Marokko – Korruption und Misswirtschaft als Ursache für Ceuta – Fluchtbewegung.

Infrastruktur nur auf den Export ausgerichtet. Korruption und Pandemie verschlimmern die Situation.

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Ceuta
Unregulierte Migration an der Grenze zu Ceuta / Sebta

Transparency Maroc versucht die hohe Zahl von marokkanischen Migranten an der spanischen Exklave Ceuta / Sebta zu beleuchten.

Rabat – Die Marokkanerinnen und Marokkaner wie auch die Welt haben die Bilder von mehreren Tausend Migranten vor Augen, die in Mitten der marokkanisch-spanischen Krise die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta, an der marokkanischen Mittelmeerküste, überwanden. Begünstigt durch ein ausgeprägtes Niedrigwasser an der Küste und eines Wegschauens der marokkanischen Grenzsicherung, sollen bis zu 10.000 Menschen nach Ceuta / Sebta gelangt sein. Inzwischen ist die Mehrheit längst wieder von Spanien abgeschoben und in Marokko. Die Ereignisse machten Spanien und ganz Europa klar, welchen Migrationsdruck Marokko vor allem von der EU fernhält, was vielleicht auch von dem nordafrikanischen Land so gewollt war.

Marokko – Mehrere Tausend Migranten nach Ceuta geströmt.

Menschen der Region leben teils unter hohem wirtschaftlichem Druck

Doch der Schuss ging mehrheitlich nach hinten los, denn die Mehrheit der Migranten waren nicht Flüchtlinge aus der Sub-Sahara, sondern Marokkanerinnen und Marokkaner, darunter vor allem junge Männer, aber auch Frauen, Minderjährige und ganze Familien, aus der Umgebung. Anstatt das Spanien unter Druck geraten wäre, bot man Madrid damit die Möglichkeit, Marokko als Erpresse mit Hilfe von Migranten zu beschimpfen, sorgte dafür das Europa sich hinter Spanien stellte und half dabei, von den wahren Gründen der marokkanisch-spanischen Krise ablenken zu können. Zugleich sah sich die Regierung von Seiten der Opposition dem Vorwurf ausgesetzt, die eigene Bevölkerung notfalls für die Außenpolitik opfern zu können, von dem Gesichtsverlust ganz zu schweigen. Der marokkanische Ableger von Transparency International, Transparaeny Maroc, hat in einer aktuellen Presseerklärung versucht, die Zusammenhänge aufzuzeigen, mit einem besonderen Fokus auf Korruption und Ineffizienz der Öffentlichen Hand.

Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit weiterhin größtes Armutsrisiko.

Prekäre Lebensverhältnisse sollen Ursachen für Migrationsdruck sein.

Transparency Maroc veröffentlichte am 3. Juni eine Pressemitteilung, in der sie die Migrationskrise in Ceuta/Sebta beleuchtete. Für die NGO „offenbaren diese Ereignisse eine wirtschaftliche und soziale Realität, in der ein großer Teil der marokkanischen Bevölkerung in chronischer Prekarität lebt, was sie oft dazu bringt, sich in informellen Mikroaktivitäten zu verausgaben“, schrieb sie in der Mitteilung. Infrastrukturprojekte hätten bisher nur geringe Auswirkungen auf die Bevölkerung gehabt. Transparency Maroc möchte die Aufmerksamkeit auf die wahren Ursachen dieser Situation lenken, „die der seit der Unabhängigkeit verfolgten öffentlichen Politik innewohnen und die der Ursprung der territorialen Ungleichheiten sind, die Verzögerungen in der Entwicklung bestimmter Regionen Marokkos, einschließlich des Nordens, verursachen“.

Infrastruktur nur auf den Export ausgerichtet. Korruption und Pandemie verschlimmern die Situation.

Obwohl Transparency Maroc die Entwicklung grundlegender Infrastrukturen in der nördlichen Region anerkennt, ist die NGO der Auffassung, dass diese zu einer industriellen Dynamik beigetragen haben, die hauptsächlich auf den Export ausgerichtet ist, „und damit strukturell die Abhängigkeit von der Außenwirtschaft verstärkt und wenig Einfluss auf den Lebensstandard der lokalen Bevölkerung, in Bezug auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Verbesserung der Lebensbedingungen, hat“. Die Entwicklung ist gekennzeichnet durch eine Zunahme der sozialen Ungleichheiten und damit der Prekarität der Mehrheit der Bevölkerung, verstärkt durch systemische Korruption und verschlimmert durch die Covid-19-Pandemie sowie die alternativlose Schließung des Handels mit Ceuta/Sebta, so die Erklärung weiter. Transparency Maroc betont die Dringlichkeit, die öffentliche Politik auf nationaler und territorialer Ebene zu überprüfen, „indem man der Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen Priorität einräumt und Aktivitäten fördert, die Arbeitsplätze und Einkommen schaffen“. Sie besteht auch auf der Notwendigkeit, Kontroll- und Rechenschaftsmechanismen einzurichten, um zur effektiven Entstehung eines transparenten Umfelds beizutragen, das die wirtschaftliche und soziale Entwicklung fördert.

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