Marokko – Mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht

Mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht löst in Marokko Kontroverse aus.

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Wehrpflicht
Marokkanisch königliche Armee

Regierungsrat hat Gesetzentwurf beraten und an den Ministerrat verwiesen.

Rabat – Am heutigen Montag (20. August 2018) tagte der Regierungsrat, unter Leitung des Premierministers Saad-Eddine El Othmani. Völlig überraschend scheint die marokkanische Regierung die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht zu planen. Die Regierung hat in der heutigen Sitzung den Gesetzentwurf 44-18 beraten, wonach alle jungen Männer, ab dem 18. Lebensjahr, eine militärische Grundausbildung erhalten sollen.

Gesetzentwurf wurde an den Ministerrat verwiesen.

Wie die marokkanisch-staatliche Nachrichtenagentur MAP berichtet, hat der Regierungsrat den Gesetzentwurf 44-18 zur weiteren Beratung an den Ministerrat verwiesen. Dem Ministerrat steht König Mohammed VI. selbst vor. Der Ministerrat tagt ebenfalls heute, noch vor der Rede des Königs im Rundfunk, und er kann das Gesetzt, nach Billigung durch König Mohammed VI., verabschieden. Um 21:30 Uhr marokkanischer Zeit wendet sich König Mohammed VI., anlässlich des Gedenkens an den Kampf gegen die Kolonialisierung, an die Marokkanerinnen und Marokkaner. Gewöhnlich hebt der Monarch in seiner Rede an diesem alljährlichen Feiertag, die historische Leistung der Befreiung von der französischen und spanischen Besatzung sowie die enge Verbindung zwischen Volk und Monarchie hervor, ergänz um ein weiteres Thema der Außen-, Wirtschafts- oder Sozialpolitik. Mit einer möglichen Entscheidung in der heutigen Sitzung des Ministerrates, für eine Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, wäre ein entsprechendes Kernthema zu erwarten, nämlich die „äußere Sicherheit“.

Mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht löst in Marokko Kontroverse aus.

Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung kommt dieses Thema völlig überraschend. König Mohammed VI. selbst hatte per Dekret und praktisch über Nacht die allgemeine Wehrpflicht Ende 2006 abgeschafft, da das Militär keine nachhaltigen Ausbildungsstrukturen aufbauen konnte.

Befürworter der Wehpflicht loben das Vorhaben, als neues Instrument jungen Männern mehr Disziplin und Verantwortung für das Land nahezubringen. Ablehnende Stimmen glauben, dass das Militär keine geeigneten Strukturen anzubieten hat und die jungen Männer lediglich mehrere Monate an Lebenszeit vergeuden würden sowie unter Langeweile leiden werden. In den sozialen Medien wird, seit bekannt wurde, dass in der Regierung ein solcher Gesetzesentwurf beraten wird, heftig diskutiert und auch über die Motive der Regierung spekuliert.

Einführung der Wehrpflicht 1966

Marokko führte am 9. Juni 1966, gemäß königlichem Erlass 137-66, unter König Hassan II., einen 18-monatigen Militärdienst ein. Die allgemeine Wehrpflicht sollte es jungen Männern ermöglichen „wirkungsvoll und unter allen Gegebenheiten einen Beitrag zur Landesverteidigung leisten zu können“. Zum Militärdienst wurde jeder Mann ab dem 18. Lebensjahr, sofern physisch und geistig fähig, einberufen. 1999 wurde der Militärdienst um sechs auf 12 Monate verkürzt und dann 2006 endgültig aufgehoben.

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