Marokko – Ministerin bestätigt finale Verhandlungsphase mit LNG-Lieferanten

Marokko muss die Zeit bis 2024 und dem Beginn der Eigenversorgung überbrücken.

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Ministerin
Dr. Leila Benali - Ministerin für den energiepolitischen Wandel und nachhaltige Entwicklung

Leila Benali führt für Marokko letzte Gespräche mit LNG-Lieferanten, um den Gasbedarf des Landes zu decken.

Rabat – Nach der Schließung der GME-Pipeline (Gazoduc Maghreb Europe – GME) forderte die Ministerin für Energiewende und nachhaltige Entwicklung, dass andere Gaslieferanten auf dem internationalen Markt gesucht werden sollen.

Ministerin Leila Benali, eine Expertin für den Energiesektor, hat die Leitung dieser strategischen Aufgabe übernommen.

Ihre Auftritte in den Medien sind eher selten und ihre Aussagen sind aufgrund der Sensibilität des Themas sehr zurückhaltend. In dieser Weltkrise sind die Verhandlungen nicht nur finanzieller oder wirtschaftlicher, sondern auch geopolitischer Natur; Diskretion ist eine Notwendigkeit.

Doch am 15. April 2022 bestätigte die Ministerin, dass Marokko in den Wettbewerb auf dem Weltmarkt zum Erwerb von Gas eingetreten ist. D.h., dass Land muss, anders als in den letzten Jahrzehnten, das benötige Gas, vor allem für den Betrieb der beiden Gaskraftwerke südlich von Casablanca, einkaufen und damit den Verlust der Gaslieferungen aus Algerien kompensieren.

In einem Interview mit Media24 hat die Ministerin ihre Politik erläutert.

In dem Interview stellte die Ministerin klar, dass das eingekaufte Gas als LNG (Liquified Natural Gas – Flüssiggas) angeliefert werden muss.

„Das über Spanien importierte Flüssigerdgas (LNG) wird zunächst für den Neustart unserer beiden Kraftwerke verwendet. Marokko hat eine Ausschreibung für die Lieferung von LNG durch große Importeure veröffentlicht und befindet sich derzeit in abschließenden Gesprächen mit einigen dieser Lieferanten.“

Die Lieferung muss über Spanien erfolgen, da das nordafrikanische Königreich noch kein eigenes LNG-Terminal besitzt. Auch eines der mobilen LNG-Terminals konnte das Land nicht ergattern, da durch die hohe Nachfrage Deutschlands, dass sich mehrere der wenigen verfügbaren Terminals sicherte, das Angebot schnell ausgeschöpft war.

Spanien, der Nachbar auf der anderen Seite des Mittelmeers, hat aber Hafenkapazitäten mit LNG-Terminals, die Marokko nutzen kann. Zugleich wird dann das LNG per Umkehrung über die GME-Pipeline nach Marokko befördert. Das Land arbeitet aber bereits an Planungen für ein eigene LNG-Terminale nahe Mohammedia, einer kleinen Hafenstadt zwischen Casablanca und Rabat.

Ministerin will Verhandlungspartner nicht nennen.

Auf die Frage nach den potentiellen Lieferanten, versuchte die Ministerin auszuweichen.

Zunächst einmal betonte die Ministerin, dass dieses Projekt mehrere Premieren mit sich bringt: Marokkos erster Zugang zum internationalen LNG-Markt, die ersten Importe nach Europa und die ersten Wiederexporte zum afrikanischen Kontinent, die erste Anwendung einer Erdgasleitung in Nord-Süd-Richtung.

„Dies erweist sich als komplexer Prozess, der finanzielle, logistische und rechtliche Koordination erfordert. Wir können die Einzelheiten dieser Gespräche nicht offenlegen, vor allem weil wir mit unseren potenziellen Lieferanten Vertraulichkeitsvereinbarungen haben.

Der Gaspreis ist das Ergebnis von Verhandlungen mit den Lieferanten und der Situation auf dem internationalen Markt. Im Moment gibt es einen großen Ansturm auf den LNG-Markt“.

Wir seien Zeugen eines strukturellen Wandels auf den Energiemärkten im Allgemeinen und auf dem Gasmarkt im Besonderen, erläuterte Ministerin Leila Benali.

Spekuliert wird über die Lieferanten Ägypten, Israel, V.A.E, Qatar und die USA. Von Maghreb-Post angefragte Experten brachten aber auch Mexiko und Nigeria ins Gespräch, da Marokko keine sehr großen Mengen an LNG benötigt, was sich auf die Preisgestaltung negativ auswirken könnte. Zugleich soll es Vermittlungsversuche durch Saudi-Arabien geben, um die diplomatischen Wogen zwischen Algerien und Marokko zu glätten, was eine Wiedereröffnung der GME-Pipeline erlauben würde.

Algerien – Kein Erdgas mehr für Marokko

Auch wenn die Ministerin zu den Verhandlungen keine Aussagen machen wollte, so deutete sie an, dass auch mehrere Lieferanten Vertragspartner Marokkos werden könnten.

Marokko muss die Zeit bis 2024 und dem Beginn der Eigenversorgung überbrücken.

Marokko hat in den letzten beiden Jahren und vergangenen Monaten wiederholt gemeldet, eigene und größere Gasvorkommen entdeckt zu haben. Zugleich kooperieren das Königreich und Nigeria bei dem Bau einer Gaspipeline entlang der Westafrikanischen Küste, die bis nach Europa führen soll. Nach Angaben der Ministerin wird die GME-Pipeline eine wichtige Rolle für die zukünftige Versorgung mit Gas spielen. Auch wenn die Ministerin das Projekt von Sound Energy, welches 2024 mit der Gaserschließung beginnen soll, nicht kommentieren wollte, machte sie deutlich, dass die eigenen Gasreserven eine wichtige Rolle speilen sollen.

„Wir arbeiten jedoch daran, sicherzustellen, dass das Tendrara-Becken sowie die anderen Ressourcen Marokkos auf nachhaltige Weise wirtschaftlich entwickelt und monetarisiert werden, indem sie an das regionale oder nationale Gasfernleitungsnetz angeschlossen werden.“

Zugleich investiert das Königreich weiter in den Ausbau regenerativer Energiequellen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass große Teile der Noor II Ausschreibungen an Investoren vergeben worden sind.

Marokko – „Bedeutendes Erdgasvorkommen“ vor der Küste entdeckt.

Komplexe Anlieferung von LNG

„LNG wird in flüssiger Form von LNG-Tankern geliefert. Bei atmosphärischem Druck verflüssigt sich Erdgas bei einer Temperatur von -160 Grad Celsius. Durch die Verflüssigung wird das Volumen des Gases bei gleichem Heizwert um fast das 600-fache reduziert, sodass es per Schiff über große Entfernungen transportiert werden kann.“

„In einem Regasifizierungsterminal wird das LNG wiederverdampft, in das Gastransportnetz eingespeist und über die GME-Verbindung nach Tanger transportiert. Diese Aktivitäten werden auf dem iberischen Markt transparent abgewickelt,“ so die Ministerin zum logistischen Ablauf.

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