Marokko – Inseln vor Al Hoceima – Spanien bettet Leichen aufs Festland um.

Spanische Behörden dementieren eine Aufgabe der Inseln oder gar Abtretung an Marokko

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Spanien
Diplomatisches Beziehungen zwischen Marokko und Spanien durch den Fall des Polisario - Führers Ghali belastet.

Spekulationen über mögliche Abtretung von „spanischen“ Inseln unmittelbar vor dem marokkanischen Festland an Marokko bekommen neue Nahrung.

Madrid – Seit dem Ausbruch der diplomatischen Krise zwischen Marokko und Spanien, die durch die Aufnahme des Führers der Frente Polisario, Brahim Ghali, durch Spanien in einem Krankenhaus im April 2021 ausgelöst wurde sowie den damit verbundenen Reaktionen aus Rabat, steigt der Druck in Spanien eine Lösung zu finden.

Zunächst zeigte Spanien, als Reaktion auf den Unmut in Rabat, eine zusätzlich das Nachbarland herabsetzende Haltung, nicht nur durch verbale Attacken, sondern auch durch die Einbeziehungen des EU-Parlaments, mit dem Ziel Druck auf Marokko auszuüben und dessen Haltung zu verändern. Doch Marokko beließ es bei seiner deutlichen Verärgerung, brach den Kontakt ab, rief seine Botschafterin aus Madrid zurück und nutzte seinerseits die Situation, um die arabische und afrikanische Welt hinter sich zu versammeln.

Madrid sucht nach einem Lösungsweg.

Inzwischen spürt Madrid die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen der diplomatischen Krise mit Marokko und sucht seit Wochen nach einer Lösung. Auch die Europäische Union drängt Spanien hinter den Kulissen die Krise zu bereinigen, indem es mit Marokko das Gespräch sucht, wirtschaftliche Kontakte zum Königreich ausbaut und Spanien keine öffentliche Unterstützung gewährt. Ein mögliches Angebot an Marokko könnte der neue spanische Außenminister José Manuel Albares vielleicht darin sehen, dass man Marokko Land „zurückgibt“. Zuvor wenig beachtet, aber seit der mutmaßlich von Marokko gebilligten Flüchtlingskrise von Ceuta wieder deutliche im Bewusstsein, hält Spanien teils seit Jahrhunderten Exklaven unmittelbar vor oder direkt an der marokkanischen Mittelmeerküste, auf die Marokko Anspruch erhebt. Der Preis für eine beginnende „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Marokko und Spanien könnte die Abgabe von Land sein. Zwar stehen, aus Sicht von Madrid, kurzfristig Ceuta/Sebta und Melilla nicht zur Verfügung, aber zahlreiche kleinere Inseln, z.B. vor der Küstenstadt Al Hoceima wären „entbehrlich“.

Außenminister
Spanischer Außenminister José Manuel Albares

Spanien bettet Tote von Inseln vor Al Hoceima auf das Festland um.

Die spanischen Behörden haben gestern eine umfangreiche Aktion zur Exhumierung von vierundfünfzig Leichen gestartet, die auf mindesten zwei besetzten Inseln vor Al Hoceima begraben sind. Diese Operation hat zu verschiedenen Gerüchten über die mögliche Abtretung dieser Gebiete Anlass gegeben.

Die Exhumierung der sterblichen Überreste von 54 spanischen Soldaten wurde Anfang Juli beschlossen und einen Monat später, am Dienstag, den 3. August 2021, begonnen, berichtet die iberische Nachrichtenquelle Ok Diario. Der Exhumierungsplan wird bis September andauern, so Ok Diario weiter.

Sechsunddreißig Gräber befinden sich auf dem Friedhof der Insel Badis Peñón de Vélez de la Gomera, 126 km westlich von Melilla sowie nur 4 km nordöstlich von Al Hoceima (200m vom Strand entfernt und bei Ebbe zu Fuß erreichbar), und achtzehn Gräber auf der Insel Nekor. Die Toten, die auf diesen Inseln begraben sind, starben alle zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert.

Spanische Behörden dementieren eine Aufgabe der Inseln oder gar Abtretung an Marokko

Unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Meldung, kamen Spekulationen über eine mögliche Abtretung dieser von Marokko beanspruchten Gebiete auf. Die spanischen Behörden haben jedoch klargestellt, dass „der Grund dafür rein technischer Natur ist“, berichtet die Tageszeitung ABC. Ziel ist es, „diese Überreste unter den bestmöglichen Bedingungen zu erhalten, da sie im Laufe der Jahre unter schwierigen Umweltbedingungen gelitten haben und aufgrund der seismischen Aktivität in diesem Gebiet die Gefahr von Erdrutschen besteht“, erklärte die Generaldirektion für Kommunikation des Generalkommandos von Melilla.

Marokko – Außenministerium nennt Aufnahme von Polisario – Führer in Spanien einen „vorsätzlichen Akt“!

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