Marokko – Königliche Rede zum 43. Jahrestag „Grüner Marsch“

Die Rede ist nach bestem Wissen von Maghreb-Post ins Deutsche übersetzt. Bei Fehlern bitten wir um entsprechende Hinweise.

Rede
Rede zum 43 Jubiläums "Grüner Marsch"

Seine Majestät König Mohammed VI., hielt am Dienstagabend (06. November. 2018) eine Rede an die Nation. Hier ist der vollständige Text der Königlichen Rede in einer deutschen Übersetzung:

Die Rede ist nach bestem Wissen von Maghreb-Post ins Deutsche übersetzt. Bei Fehlern bitten wir um entsprechende Hinweise.

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Rabat – „Gelobt sei Allah, gepriesen und erlöst seien der Prophet, seine Familie und seine Gefährten.

Geliebtes Volk,

Unsere Ansätze für die Bewältigung der wichtigsten Angelegenheiten des Landes basieren auf seriöser Arbeit und Verantwortungsbewusstsein sowie auf den Grundsätzen der Klarheit und des Ehrgeizes, sowohl im Inland wie auch im Ausland.

Diese Grundsätze haben unser Handeln stetig geleitet. Sie haben immer unsere Positionen und Reaktionen gegenüber allen, insbesondere unseren Brüdern, Freunden und Nachbarn, inspiriert.

Vor diesem Hintergrund möchte ich auf den gegenwärtigen Stand der Spaltung und Zwietracht in der Maghreb-Region zusprechen kommen. Sie steht im krassen und sinnlosen Widerspruch zu dem was unsere Völker verbindet. Es sind die Bande der Brüderlichkeit, eine gemeinsame religiöse Identität, eine Sprache und Geschichte und ein gemeinsames Schicksal. Dieser Zustand steht im Gegensatz zu den Bestrebungen, dem Ideal eines einheitliche Maghreb, welches die Generation der „Befreiung und Unabhängigkeit“ ins Leben rief. Bestrebungen die 1958 von der Tanger-Konferenz verkörpert wurde, deren sechzigjähriges Gedenken wir ebenfalls feiern.

Zuvor hatte die Unterstützung des Königreichs für die algerische Revolution dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen dem marokkanischen Thron und dem algerischen Widerstand zu stärken. Es gab grundlegende Elemente des gemeinsamen politischen Bewusstseins und Handelns im Maghreb.

Viele Jahre lang und bis zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit, haben wir uns, Seite an Seite, in einem gemeinsamen Kampf den Besatzern gestellt, und wir kennen uns gut. Darüber hinaus teilen viele marokkanische und algerische Familien Blut und familiäre Beziehungen. Wir wissen auch, dass das Interesse unserer Völker in einer Einheit, Zusammenarbeit und Integration liegt und es besteht keine Notwendigkeit, dass ein Dritter zwischen uns, den Fürsprecher oder Vermittler spielt.

Dennoch müssen wir realistisch und uns einig sein, dass die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern nicht normal sind, was zu einer inakzeptablen Situation führt. Gott ist mein Zeuge, dass ich seit meiner Thronbesteigung mit Aufrichtigkeit und gutem Glauben zur Öffnung der Grenzen zwischen den beiden Ländern, zur Normalisierung der marokkanischen – algerischen Beziehungen, aufgerufen habe.

Deshalb erkläre ich heute in aller Deutlichkeit und Verbindlichkeit, die Bereitschaft Marokkos, einen direkten und offenen Dialog mit seinem Bruderstaat Algerien aufzunehmen, damit die wiederkehrenden und objektiven Unterschiede, die die Entwicklung unserer Beziehungen behindern, überwunden werden können.

Zu diesem Zweck schlage ich unseren Brüdern in Algerien die Schaffung eines gemeinsamen politischen Mechanismus für Dialog und Konsultation vor. Die Höhe der Vertretung innerhalb dieser Struktur, ihr Format und ihre Art sind im gegenseitigen Einvernehmen festzulegen. Marokko ist offen für mögliche Vorschläge und Initiativen Algeriens, um die Blockade in den Beziehungen zwischen den beiden brüderlichen Nachbarländern zu überwinden. Im Rahmen seines Mandats sollte sich dieser Mechanismus verpflichten, alle bilateralen Fragen mit Offenheit, Objektivität, Aufrichtigkeit und gutem Willen, ohne Bedingungen oder Ausnahmen, auf einer uneingeschränkten Agenda zu prüfen. Er könnte den praktischen Rahmen für die Zusammenarbeit bilden und sich auf die verschiedenen bilateralen Fragen konzentrieren, insbesondere auf die Frage der Verbesserung der Entwicklungsmöglichkeiten und -potenziale in der Maghreb-Region. Seine Aufgabe wird es auch sein, zur Stärkung des bilateralen Dialogs und der bilateralen Abstimmungen beizutragen, um die regionalen und internationalen Herausforderungen, einschließlich derjenigen im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Terrorismus und Migration, wirksam anzugehen. In diesem Zusammenhang bekräftigen wir unsere Entschlossenheit, Hand in Hand mit unseren Brüdern in Algerien, unter voller Achtung der nationalen Institutionen ihres Landes, zusammen zu arbeiten.

Angetrieben von unserer Zuneigung und Wertschätzung für Algerien, seiner Führung und seines Volk, werden wir in Marokko keine Mühen scheuen, um unsere bilateralen Beziehungen auf soliden Grundlagen des Vertrauens, der Solidarität und der guten Nachbarschaft aufzubauen, inspiriert von den Worten unseres Großvaters, Frieden und Erlösung für ihn: „Jibril empfahl mir, meinen Nachbarn gegenüber so freundlich zu sein, dass ich fast glauben würde, ihn zu meinen Erben machen zu können“.

Geliebtes Volk,

Der Beginn des Grünen Marsches, dessen 43. Jubiläum wir heute feiern, markierte einen entscheidenden Wendepunkt im stetigen Kampf, um die Vervollständigung der territorialen Integrität des Landes. Diese mächtige Bewegung war gekennzeichnet durch eine perfekte Symbiose zwischen dem Thron und dem Volk und durch ihren friedlichen Charakter, der zur allmählichen Erholung unserer südlichen Provinzen führte. Im vergangenen April haben wir sogar an den sechzigsten Jahrestag der Wiederherstellung von Tarfaya erinnert. In einigen Monaten werden wir nacheinander den fünfzigsten Jahrestag der Genesung von Sidi Ifni und den vierzigsten Jahrestag der Wiedereingliederung von Oued Eddahab feiern. Diese historischen Ereignisse waren eine Gelegenheit für das gesamte marokkanische Volk und insbesondere für die Stämme der Saharauis, um eine beispiellose Einigkeit in ihrem Engagement für die marokkanischen Sahara zu zeigen.

Heute bauen wir Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, indem wir mit gleicher Entschlossenheit an der Verteidigung unserer territorialen Integrität arbeiten. Wir verpflichten uns mit der gleichen Klarheit, dem gleichen Ehrgeiz, angetrieben von dem gleichen Sinn für verantwortungsvolles Engagement und ernsthafter Arbeit, sowohl auf UN-Ebene als auch national.

Diese Klarheit, von der wir uns nähren, wird durch die unveränderlichen Prinzipien und Bezugspunkte veranschaulicht, die die Grundlage der marokkanischen Position bilden, welche wir in der Rede definiert haben, die wir anlässlich des zweiundvierzigsten Jahrestages des Grünen Marsches gehalten haben. Das sind die gleichen Grundlagen, die unser bisheriges Handeln kontinuierlich bestimmt haben.

Diese Klarheit, die wir verfolgen, spiegelt sich auch in der extremen Entschlossenheit und Strenge wider, mit der wir gegen jeden Angriff vorgehen, gleich aus welcher Quelle, der die legitimen Rechte Marokkos untergraben oder den Annäherungsprozess entlang des festgelegten Weges stören könnte.

Was unseren diesbezüglichen Ehrgeiz betrifft, so spiegelt er sich in der aufrichtigen Zusammenarbeit Marokkos mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie in der Unterstützung der Bemühungen seines persönlichen Gesandten wider, nämlich einen Weg für einen ernsthaften und glaubwürdigen politischen Prozess zu ebnen.

Er spiegelt sich auch in den konstruktiven Initiativen Marokkos und seiner wohlwollenden Aufmerksamkeit für die internationalen Forderungen nach einer politischen Lösung wider, die nachhaltig, realistisch, kompromissbereit und Teil der Autonomieinitiative sind.

Marokko ist fest davon überzeugt, dass die Vereinten Nationen während ihrer unermüdlichen Bemühungen, die neue Dynamik zu erhalten, aus den Schlussfolgerungen und Erfahrungen der Vergangenheit lernen und insbesondere die Hindernisse und Mängel, die den „Manhasset-Prozess“ heimgesucht haben, beseitigen werden.

Auf nationaler Ebene werden wir weiterhin daran arbeiten, die Politik der Gewährung von Vorteilen und Gewinnen zu beenden, jeder Form der Erpressung unter dem Vorwand die territoriale Integrität des Königreichs zu gefährden entgegenzutreten und ihre Instrumentalisierung zurückzuweisen. Darüber hinaus unternehmen wir jede Anstrengung, um die Entwicklung unserer südlichen Provinzen im Rahmen des neuen Entwicklungsmodells sicherzustellen. Weil wir möchten, dass die marokkanische Sahara zu ihrer weltlichen Berufung zurückkehrt, nämlich die Schnittstelle zwischen Marokko und seinen afrikanischen, geografischen und historischen Wurzeln zu sein.

Gleichzeitig trägt die operative Umsetzung der fortgeschrittenen Regionalisierung zur Entstehung einer echten politischen Elite bei, die eine effektive demokratische Vertretung der Bewohner der Sahara gewährleistet und es ihnen in einem Klima der Freiheit und Stabilität ermöglicht, ihr Recht auf autonome Verwaltung ihrer lokalen Angelegenheiten und integrierte Entwicklung ihrer Region auszuüben.

Geliebtes Volk,

In diesem Sinne war unsere Entscheidung, die Rückkehr unseres Landes in die Afrikanische Union, in eine Philosophie der Klarheit und des Ehrgeizes eingebunden. Mit der Entscheidung Marokkos, in seine institutionelle Familie zurückzukehren, sollte nicht die Sache der marokkanischen Sahara verteidigt werden, da die meisten afrikanischen Staaten ohnehin bereits die Position Marokkos in dieser Frage teilen. Neben unserem Wunsch unseren Stolz auf die Zugehörigkeit zu Afrika zum Ausdruck zu bringen, war dieser Kurs auch durch unser Engagement für die entwicklungspolitische Dynamik bei der Arbeit für dem Kontinent motiviert, durch unser Bestreben, die vielen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, zu bewältigen, ohne jedoch unsere legitimen Rechte und unsere höheren Interessen aufzugeben. In diesem Zusammenhang begrüßen wir die Beschlüsse des letzten Gipfels der Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union in Nouakchott, da diese mit den einschlägigen internationalen Positionen und Grundsätzen übereinstimmen.

Diese konstruktive, von Weisheit und Weitsicht geprägte Position, beendet die vielen Manöver, wodurch Afrika und seine Völker innerhalb der Afrikanischen Union wertvolle Zeit verloren haben, die Zeit, die vernünftig hätte genutzt werden sollen, um die Entwicklung der afrikanischen Länder und ihre Integration zu fördern. In diesem Sinne wird Marokko bestrebt sein, effiziente und wertvolle Wirtschaftspartnerschaften mit verschiedenen Ländern und Wirtschaftsgruppen, einschließlich der Europäischen Union, aufzubauen. Dennoch werden wir keine Maßnahmen akzeptieren, die unsere territoriale Integrität beeinträchtigen könnte. Vor allem ist es uns wichtig, dass diese Partnerschaften ausdrücklich von Nutzen sind und dies vor allem für die Menschen in der marokkanischen Sahara, indem sie sich positiv auf ihre Lebensbedingungen auswirken und ihnen ermöglichen, in ihrem Heimatland ein Klima der Freiheit und Würde zu genießen.

Geliebtes Volk,

Das Gedenken an den Jahrestag des Grünen Marsches geht angesichts seiner symbolischen Bedeutung und seiner unbeschreiblichen patriotischen Dimension über die Feier eines historischen Ereignisses hinaus. Das Epos des Grünen Marsches veranschaulicht eindrucksvoll die unerschütterliche Verbundenheit des marokkanischen Volkes mit seinem legitimen Recht auf Vervollständigung der territorialen Integrität des Königreichs sowie sein festes Bekenntnis, die für seine Verteidigung notwendigen Opfer zu erbringen.

Diese stetige und unerschütterliche Haltung gründet sich auf den nationalen Konsens und die allgemeine Mobilisierung, die sich um den Wunsch sammelt, die integrierte Entwicklung des Landes zu gewährleisten, seine Einheit, Sicherheit und Stabilität zu bewahren.

Dies ist die beste Gewähr für eine Treue zur unbefleckten Erinnerung an den Begründer des Grünen Marschs, unseren ehrwürdigen Vater, seine Majestät König Hassan II., möge Gott ihn in seiner heiligen Barmherzigkeit aufnehmen, und an alle tapferen Märtyrer der Nation.

Wassalamou alaikoum warahmatoullahi wabarakatouh“.

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