Marokko – Königreich Marokko und Israel unterzeichne Anwerbeabkommen.

Fachkräftemangel in Israel durch Marokko zu decken, nicht ohne Hindernisse.

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Außenminister
Quelle marokkanisches Außenministerium - Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita - Innenministerin Israel Ayelet Shaked in Rabat

Israel will Arbeitskräfte für den Bausektor und möglicherweise für das Gesundheitssystem in Marokko anwerben.

Rabat / Tel Aviv – Laut einer Mitteilung nach der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der israelischen Innenministerin Ayelet Shaked und dem marokkanischen Außenminister Nasser Bourita, Anfang der Woche, wird Israel marokkanische Arbeitnehmer in den Bereichen Bauwesen und Krankenpflege in dem Königreich anwerben dürfen.

Israelische Branchen- und Gewerkschaftsvertreter wollen gezielt nach Fachkräften in Marokko suchen.

Wie das israelische Nachrichtenportal „The Jerusalem Post berichtete“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft für Bau- und Holzarbeiter im israelischen Gewerkschaftsverband Histadrut, Yitzhak Moyal: „Uns fehlen etwa 40.000 Arbeitnehmer in zehn verschiedenen Berufen. Wir hoffen, in einigen wenigen Schritten etwa 15.000 marokkanische Bauarbeiter gewinnen zu können. Das könnte das Tempo der Bauarbeiten in Israel wirklich verbessern“.

„Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens begann die marokkanische Regierung, mit uns zu sprechen. Wir erfuhren, dass Marokko über eine beträchtliche Anzahl von Facharbeitern verfügt, und überlegten, wie wir dafür sorgen könnten, dass das funktioniert. Wir sollen Teams nach Marokko schicken, um die Professionalität der Arbeiter zu testen“, sagte er. So könnten die marokkanischen Arbeiter Anfang 2023 beginnen, nach Israel zu kommen, betonte Yitzhak Moyal, wo sie höhere Löhne verdienen würden.

Fachkräftemangel in Israel durch Marokko zu decken, nicht ohne Hindernisse.

Der Grund für die Anwerbung marokkanischer Arbeitskräfte nach Israel ist der Mangel an Bauarbeitern und Pflegekräften für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen. Im Land gibt es etwa 60.000 Pflegekräfte, die meist aus Ostasien stammen, aber auch 100.000 ausländische Bauarbeiter, die hauptsächlich aus dem Westjordanland, Thailand und China nach Israel gekommen sind. Nach jetzigem Stand hat es den Anschein, dass Israel lediglich Arbeitskräfte anwerben möchte und nicht marokkanischen Bauunternehmen samt ihren Mitarbeitern den Zugang zum israelischen Bausektor ermöglichen will.

Ob marokkanische Arbeitskräfte nach Israel gehen möchten, ist bisher nicht ermittelt. Viele könnten den Arbeitseinsatz in den besetzten Palästinensergebieten und innerhalb des in der islamischen und arabischen Welt verurteilten Siedlungsbau befürchten. Auch ist noch nicht bekannt, wie der Aufenthaltsstatus dieser Menschen sein wird, ob diese Anwerbung zeitlich begrenzt sein soll oder ob ein Familiennachzug ermöglicht wird. Die Geschichte hat gezeigt, dass Menschen auch sozial integriert werden müssen. In Israel lebt bereits die zweitgrößte marokkanische Diaspora, mit fast 1 Mio. Menschen mit marokkanischen Wurzeln.

Zugleich leider Marokko selbst an einem Fachkräftemangel im Gesundheitssektor, der die Gesundheitsreform und die erfolgreiche Einführung der allgemeinen Krankenversicherung gefährden könnte, weil mehr Nachfrage nach medizinischer Versorgung zu erwarten ist, als durch das bestehende Person befriedigt werden kann.

Innenministerin Shaked ist das dritte Mitglied der israelischen Regierung in Marokko

Innenministerin Ayelet Shaked ist das dritte israelische Regierungsmitglied, das in den letzten Monaten Marokko besucht hat, nach der Wirtschaftsministerin Orna Barbivai im Februar und der Ministerin für Wissenschaft und Technologie Orit Farkash-Hacohen im Mai. Bereits Ende 2021 besuchte der bisherige Außenminister und jetzige Übergangs-Premierminister Lappid das nordafrikanische Königreich, dass seine Beziehungen zu Israel Ende 2020 „normalisierte“, was nicht vollumfänglich von allen Bürgerinnen und Bürgern begrüßt wird und auch den Graben zum Nachbarland Algerien, neben dem Streit um den Status der Westsahara, nochmals vertiefte.

Israel wartet bis heute auf die gegenseitige Eröffnung von Botschaften sowie auf den ersten Besuch eines marokkanischen Regierungsmitglieds in Israel.

Israel bereitet sich zugleich auf neue Parlamentswahlen, den fünften Wahlen in drei Jahren und damit auf eine zeit des Abwartens über den zukünftigen Kurs des Landes vor.

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