Marokko – König verweigert Pompeo Empfang von Netanyahu.

Pompeo als Trojanisches Pferd für Netanyahu

329
König
Quelle MAP - König Mohammed VI. von Marokko

Offiziell soll es nur Gespräche über Sicherheits-, Wirtschaftspolitik und den Iran – Konflikt gegeben haben.

Rabat – Der Besuch von US-Außenminister Michael (Mike) Pompeo, in der vergangenen Woche, wurde in Marokko und den USA als deutlicher Ausdruck für die guten bilateralen Beziehungen gelobt. US-Außenminister Pompeo besuchte Marokko am 5. Dezember 2019 für wenige Stunden und führte Gespräche mit seinem marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita, mit dem marokkanischen Premierminister Dr. Saad-Eddine El Othmani und dem Chef der marokkanischen Geheimdienste und Sicherheitsbehörden Abdellatif Hammouchi. Nach wenigen Stunden reiste Michael Pompeo wieder ab. Ursprünglich war vom amerikanischen Außenministerium verkündet worden, dass der Besuch im Königreich auf zwei Arbeitstage angesetzt wäre. Doch wenige Tage vor der Ankunft wurde der Zeitplan umgestellt.

Premierminister
Quelle MAP – Marokkanischer Premierminister El Othmani empfängt US-Außenminister Pompeo in Rabat.

US-Außenminister trifft im Vorfeld israelischen Premierminister in Lissabon

Bei seinem Besuch sollte Michael Pompeo auch König Mohammed VI. treffen. Vorgesehen waren bilaterale Gespräche mit dem Monarchen und ein kleines offizielles Abendessen im Regierungspalast von Rabat. Doch dieser Programmpunkt wurde abgesagt. Pompeo reiste vom NATO – Gipfel in London zunächst nach Lissabon, um sich dort mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu zu treffen. Eine kurzfristige Terminumstellung, die bei den Marokkanern sicherlich nicht gut angekommen sein dürfte. Darüber hinaus führte das Treffen in Lissabon zu Spekulationen darüber, dass die USA ihren Verbündeten Marokko dazu drängen würden, den israelischen Regierungschef zu empfangen, um offizielle diplomatische Beziehungen zu Israel vorzubereiten. Nach dem Besuch Pompeo´s bemühten sich Marokko und die USA darum, den Spekulationen entgegenzutreten, in dem das US- und das marokkanische Außenministerium verkündeten, dass man nicht über den Nahost – Konflikt oder einer Normalisierung der Beziehungen zu Israel gesprochen habe. Dies ist sicherlich so richtig, wenn auch laut israelische Medien nicht die ganze Geschichte.

Pompeo als Trojanisches Pferd für Netanyahu

Offiziell soll es bei den Gesprächen in Rabat, um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen, dem bilateralen Freihandelsabkommen und den Iran gegangen sein. Sowohl die USA als auch Marokko liegen im Streit mit dem Iran. Marokko hat ebenfalls alle diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen und wirft dem Land vor, die Fronte Polisario zu unterstützen und damit die Einmischung in innere Angelegenheiten. Wie aber nun israelische Medien berichten, soll US-Außenminister Pompeo versucht haben, Marokko dazu zu drängen, den israelischen Premierminister Netanyahu zu empfangen. Netanyahu und Pompeo wollten gemeinsam von Lissabon nach Rabat reisen. Daraufhin soll der marokkanische König Mohammed VI. energisch reagiert und dem US-Chefdiplomaten unmissverständlich den Empfang des israelischen Regierungschefs verweigert haben.

Spekulationen über Normalisierung der Beziehungen zwischen Marokko und Israel.

Die Spekulationen über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zwischen Marokko und Israel sind nicht neu und wurden zuletzt durch israelische Medienberichte angeheizt. Das israelische Fernsehen zitierte Aussagen, „Jerusalem hoffe auf einen Durchbruch bei der Normalisierung der Beziehungen zu Rabat in den kommenden Tagen.“ Wie jetzt die israelische TV-Sendung Channel 12 am vergangenen Freitag berichtete, soll der israelische Premierminister darauf gehofft haben, gemeinsam mit dem US-Außenminister nach Rabat reisen zu können. Nach Channel 12 Informationen soll aber der marokkanische König hier sein Veto eingelegt haben. Als Pompeo den Marokkanern die Idee vorschlug, lehnten sie diese vollständig ab und lehnten es sogar ab, das Thema der Normalisierung zu diskutieren, so der Bericht unter Berufung auf marokkanische Quellen. Pompeos Treffen mit König Mohammed VI. soll dem Bericht zufolge abgesagt worden sein, auch weil der US-Diplomat seine Anreise verschoben hatte, um in Lissabon Netanjahu zu sehen.

Netanjahu
Benjamin Netanyahu, Premierminister von Israel auf dem World Economic Forum in Davos, January 25, 2018. Copyright by World Economic Forum / Manuel Lopez

Büro des israelischen Premierministers dementiert Bericht

Wie „The Times of Israel“ berichtet, bestätigten US-Beamte, dass die unterstellten Normalisierungsgespräche zwischen Pompeo und dem König nicht stattgefunden hätten. „Es war kein Diskussionsthema“, sagte ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums in einer Stellungnahme. „Es kam mir vor, als wäre es ein weiteres spezifisches Leck nur für die israelische Presse. Das stimmte zwar mit unserer Reise überein, stand aber nicht auf unserer Tagesordnung “, sagte der US-Beamte.

Das Büro des israelischen Premierministers dementierte den TV-Bericht von Channel 12 und nannte die Aussagen „eine Lüge“. Israel und USA bemühen sich tatsächlich mehrere als gemäßigt eingestufte islamische und arabische Länder zur Aufnahme von offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Israel zu bewegen. Das soll die Spannungen in der Region verringern und dem Premierminister Netanyahu für die innenpolitische Auseinandersetzung ein Erfolgserlebnis liefern.

Marokko unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Israel.

Marokko, wie fast alle islamischen und arabischen Länder, hat zu Israel keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und erkennt einen Staat Israel mit einer Hauptstadt Jerusalem nicht an. Der marokkanische König ist traditionell Vorsitzender des sog. Al Quds – Komitees (Jerusalem-Komitee), das sich im Auftrag der Gemeinschaft islamische Länder, um einen freien Zugang zu den heiligen Orten für Muslime einsetzt. Darüber hinaus setzt sich das marokkanische Volk für die Rechte der Palästinenser mit friedlichen Mitteln ein. König Mohammed VI. nimmt regelmäßig mit klaren politischen Äußerungen, zur Lage im für die drei monotheistischen Weltreligionen heiligen Land, Stellung. Dabei steht er politisch an der Seite der gemäßigten Autonomiebehörde und ihres Präsidenten Abbas. Zwar hat Rabat keine direkten diplomatischen Beziehungen zu Israel, doch die zweitgrößte im Ausland lebende Gruppe von marokkanischen Staatsbürgern lebt in Israel und ist überwiegend jüdischen Glaubens.

Marokko – US-Außenminister in Marokko

Empfohlener Artikel