Marokko – Israelische Delegation in Rabat eingetroffen.

Jared Kushner begleitet israelische Delegation

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El Al
El AL LY555 Sonderflug Tel Aviv - Rabat mit israelisch - amerikanischen Delegation angekommen.

Erster Direktflug zwischen Marokko und Israel nach „Normalisierung der Beziehungen“.

Rabat – Am heutigen Dienstag, den 22. Dezember 2020, landete der erster Direktflug aus Israel in der marokkanischen Hauptstadt Rabat am Flughafen Rabat-Salé. Das Flugzeug ist gegen 15:00 Uhr Ortszeit in Rabat gelandet. Bei dem Flug der israelischen Fluggesellschaft El Al vom Flughafen Ben Gurion Tel Aviv, mit der Flugnummer LY555, handelt es sich noch nicht, um eine reguläre Verbindung, sondern um einen Sonderflug mit historischer Bedeutung, der eine israelisch – amerikanische Delegation zu Gesprächen in das nordafrikanische Königreich gebracht hat.

Marokko hatte am 10. Dezember 2020 die Beziehungen mit Israel „normalisiert“. Am 17. Dezember 2020 erklärte der marokkanische Außenminister, Nasser Bourita, dass man nun auch offiziell direkten Kontakt zu Israel aufgenommen habe. Am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass Marokko und Israel zeitnah ein Luftverkehrsabkommen unterzeichnen werden, so dass bis zum Ende des ersten Quartals 2021 Linienflüge zwischen Casablanca und Tel Aviv durchgeführt werden können.

Israel
Quelle Twitter Avi Berkowitz Sonderberater der USA – Erster Direktflug von Israel nach Marokko seit Verkündung der „Normalisierung“ der Beziehungen

Jared Kushner begleitet israelische Delegation

Bei diesem ersten offiziellen Zusammenkommen zwischen Vertretern der israelischen und marokkanischen Regierung war auch Jared Kushner gegenwertig. Kushner begleitete die israelische Delegation. Der Sonderberater für den Nahen-Osten und Schwiegersohn des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump koordinierte die Gespräche zwischen den USA, Israel und Marokko. Jared Kushner, selbst jüdischen Glaubens, versucht im Auftrag der US-Administration die Beziehungen zwischen den arabischen-islamischen Ländern und Israel zu verändern und den Nah-Ost-Konflikt zu entschärfen sowie die Sicherheitslage für Israel zu verbessern.

König
Quelle MAP – König Mohammed VI. und Jarad Kushner in Salé

Ebenfalls an Bord des Flugzeugs der El Al befanden sich Avi Berkowitz, US-Sonderbeauftragter für den Nahen-Osten, Adam Bohehler, Leiter der American International Development Finance Corporation, sowie Meir Ben-Shabbat, israelischer nationaler Sicherheitsberater sowie weitere israelische Beamte, die verschiedene Bereiche vertreten. Laut israelischen Medien ist insbesondere ein Treffen zwischen Meir Ben Shabbat und dem Chef der marokkanischen Regierung, Dr. Saad-Eddine El Othmani, geplant. Der Empfang findet im marokkanischen Außenministerium statt. Während dieses Besuchs wird die Unterzeichnung mehrerer Kooperationsabkommen zwischen Israel und dem Königreich Marokko erwartet. Die israelisch-amerikanische Delegation soll bereits am morgigen Mittwochvormittag wieder abreisen.

Sonderflug
Quelle marokkanisches Außenministerium – Jared Kushner und israelischer nationaler Sicherheitsberater M. Ben Shahhat – Ankunft in Rabat 22. Dezember 2020

Geste des Friedens

Als israelische Geste des Friedens wurde die Sondermaschine der El Al besonders lackiert. Auf der Seit des Flugzeugs wurden die Flaggen der drei beteiligten Länder, Israel, Marokko und USA, angebracht. Zusätzlich wurde die sog. Khmissa („die Fünf“ oder auch die Hand der Fatima), ein Symbol des Friedens und des Schutzes, so wie das Wort Frieden in drei Sprachen, Arabisch, Hebräisch und Englisch, angebracht.

El Al
Sonderflug zwischen Tel Aviv und Rabat mit besonderer Lackierung

Israel nun in der Pflicht.

So höfflich und Hoffnungsstiften solche Gesten und Zusammentreffen auch sein können, liegt es nun an allen Beteiligten den Symbolen auch ernsthafte Taten folgen zu lassen. Neben Marokko haben in diesem Jahr mehrere arabische und islamische Staaten die Beziehungen zu Israel „normalisiert“ und damit die Existenz des Staates Israel, teils explizit oder defacto, anerkannt. Auch wenn diese Länder des Nahen-Ostens, und nun auch Marokko, dies nicht ganz uneigennützig getan haben, so ist die arabisch-islamische Welt, durch eine historische Geste, die die Gefahr der Spaltung beinhaltet, und einem damit verbunden Vertrauensbonus, in Vorleistung gegangen. Es liegt nun an Israel, sich diesem Vertrauen und Zeichen des Friedens würdig und erkenntlich zu zeigen und den Palästinensern die Möglichkeit zu einem existenzfähigen eigenen Staat zu geben. Ein Anliegen, dass keines der arabisch-islamischen Länder, zumindest offiziell, aufgegeben hat.

Zweitgrößte marokkanische Diaspora lebt in Israel

Auch wenn die Beziehungen zwischen dem Königreich und Israel nicht offiziell bestanden haben, so gab es dennoch direkte und teils enge Kontakte. In Israel leben, nach Angaben der marokkanischen Behörden, ca. 800.000 Marokkanerinnen und Marokkaner. Damit stellen sie die zweitgrößte Diaspora bzw. Gruppe der im Ausland lebenden Marokkaner (MRE). Nur in Frankreich ist die Gruppe der MREs größer.

Zahlreiche Politiker in Israel, vor allem im sozialistischen und linken Parteienspektrum, sind direkter marokkanischer Herkunft oder Abstammung und sprechen neben dem arabischen auch den maghrebinischen Dialekt (Darija). In Marokko selbst lebt noch immer eine große jüdische Gemeinde und Menschen jüdischen Glaubens stehen traditionell unter dem besonderen Schutz der marokkanischen Monarchie.

König
König Mohammed VI. von Marokko besucht historische Synagoge in Essaouira
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