Marokko – EU unterstützt marokkanische Grenzsicherungen mit 140 Mio. Euro.

Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Frau Federica Mogherini, zu Gesprächen in Marokko.

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König
Quelle MAP - König Mohammed VI. von Marokko empfängt EU Außenbeauftrage Mogherini

Marokko hat nach eigenen Angaben 2018 rund 89.000 illegale Grenzübertritte nach Europa unterbunden.

Rabat – Die Europäische Union (EU) drängt Marokko seit einiger Zeit, noch umfangreicher gegen illegale Grenzübertritte nach Europa vorzugehen. Marokko ist, nach den politischen Veränderungen in Italien, zu einem der wichtigsten Transitrouten für Migranten aus Afrika nach Europa geworden. Sowohl tagsüber, wie auch in der Nacht, transportieren kriminelle Schleuser Menschen in Schnellboten über das Mittelmeer, an der Meerenge zwischen Marokko und Spanien. Gerade die Regionen rund um Malage bzw. Tanger sind nur wenige Kilometer von einander entfernt. Vom alten Stadthafen in Tanger kann man die spanische Küste deutlich sehen. Viele Menschen versuchen daher über diesen Weg nach Europa zu gelangen, vor allem in die Länder der EU, in denen sie sich ein besseres Leben erhoffen. Die EU – Politiker stehen aber innenpolitisch unter Druck, da populistische Parteien die Migrationsfrage erfolgreich nutzen, um am rechten politischen Rand Wählerstimmen einzusammeln. Daher drängt die EU Marokko intensiver gegen die illegalen Grenzübertritte, vor allem nach Spanien, vorzugehen. Marokko hat in diesem Zusammenhang immer wieder um finanzielle Unterstützung gebeten. Am gestrigen Donnerstag besuchte die EU Außenbeauftragte Frau Federica Mogherini Rabat und sicherte Finanzhilfen zu.

Weitere 110 Mio. Euro sollen überwiesen werden.

Die Außenbeauftragte der EU Mogherini besuchte gestern die marokkanische Hauptstadt und traf dort, unter anderem mit König Mohammed VI., dem Außenminister Nasser Bourita sowie Premierminister Saad-Eddine El Othmani zusammen. Zwei Themen standen im Fokus. Das gerade vom EU Parlament verabschiedete Agrarabkommen und das Vorgehen gegen die illegale Migration von Marokko nach Europa. Marokko hatte sich geweigert sog. Migrationszentren auf dem Hoheitsgebiet des Königreichs einzurichten, in denen Migranten und Flüchtlinge eine legale Einreise nach Europa beantragen könnten und wo sie verbleiben müssten, bis über ihren Antrag wo auch immer entschieden würde. Mit dieser Weigerung befand sich Marokko in guter Gesellschaft mit Algerien und Tunesien, die sich ähnlichen Forderungen entgegen sahen. Aber man war in Rabat bereit, die Grenzsicherung zu verstärken, wenn sich die EU an den steigenden Kosten beteiligt und Marokko bei der Integration der Migranten im eigenen Land unterstützt. Bereits im Vorfeld hatte die EU für Ausrüstung und Überwachungstechnik 30 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Nun sicherte Mogherini weitere 110 Mio. Euro zu. Damit würde Marokko 140 Mio. Euro erhalten.

Rund 89.000 illegale Grenzübertritte 2018 unterbunden.

Migranten
Quelle MAP – Innenministerium gibt Zahlen zur Grenzsicherung bekannt.

Im Zusammenhang mit dem Besuch der hochrangigen EU Vertreterin veröffentlichte Marokkos Innenministerium aktuelle Zahlen zum Grenzschutz im vergangen Jahr 2018. Nach Angaben Marokkos wurden 88.861 Versuche einer illegalen Grenzüberschreitung von den marokkanischen Behörden unterbunden. Unter den Aufgegriffenen sollen 70.571 Drittstaatsangehörige sein, ein Zuwachs von 37% gegenüber dem Vorjahr 2017. Das Innenministerium fügte hinzu, dass im Berichtsjahr 229 Menschenschmugglernetzwerke aufgelöst werden konnten. Auf hoher See konnten 29.715 Migranten gerettet werden. Von den aufgegriffenen Migranten haben sich nach marokkanischen Angaben 5.608 Menschen zur Rückkehr in ihr Heimatland entschieden.

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