis über Kushner – Plan.

Palästinenser hoffen auf Unterstützung für ihren Boykott.

Marokkos Rolle im Nah-Ost-Konflikt ist eine stille. Sie sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Das nordafrikanische Königreich ist sehr gut vernetzt, hegt große Sympathien für die Palästinenser und engagiert sich mit Hilfslieferungen und einem mobilen Militärkrankenhaus in der Region. Der marokkanische König selbst ist Vorsitzende des Al Quds – Komitees, das sich, im Auftrag der islamischen Staaten, um einen freien Zugang aller Muslime zu Al Quds (Jerusalem) bemüht.

König von Marokko sichert Palästinenserpräsident Abas Unterstützung zu.

Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde widerspricht Medienberichten.

Der Sprecher der palästinensischen Regierung, Ibrahim Melhem, erklärte, Marokko, Jordanien und Ägypten hätten nicht angekündigt, an der Konferenz teilzunehmen. „Im Gegensatz zu dem, was berichtet wurde, hat die palästinensische Regierung zur Kenntnis genommen, dass die Brüder im Haschemitischen Königreich Jordanien, im Königreich Marokko und in der Arabischen Republik Ägypten nicht angekündigt haben, an der Konferenz in Bahrain teilzunehmen.“

Die palästinensische Autonomiebehörde hatte bereits angekündigt die Konferenz in Bahrain zu boykottieren und rief zur Geschlossenheit unter den arabischen Staaten auf. Aus ihrer Sicht agieren die USA einseitig zu Gunsten Israels. Sie brachen, nach der Anerkennung Jerusalems, als Hauptstadt des Staates Israels, durch die USA, die Kontakte zu Washington ab. Doch die arabische Welt ist wie so häufig uneins. Saudi Arabien, Kuwait sowie die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Auch Qatar und der Oman werden wohl teilnehmen.

Marokko wichtiger Akteur im Nah-Ost-Konflikt

Auch wenn Marokko keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält, gibt es traditionell inoffizielle Kontakte nach Tel Aviv und Jerusalem, insbesondere zu Vertretern der sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

Die zweitgrößte Gruppe der im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkanern (MRE) lebt in Israel. In Marokko selbst lebt eine relativ große jüdische Gemeinde, die unter dem Schutz der Monarchie steht. Wenn Marokko teilnimmt, würde man dem engen Verbündeten USA den Rücken stärken und vielleicht eine Chance verschaffen, wieder Bewegung in den Konflikt zu bringen. Zugleich bleibt man informiert und kann seinen Einfluss wahren. Auf der anderen Seite werden sich die Palästinenser im Stich gelassen fühlen, mehr als ohnehin schon. Insbesondere wenn neben Marokko auch Jordanien und Ägypten teilnehmen. Letztendlich ist aber eine Teilnahme noch lange kein Signal der Zustimmung.

USA wollen zweistufig vorgehen.

Noch sind keine Details bekannt. Die Idee besteht womöglich darin, die Palästinenser mit den wirtschaftlichen Vorteilen des Plans zu locken, damit sie die politischen Vorschläge der Vereinigten Staaten akzeptieren, mit denen sie zu einem späteren Zeitpunkt, der noch bekannt gegeben werden muss, konfrontiert werden. Aber die Palästinenser haben bereits jeden Plan abgelehnt, der eine „Zweistaaten-Lösung“ mit einer palästinensischen Hauptstadt Jerusalem nicht vorsieht und danach sieht es, nach Äußerungen der US-Administration unter Donald Trump, aus. Die Vereinten Nationen informierten bereits darüber, dass sie keinen Vertreter zur Konferenz schicken werden.

Die Unterstützung der Länder der Region wird als entscheidend für den Erfolg des Vorschlags angesehen. Trump versucht, ein dauerhaftes Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern zu schmieden, im Sinne seiner „Deal making Politik“. Frieden in der Region ist eine Aufgabe, an der alle bisherigen US-Präsidenten, die es vor ihm versucht haben, gescheitert sind.

70 Jahre Nah-Ost-Konflikt

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