Marokko – Israelischer Verteidigungsminister in Rabat erwartet.

Zusammenarbeit auch beim Aufbau einer Rüstungsindustrie in Marokko.

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Verteidigungsminister
Quelle israelisches Verteidigungsministerium - Benny Gantz israelischer Verteidigungsminister

Verteidigungsminister Benny Gantz soll am 24. November 2021 zur Unterzeichnung von Abkommen Marokko besuchen.

Rabat – Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das israelische Verteidigungsministerium am Montag mitteilte, wird der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz am 24. November 2021 Marokko einen offiziellen Besuch abstatten und mit dem nordafrikanischen Königreich Abkommen über die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich unterzeichnen. Dies wäre der zweite hochrangige Besuch eines israelischen Spitzenpolitikers in Marokko seit der Unterzeichnung des sog. Abraham-Abkommens Ende Dezember 2020. Der israelische Außenminister Yair Lapid reiste im August nach Marokko – der erste Besuch eines israelischen Regierungsmitglieds in diesem Land seit 2003. Marokko gehört neben den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und dem Sudan zu den arabischen Ländern, die ihre Beziehungen zu Israel im vergangenen Jahr im Rahmen eines von den USA ausgearbeiteten Abkommens normalisiert haben. Jahre zuvor schlossen auch Jordanien und Ägypten Friedensverträge mit Israel.

Zusammenarbeit auch beim Aufbau einer Rüstungsindustrie in Marokko.

Das Königreich Marokko plant seit einigen Jahren, den Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie und hatte dazu eigens die Gesetzeslage geändert, um ausländischen Investoren die Einbindung in diesen sensiblen Bereich zu ermöglichen. Neben den USA und Frankreich erhofft man sich insbesondere von Israel Unterstützung. So sollen in Marokko sog. Selbstmord-Drohnen aus israelischer Entwicklung produziert werden, die auf Ziele ausgerichtet, teils selbständig auf Zerstörungsmission geschickt werden können, ohne Option auf einen erneuten Einsatz. Derzeit montiert man bereits leichte Panzerfahrzeuge, Kleinkaliberwaffen und Munition in Marokko. Neben der Kooperation bei Waffensystemen wird es sicherlich auch, um die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen gehen. Zuletzt wurde in Medienberichten darüber spekuliert, dass Marokko am Kauf des Raketenabwehrsystem Iron Dom interessiert sei. Dies ließ sich aber nicht verifizieren.

Marokko betreibt eine Annäherung auf „mittlerer Ebene“.

Auch wenn die Bereiche der Zusammenarbeit zwischen Marokko und Israel immer zahlreicher werden, so betreibt Marokko offiziell und auch praktisch nur eine Annäherung auf Sparflamme. Ganz offen spricht man in Rabat von einer „Wiederherstellung der Beziehungen auf mittlerer Ebene“, die Rabat im Jahr 2000 aus Solidarität mit den Palästinensern eingefroren hatte.

So hat man gegenseitig Verbindungsbüros eingerichtet, aber offiziell keine Botschafter entsandt. Auch besuchte bisher noch kein marokkanischer Spitzenpolitiker offiziell Israel.

Marokko geht selektiv vor, mit Blick auf seine Beziehungen zur islamischen Welt, der Rolle des Königs als Vorsitzender des Al Quds (Jerusalem) Komitees und als Unterstützer der Palästinenser. So kooperiert man offen in den Bereichen Wirtschaft, Land- und Wasserwirtschaft, Tourismus und Luftverkehr sowie jetzt in Rüstungs- und Sicherheitsfragen aber weitere Fragen, wie z.B. die gegenseitige Anerkennung von Territorien, werden höchstens hinter verschlossenen Türen angesprochen. Marokko ist sich auch der weiteren Haltung der USA in der Frage der Westsahara (marokkanische Sahara) unsicher und will notfalls politisch reagieren können.

Traditionell enge Verbindungen zu Menschen jüdischen Glaubens.

Marokko war bis zur Gründung Israels im Jahr 1948 jahrhundertelang die Heimat einer der größten und wohlhabendsten jüdischen Gemeinden in Nordafrika und im Nahen Osten. Viele von ihnen diensten Sultanen und Königen bis heute als Beamte und enge Berater. In Marokko stehen Menschen jüdischen Glaubens traditionell unter besonderem Schutz der Monarchie und genießen zahlreiche Sonderrechte mit Bezug zum Bildungs- oder einem eigenen Rechtssystems. Schätzungsweise eine Viertelmillion Juden verließen Marokko zwischen 1948 und 1964 nach der Gründung des Staates Israel. Inzwischen leben in Israel ca. 800.000 Menschen mit Wurzeln im Königreich oder mit einer marokkanischen Staatsangehörigkeit. Sie stellen die nach Frankreich größte im Ausland lebende marokkanische Gemeinde. Heute leben in Marokko nur noch etwa 3.000 Menschen jüdischen Glaubens.

Marokko – Hohe Glaubwürdigkeit als Vermittler zwischen Israel und Palästinenser.

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