Marokko – Druck auf Weizensubvention und Staatskasse steigt.

60% des Budgets für Subventionen könnte schon aufgebraucht sein.

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Regierungssprecher
Regierungssprecher Mustapha Baitas

Regierungssprecher bestätigt Weizenvorrat für 4 Monate.

Rabat – Marokko und seine Regierung spüren immer stärker die Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs vor allem bei den Importgütern und insbesondere bei Weizen. Das Nordafrikanische Land kann sich mit Weizen, sowohl für den privaten Konsum wie auch für die gewerbliche Nutzung, z.B. bei der Viehzucht, nicht selbst versorgen und muss daher große Mengen importieren. Gleichzeitig wird Weizen und an erster Stelle Brot, zur Sicherstellung der Grundversorgung und zur Wahrung des sozialen Friedens, subventioniert. Doch mit steigenden Weltmarktpreisen für Weizen, steigt das finanzielle Subventionsvolumen und wächst die Belastung für den Staatshauhalt. Mit Stand 19. Mai 2022 muss für eine Tonne Weizen 420 Euro* bzw. 455 US-Dollar* am Weltmarkt bezahlt werden. Ende Februar und unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges in Europa, lag der Preis bei knapp unter 300 US-Dollar je Tonne. Ende Mai 2021 lag der Preis bei knapp über 250 US-Dollar je Tonne. Die marokkanische Regierung subventioniert jede Tonne Weizen soweit, dass die Mehlproduzenten mit 270 marokkanische Dirham je Doppelzentner kalkulieren und entsprechende Preise an die Bäckereien weitergeben können. Die sich dynamisch entwickelnde Preisdifferent trägt die Staatskasse.

weizen
Mehl aus Weizen

60% des Budgets für Subventionen könnte schon aufgebraucht sein.

„Das ist viel für die öffentlichen Finanzen, denn der Staat sorgt über die Mehlsubvention für einen Puffer, um die Kaufkraft der Haushalte zu erhalten, vor allem der einkommensschwächsten, die einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben“, warnt Les Inspirations ECO in einer aktuellen Ausgabe.

Nach nur einem Drittel des Jahres hat das Schatzamt bereits fast 60% der im Finanzgesetz vorgesehenen Mittel für Subventionen ausgegeben, so die Zeitung, die keine Besserung in Aussicht sieht, solange die Situation auf den Weltmärkten und in der Ukraine anhält.

Regierungssprecher versucht zu beruhigen.

In der Pressekonferenz nach der Sitzung des Regierungsrats am 19. Mai 2022 bestätigte der Regierungssprecher einen deutlichen Anstieg der Weizenpreise.

Auf die Frage nach dem „wahrscheinlichen Weizenkrieg, der der Welt bevorsteht“, versicherte der stellvertretende Minister für die Beziehungen zum Parlament und Regierungssprecher Mustapha Baitas, dass das Land über eine Reserve verfüge, die dem Verbrauch von vier Monaten entspreche.

Zugleich bestätigte er die hohen Belastungen für die Staatskasse aber auch den Willen der Regierung die Kaufkraft der Menschen bei diesem wichtigen Grundnahrungsmittel zu schützen.

Die Frage wird sich aber schnell stellen können, wie der Staat die nötigen Finanzmittel aufbringen oder es wagen kann, einen Teil der Preissteigerungen an die Bürgerinnen und Bürger weiterzugeben. Ein Ansatz, über den Les Inspirations ECO spekuliert, könnte eine eigentlich zweckwidrige Nutzung des staatlichen Anteiles an den OCP-Überschüssen sein. Der Phosphat- und Düngemittelkonzern, deren Hauptanteilseigner der marokkanische Staat und die königliche Al Mada Holding sind, profitier derzeit von den allgemein gestiegenen Weltmarktpreisen für Rohstoffe und meldet neue Umsatzrekorde. Im Haushaltsgesetzt sind diese Einnahmen aber anderweitig verplant.

Marokko – OCP meldet Umsatzanstieg von 77% in Q1 2022

*finanzen.net

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