Marokko – Französischer Präsident soll von Rabat abgehört worden sein.

Macron beruft Sondersitzung des Sicherheitskabinetts ein.

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Mindesten eine private Handynummer von Emmanuel Macron soll auf der Kundenliste Marokkos bei der NSO Group – Pegasus Spyware stehen.

Paris / Rabat – Wie das Recherchemitglied von Forbidden Story, Franceinfo, berichtete, sei mindesten eine private Handynummer des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der von der NSO Group erbeuteten Liste zur Pegasus Spyware aufgetaucht. Neben dem französischen Staatspräsidenten seien auch weitere ehemalige und aktive hochrangige Politiker der französischen Regierung sowie der EU betroffen. Nach weiteren Angaben von Franceinfo, die auch von tagesschau.de aufgegriffen wurden, soll die Spur nach Marokko führen.

So soll die technische forensische Untersuchung des Handys des ehemaligen französischen Regierungsmitglieds François de Rugy, dem Minister für ökologische Entwicklung 2019, durch ein Labor in Zusammenarbeit mit Amnesty International ergeben haben, dass er mindesten drei Mal mit Hilfe von Pegasus angegriffen worden sei, wobei man den Angriff auf eine Quelle zurückgeführt haben will, die dem marokkanischen Geheimdienst zuzuordnen sei.
Aber auch Abgeordnete, Anwälte, Aktivisten oder hochrangige Behördenleiter sollen alle von marokkanischen Diensten angegriffen und teilweise erfolgreich überwacht worden sein. Die aufgefundene Handynummer von Präsident Macron stehe im Zusammenhang mit den aufgeführten Nummern, die mutmaßlich vom marokkanischen Geheimdienst überwacht wurden.

Zahlreiche Länder setzten auf die israelische Software Pegasus.

Die Medienkooperation aus 17 internationalen Medien, Forbidden Storys und Amnesty International hat in den letzten Tagen weitere Details zum Einsatz der Spionagesoftware (Spyware) Pegasus der israelischen Softwarefirma NSO veröffentlicht. Nach bisherigen Berichten zahlreicher Medien, darunter Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR (tagesschau.de), The Guardian, Le Monde, The Washington Post und Radio France, die alle zum Recherchenetzwerk gehören, haben mehrere Staaten, unter anderem Spanien, Frankreich, Groß Britannien, die Türkei, Algerien, Ägypten, Marokko und Mexico die Software eingesetzt, die das Abhören bzw. die Überwachung von Smartphones und anderer ähnlicher mobilen Endgeräte erlaubt. Das Journalistennetzwerk identifizierte, nach eigenen Angaben, Telefonnummern aus mindesten 50 Ländern und konnte diese Daten Journalisten, Wirtschaftsführern, Menschenrechtsaktivisten sowie ca. 600 Politikern und Regierungsmitgliedern zuordnen.

Pegasus
Quelle Forbidden Stories – Mutmaßliche Kunden der Pegasus Spyware der israelischen Softwarefirma NSO

Macron beruft Sondersitzung des Sicherheitskabinetts ein.

Noch ist nicht ganz geklärt, ob das Handy von Präsident Macron nur angegriffen oder „erfolgreich“ Überwacht wurde. Marokko streitet weiterhin öffentlich und vehement Abhör- oder Überwachungsaktionen in dieser Form ab und betont, dass man nicht im Besitz der Pegasus – Software ist. Doch die aktuelle Berichterstattung von Franceinfo bzw. France Radio Info genügt dem Präsidenten offensichtlich, um am heutigen Donnerstag (22. Juli 2021) eine Sondersitzung des Sicherheitskabinetts einzuberufen. Sollten sich trotz der Versicherungen aus Rabat bestätigen, dass man die Aktionen tatsächlich auf Marokko zurückführen kann, wäre dies unter Umständen Anlass genug, für eine diplomatische Eiszeit, die nicht unpassender kommen würde, nur wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, zu denen sich Präsident Macron sicherlich gerne als entschlossener Staatsführer präsentieren will und muss, um sich nicht von der nationalistischen Rechten angreifbar zu machen. Marokko wäre dann kaum aus den Schlagzeilen zu bekommen und würde zwangsläufig zum Ziel, was zahlreiche Kooperationen und Projekte gefährden würde, ganz davon abzusehen, welche Stimmung im Land gegen marokkanische Einwanderer oder Einrichtungen entstehen würde.

Je nach Glaubwürdigkeit und möglichen belastbaren Beweisen könnte Frankreich reagieren, z.B. mit Sanktionen.

Auffällig ist, dass obwohl Frankreich ebenfalls als Kunde der NSO Group und als Nutzer der Pegasus-Software genannt wird, es noch keine Informationen des Einsatzes von Seitens Paris gegeben hat. Aber dies könnte ja nur eine Frage der Zeit sein.

Marokko – Regierung bestreitet Einsatz von Spionagesoftware.

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