Marokko – Gerüchte um geheime Kontakte zu Israel ebben nicht ab.

Besuch Netanyahus in Marokko war angeblich doch im Gespräch.

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Jerusalem
Al Quds - Felsendom in Jerusalem

Israelischer TV-Sender berichtet über geheime Gespräche zwischen den Außenministern Israels und Marokkos.

Tel Aviv – Der israelische TV Sender „Kanal 13“ sendete einen Bericht, wonach sich der marokkanische Außenminister Nasser Bourita und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, der auch israelischer Außenminister seines Landes ist, bereits im September persönlich getroffen haben. Das Treffen soll unter strenger Geheimhaltung am Rande der UNO – Vollversammlung in New York stattgefunden haben. In dem Bericht des Senders, der gestern ausgestrahlt worden ist, beruft man sich auf einen hochrangigen israelischen Beamten, der aber anonym bleiben möchte.

Netanyahu
Benjamin Netanyahu, Premierminister von Israel auf dem World Economic Forum in Davos, January 25, 2018. Copyright by World Economic Forum / Manuel Lopez

Mögliche Normalisierung der diplomatischen Beziehungen besprochen.

Wie der Sender weiter berichtet, soll es bei dem persönlichen Gespräch der hochrangigen Politiker, um eine mögliche Annäherung und Normalisierung der diplomatischen Beziehungen gegangen sein. Israel und Marokko unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Informell gibt es allerdings teilweise gute Beziehungen marokkanischer Politiker vor allem zu israelischen Politikern der Arbeiterpartei. In Israel lebt die zweitgrößte Gruppe von im Ausland lebender Marokkanerinnen und Marokkaner (MRE). Die vorsichtige und ausdrücklich nicht bestätigte Annäherung, zwischen Israel und Marokko könnte durch den jeweiligen Konflikt mit dem Iran und durch politischen Druck aus den USA sowie einigen Ländern der Golfregion bestimmt sein. Auch über den Iran soll bei dem Treffen gesprochen worden sein.

Bourita
Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita

Besuch Netanyahus in Marokko war angeblich doch im Gespräch.

Nach Recherchen des israelischen TV – Senders Kanal 13 hat es doch Planungen für einen Besuch von Premierminister Netanyahu in Marokko gegeben. Nach Informationen des Senders soll Premierminister Netanyahu sich darum bemüht haben, das nordafrikanische Königreich besuchen zu dürfen. Doch der Besuch ist gescheitert und Marokko bestreitet, dass es solche Planungen gegeben hat. Neben der Tatsache, dass der Besuch Netanyahus durch ägyptische Medien publik gemacht worden ist, soll dieser auch daran gescheitert sein, dass Tunesien und Algerien dem Flugzeug des israelischen Regierungschefs keine Überfluggenehmigung erteilen wollten und dies trotz Drucks aus Paris, Washington und Riads sowie dem Versprechen, dass der Besuch geheim gehalten wird. Wie das Nachrichtenmagazin Middle East Monitor berichtet, beugten sich die beiden maghrebinischen Staaten nicht dem Druck. Die israelische Regierungsmaschine bekommt keine Überflugsrechte.

Büro des israelischen Premierministers dementiert den Bericht nicht.

Der israelische TV-Sender berichtete weiter, dass man das Büro des israelischen Premierministers um einen Kommentar gebeten hat. Das Büro weigerte sich aber den Bericht zu kommentieren, „Wir kommentieren keine Kontakte zu Ländern, mit denen wir keine formellen Beziehungen haben“, zitiert der Sender die Antwort aus dem Büro von Netanyahu.

Vermittlungsangebot zwischen USA und Marokko

Für einen Empfang des israelischen Ministerpräsidenten in Marokko, soll dieser eine Vermittlerrolle zwischen Rabat und Washington angeboten haben, damit Marokko wieder mehr Unterstützung in der Westsaharafrage aus Washington erhält. Der israelische Premierminister will sich durch die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen und Kontakte zu muslimischen Ländern eine gestärkte innenpolitische Position verschaffen. Wer mit Israel spricht oder gar in dessen Schuld steht, wird in der Palästinenserfrage weniger deutlich Position beziehen können, so das Kalkül in Jerusalem. Marokkos politische Achillesferse ist die Westsahra. Darüber hinaus ist der marokkanische König der Vorsitzende des Al Quds Komitees, das sich um die Rückgewinnung Jerusalems für die muslimische Welt bemüht.

König
König Mohammed VI. von Marokko.

Hier steckt Marokko in einer Zwickmühle, die man in Jerusalem und Washington gerne ausnutzen möchte.

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