Marokko – König ernennt Mitglieder des Entwicklungskomitees

Ehemaliger Innenminister ist Vorsitzender der Kommission.

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König
König Mohammed VI. von Marokko

Neues marokkanisches Entwicklungsmodell soll Verbesserungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystem ermöglichen.

Rabat – Mit mehrmonatiger Verzögerung kann nun das angekündigte Komitee für die Erarbeitung eines neuen nationalen Entwicklungsmodells seine Arbeit aufnehmen. In seiner Rede vor dem Parlament im Oktober 2018 beklagte König Mohammed VI. die Ergebnisse des zuvor verfolgten Konzeptes, das Land zu entwickeln. Die großen Ungleichheiten zwischen den Regionen und den Metropolen sowie den ländlichen Gebieten seien zu groß, die politische Dezentralisierung schreitet zu langsam voran und die sozialen wie auch wirtschaftlichen Zuwächse kommen zu wenig bei den Menschen an. Er forderte in seiner Rede die Regierung auf, ein neues Entwicklungsmodell zu erarbeiten. Doch die Regierungskoalition konnte sich nicht mal auf einen Entwicklungsprozess einigen, geschweige ein neues nationales Entwicklungsmodell zu entwickeln. Im Sommer 2019 kündigte der König an, eine Kommission einzusetzen. Dies ist nun geschehen.

Ehemaliger Innenminister ist Vorsitzender der Kommission.

Bereits vor wenigen Wochen ernannte König Mohammed VI. den marokkanischen Botschafter in Frankreich und ehemaligen Innenminister Chakib Benmoussas zum Vorsitzenden des Komitees. Er und ein Team von Experten, sollen in den nächsten Wochen und Monaten Visionen, Zielsetzungen und Strategien entwickeln, wie man die politische und wirtschaftliche Entwicklung im Königreich vorantreiben muss. Dabei sollen vor allem die Voraussetzungen geschaffen werden, dass es zu Verbesserungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystem kommt. Die Kritik gerade der jungen Bevölkerung richtet sich  insbesondere auf diese drei Bereiche. Allen Beteiligten ist klar, dass diese Zielsetzung von einem Abbau der Jugendarbeitslosigkeit bestimmt sein wird. Insgesamt besteht das Komitee aus 35 Experten.

Entwicklungsmodell
Ehemaliger Innenminister Chakib Benmoussas von König Mohammed VI. zum Vorsitzenden des neuen Entwicklungskomitees ernannt.

Erste Bericht bis Sommer 2020.

Laut einer Erklärung des königlichen Kabinetts mobilisiert der Ausschuss marokkanische Kompetenzen, die sowohl in Marokko als auch im Ausland tätig sind und im öffentlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Sektor aktiv und engagiert sind.

Die hochkompetenten Mitglieder sind verpflichtet, einen ersten Bericht zu erstellen, der das aktuelle politische, soziale und wirtschaftliche Klima Marokkos untersucht und dabei die Errungenschaften und Reformen des Königreichs sowie die Erwartungen der Bürger berücksichtigt. Der Ausschuss muss auch die internationale Rolle Marokkos sowie die voraussichtliche Entwicklung des Landes berücksichtigen.

König Mohammed VI. erwartet, dass der Ausschuss Vorschläge unterbreitet, um Reformen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Investitionen und Steuern zu erleichtern.

Der Ausschuss wird seinen Bericht dem König bis zum nächsten Sommer vorlegen müssen.

Parteien verpassen ihre Chance

Die Einsetzung dieses Komitees durch das königliche Kabinett und den König selbst, zeigt wie wenig man in Marokko den etablierten Parteien und der amtierenden Regierungskoalition zutraut, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen anzugehen. Die politischen Parteien und die durchaus demokratisch gewählten Abgeordneten haben die Chance verpasst, sich in den Augen der Bevölkerung mit einer gestärkten Legitimität auch gegenüber der Monarchie auszustatten, in dem sie Verantwortung übernommen hätten. Die mangelnde programmatische Einigkeit zwischen den Koalitionspartnern und das Streben einzelner Parteiführer nach dem Amt des Premierministers oder die Platzierung von Parteifreunden in wichtigen Ministerien, führt regelmäßig zu Ineffizienzen und schädigt das Vertrauen in demokratische Strukturen.

Königliches Kabinett zieht Kompetenzen an sich.

So zieht das königliche Kabinett nicht nur die Kompetenzen wieder stärker an sich, sondern die Monarchie demonstriert, dass alleine sie als Institution bereit ist, für die Zukunft des Landes Verantwortung zu übernehmen. Wer sich bisher gefragt hat, weshalb es gerade in Marokko nicht zu einem „Arabischen Frühling“ gekommen ist, bekommt hier anschaulich demonstriert, dass es in Marokko nicht ohne die Monarchie geht. Dies liegt nicht alleine daran, dass das politische System auf den König ausgerichtet ist, sondern auch weil derzeit keine politische Alternative existiert. Das wissen die Menschen auch. Zugleich geht das Königshaus das Risiko ein, dass für ein erneutes Scheitern eines zukünftigen Entwicklungsmodells nicht die Parteien verantwortlich gemacht werden können, sondern vornehmlich die Monarchie. Sollt es aber gelingen, ist das Königshaus für mindesten eine weitere Generation etabliert.

Liste der Mitglieder des Komitees:

– Adnane Addioui: Mitbegründer der Plattformen „Marokkanisches Zentrum für Innovation und Social Entrepreneurship“ und „Wuluj“ zur Beteiligung an der Finanzierung kreativer und innovativer Projekte.

– Rajae Aghzadi: Chirurgin, Präsidentin der marokkanischen Vereinigung „Herz der Frauen“.

– Mohamed Amrani Boukhobza: Dekan der Rechtsfakultät von Tetouan, Professor für Hochschulbildung an der Rechtsfakultät von Tanger.

– Farida Benlyazid: Filmkritikerin, Regisseurin und Drehbuchautorin.

– Laila Benali: Internationale Expertin für Energiestrategie und Nachhaltigkeit. Chefökonomin, Direktorin für Strategie, Wirtschaft und Nachhaltigkeit bei APICORP. Präsidentin des Arab Energy Club.

– Mohamed Benmoussa: Ökonom, ehemaliger Administrator des Deontological Council for Securities, Vizepräsident des Damir-Verbandes.

– Rachid Benzine: Professor an der Katholischen Universität Louvain und an der Fakultät für Evangelische Theologie in Paris.

– Hamid Bouchikhi: Experte für Entrepreneurship und Innovation im Management. Dekan der SolBridge International School of Business mit Sitz in Daejeon, Südkorea. Mitglied des Marokkanischen Instituts für strategische Intelligenz.

– Ahmed Bounfour: Universitätsprofessor, Inhaber des Europäischen Lehrstuhls für Immaterielles Management an der Universität Paris Süd.

– Raja Chafil: Leiterin des Kompetenzzentrums „4C-Marokko“, zuständig für die Unterstützung der Klimapolitik in Marokko und Afrika.

– Réda Chami Ahmed: Ehemaliger Minister. Ehemaliger Botschafter. Präsident des Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrates.

– Noureddine El Aoufi: Professor für Wirtschaftswissenschaften, Mohammed V Universität Rabat. Präsident der Marokkanischen Vereinigung der Wirtschaftswissenschaften.

– Rita El Kadiri: Die Generaldirektorin der Stiftung „Zakoura“ für Bildung, die sich mit sozialer Innovation beschäftigt.

– Khadija EL Kamouny: Diplomingenieur, Projektmanagement bei MASCIR, spezialisiert auf grüne Entwicklung.

– Mohamed Fikrat: Direktor eines Unternehmens; Präsident der CGEM-Kommission für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit.

– Rachid Guerraoui: Professor und Direktor des Algorithmischen Labors an der Polytechnischen Schule Lausanne und der Mohammed VI Polytechnischen Universität.

– Narjis Hilale: Professor an der “ Internationalen Universität Genf “ mit den Schwerpunkten Künstliche Intelligenz und Frauenförderung.

– Hakima Himmich: Medizinprofessorin; Verbandsakteurin im Gesundheitswesen, Mitglied im CESE.

– Larbi Jaidi: Ökonom und Universitätsprofessor. Ständiges Mitglied des Politischen Zentrums für den Neuen Süden.

– Driss Jetto: Ehemaliger Premierminister, Präsident des Rechnungshofs.

– Ahmed Joumani: Soziologe, spezialisiert auf die Hassani-Kultur, die sich mit der territorialen Entwicklung beschäftigt.

– Driss Ksikes: Autor, Dramatiker und Direktor der Wirtschaftswissenschaft, Forschungszentrum von HEM.

– Ghita Lahlou El Yacoubi: Leiterin der Zentralschule von Casablanca. Präsidentin und Mitbegründerin der Bewegung „Les Citoyens“.

– Fouad Laroui: Autor und Universitätsprofessor an der Philosophischen Fakultät der Universität Amsterdam.

– Khalid Machchate: Experte für digitale Transformation, Innovationsmanagement in Unternehmen, disruptive Technologien und Smart Cities.

– Abdellatif Miraoui: Ehemaliger Präsident der Cadi Ayyad Universität in Marrakesch, Professor an der Technischen Universität von Belfort Montbéliard (UTBM) – Frankreich.

– Noureddine Omary: Inspektor der Finanzen. Ehemaliger Präsident der BCP. Ehemaliger Generalsekretär des Wirtschaftsministeriums. Beauftragter für die Mission im Königlichen Büro.

– Ouhajou Lakbir: Dozent für Geographie an der Universität von Agadir. Experte für Gebietsentwicklung und Oasen.

– Hassan Rachik: Anthropologe, Soziologe und Professor an der Hassan II Universität von Casablanca.

– Youssef Saadani: Ökonom, ehemaliger Manager der Bank Al-Maghrib. Direktor für Wirtschaftsstudien an der Staatlichen Forschungsanstalt für Wirtschaft und Finanzen (Caisse de Dépôt et de Gestion).

– Saadia Slaoui Bennani: Präsidentin und CEO eines Beratungsunternehmens; Präsidentin der CGEM-Kommission “ Unternehmerische Verantwortung „.

– Karim Tazi: Geschäftsmann, Verbandsdarsteller und Firmenverwalter.

– Mostafa Terrab: Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der OCP Group.

– Mohamed Tozy: Experte für Soziologie, Universitätsprofessor an der Universität Sciences Po Aix-en-Provence. Präsident der Vereinigung „Targa Aide“.

– Michael Zaoui: London Business Banker und ehemaliger Vizepräsident von Morgan Stanley.

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