Marokko – König Mohammed VI. trifft Präsident Macron in Paris.

Innenpolitisches Signal - vor drohender militärischer Konfrontation in der Westsahara

Macron
König Mohammed VI. und Präsident Macron in Paris

Erster offizieller Auftritt von König Mohammed VI. von Marokko seit seiner Herzoperation.

Paris – Am gestrigen Nachmittag (Dienstag, 10. April 2018) empfing der französische Präsident Macron König Mohammed VI. von Marokko im Elysée Palast in Paris. Dies teilte der Palast in Rabat in einer Stellungnahme mit. Das Treffen fand ohne Ankündigung statt. Nach Angaben Marokkos standen bei dem Arbeitstreffen die Lage im Nahen Osten sowie bilaterale wirtschaftliche und kulturelle Themen im Vordergrund.

Frankreich und Marokko sind historisch, politisch und wirtschaftlich eng verbunden. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich sieht in Nord- und Westafrika ihre Einflusssphäre und vitale Interessen gebunden. Für Marokko ist Frankreich der wichtigste außenpolitische Ansprechpartner und größter Investor im Königreich. Auch wenn dies in der offiziellen Bekanntgabe des Palastes nicht bestätigt wurde, so wird es in dem Gespräch auch über die angespannte Lage in der Westsahara und den angedrohten Militärschlag Marokkos gegen die Polisario gegangen sein.

König Mohammed VI. zeigt sich wieder politisch aktiv.

Seit seiner Herzoperation Ende Februar verweilt der Monarch in Frankreich und erholt sich auf seinem Landsitz in der Nähe von Paris. Das gestrige Treffen im Amtssitz des französischen Präsidenten Macron ist der erste offizielle Auftritt von König Mohammed VI. seit seiner Operation. Bisher wurde der Monarch lediglich auf ausgesuchten Fotografien gezeigt, die ihn bei alltäglichen Aktivitäten und zufälligen Begegnungen mit Marokkanerinnen und Marokkanern in Paris zeigten. Seit wenigen Tagen zeigt ein „Selfie“ des libanesischen Premierministers Saad Hariri, ihn, den saudischen Thronprinzen Ben Salman und König Mohammed VI. Das innoffizielle Treffen, welches als Krankenbesuch verstanden werden soll, fand anscheinend in entspannter Atmosphäre statt.

libanesischer Premierminister Saad Hariri (links), König Mohammed VI. von Marokko (Mitte) und Thronprinz Ben Salman von Saudi Arabien (rechts) in Paris April 2018

Innenpolitisches Signal – vor drohender militärischer Konfrontation in der Westsahara

Neben der außenpolitischen Abstimmung mit Frankreich, das einen ständigen Sitz und ein Vetorecht im UN – Sicherheitsrat besitzt, war der medienwirksame Auftritt ein innenpolitisches Signal. Gerade vor der drohenden militärischen Konfrontation mit der Polisario in der Westsahara, ist es wichtig, dass der Oberbefehlshaber der marokkanischen Streitkräfte sich wieder in offizieller Mission zeigt. Hier geht es vor allem um ein innenpolitisches Signal an die Marokkanerinnen und Marokkaner, dass der König in die Geschehnisse eingebunden ist und wieder seinen Amtsgeschäften nachgeht. Auch wenn die Bilder befürchten und vermuten lassen, dass die Genesung seiner Majestät noch voranschreiten muss.

Mögliche diplomatische Initiative für eine friedliche Lösung nötig.

Wenn die militärische Intervention Marokkos in der Westsahara abgewendet werden soll, so wird dies nicht ohne diplomatische Intervention gehen. Neben Aktivitäten in Richtung UN – Sicherheitsrat, bei denen Frankreich unterstützen kann, gilt es auch Einfluss auf den größten Unterstützer der Polisario, auf Algerien, auszuüben. Dies kann durch Gespräche mit Moskau geschehen. Russland ist ein langjähriger Unterstützer Algeriens und größter Waffenlieferant Algiers. Eine solche diplomatische Initiative bedarf des Engagements von König Mohammed VI. Noch ist nicht abzusehen, wann der Monarch nach Marokko zurückkehrt. Spekulationen über eine Rückkehr Ende März hatten sich nicht bestätigt. Derweil verstärkt Marokko seine militärische Präsenz an den östlichen und südlichen Landesgrenzen. Am Ende des Gesprächs sprach König Mohammed VI. eine Einladung an Präsident Macron aus, das Königreich bald zu besuchen.

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