Marokko – Keine Stellungnahme zu den Ereignissen in Algerien

Außenministerium dementiert mögliche Beratungen mit Paris.

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Außenministerium
Außenminister Nasser Bourita

Außenminister verweigert Kommentare zur Lage im Nachbarland Algerien.

Rabat – Die marokkanische Regierung hat sich zu den Ereignissen im Nachbarland Algerien bisher auffällig zurückhaltend verhalten. Nun hat sich der marokkanische Außenminister Nasser Bourita zu Berichten geäußert, wo nach man sich doch geäußert hätte. Er betonte, dass Marokko das Prinzip der „Nichteinmischung“ in die inneren Angelegenheiten Algeriens verfolge. Vor dem Hintergrund der seit dem 22. Februar andauernden Demonstrationen, wird sich das Königreich nicht äußern oder gar einmischen, so der marokkanische Chefdiplomat in einer Stellungnahme am vergangenen Wochenende.

Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita erklärte: „Das Königreich hat beschlossen, keine Stellung zu beziehen, bzgl. der jüngsten Entwicklungen in Algerien. Es wird die Lage weder kommentiert noch wird in irgendeiner Form eingegriffen“.

Außenminister Nasser Bourita fügte hinzu: „Marokko hat weder das Recht sich in die internen Entwicklungen, die Algerien derzeit erlebt, einzugreifen noch sie in irgendeiner Weise zu bewerten“.

Außenministerium dementiert mögliche Beratungen mit Paris.

Die marokkanische Regierung hat sich nicht zu den Entwicklungen in Algerien seit Beginn der Demonstrationen gegen die Kandidatur von Präsident Abdelaziz Bouteflika für eine fünfte Amtszeit geäußert. Der offizielle Sprecher der Regierung, Mustapha El Khalfi, lehnte Fragen zu diesem Thema in seiner wöchentlichen Pressekonferenz am letzten Donnerstag ab.

In algerischen und französischen Medienberichten wurde behauptet, dass Rabat Stellungnahmen zu den Ereignissen in Algerien abgegeben hat und dass sich das Königreich mit Paris über die Entwicklungen im Nachbarland abgestimmt habe. König Mohammed VI. befindet sich seit einigen Tagen in seinem Landsitz in der Nähe der französischen Hauptstadt.

Bourita zeigte sich demonstrativ überrascht über die Medienberichte und wies darauf hin, dass Marokko sich weder geäußert noch mit anderen Ländern abgestimmt habe. Dies gelte auch für mutmaßliche Gespräche zwischen der marokkanischen und der französischen Regierung.

Algerien – Demonstrationen gehen weiter.

Lage in Algerien weiter angespannt.

Das Nachbarland Algerien erlebt seit Wochen Massendemonstrationen gegen Präsident Bouteflika und die Regierung. Die Algerierinnen und Algerier gehen täglich auf die Straßen, um für politische und wirtschaftliche Veränderungen zu demonstrieren. Die Folge der Demonstrationen waren bisher der Kandidaturverzicht von Präsident Bouteflika, die Neubesetzung des Postens des Premierministers sowie die Verschiebung der Präsidentschaftswahlen auf unbestimmte Zeit.

Besorgnis über die Lage in Algerien ist begründet.

Die Lage in Algerien wird durchaus als Gefährdung der Stabilität in Rabat aufgenommen und bewertet. Niemand weis ob Algerien sich in Richtung Militärdiktatur, Bürgerkrieg oder einem instabilen Staats wie Libyen entwickelt. Auch weiß Niemand in Rabat, wie sich die Lage in Algerien auf Marokko auswirken wird. Marokkos politisches System gilt als relativ Stabil. Das Königreich steht trotz all der Kritik und dem politischen System mit einer Monarchie an der Spitze, wirtschaftlich diversifizierter da und genießt das größere Vertrauen internationaler Investoren. Aber auch in Marokko brodelt es gerade bei den jungen Menschen im Alter unter 25 Jahren, da diese deutlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Ihre Situation ähnelt der Lager der Demonstranten in Algerien.

 

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