Marokko – Neuer Entwicklungsplan für die Land- und Forstwirtschaft.

Landwirtschaft soll eine neue Entwicklungsebene erreichen.

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König
König Mohammed VI. und Kronprinz Moulay Hassan gemeinsam bei Veranstaltung

Plan „Grüne Generation 2020-2030″ löst Plan „Grünes Marokko“ ab und soll die Lebensmittelsicherheit und den Schutz der Wälder vorantreiben.

Chtouka Ait Baha – Am gestrigen Donnerstag stellte die Regierung, vertreten durch den zuständigen Minister, die neue Strategie für die marokkanische Land- und Forstwirtschaft vor. Die Präsentation fand demonstrativ und in Anwesenheit von König Mohammed VI. sowie Kronprinz Moulay El Hassan in der Provinz Chtouka Ait Baha statt. Die neue Entwicklungsstrategie besteht dabei aus zwei Bereichen. Der Teil für den Agrarsektor hat den Titel „Grüne Generation 2020-2030″. Diejenigen Maßnahmen, die sich auf die Entwicklung des Wasser- und Forstsektors beziehen, werden unter dem Titel „Wälder Marokkos“ zusammengefasst.

Die neue Strategie löst den bisherigen Plan „Grünes Marokko“ (Le Plan Maroc vert (PMV)) ab, der nach Auffassung der Regierung, seine Ziele mehr als erreicht hat. Zu Beginn der Präsentation, vor eine größeren Anzahl geladener Gäste, wurde ein Film gezeigt, der die Entwicklungsdynamik des Landwirtschaftssektors im letzten Jahrzehnt, beleuchtete.

Minister Akhannouch sieht neuen Plan im Einklang mit den Vorgaben des Königs.

Anschließend stellte der Minister für Landwirtschaft, Fischerei, ländliche Entwicklung, Gewässer und Wälder, Aziz Akhannouch, dem König die Grundzüge der neuen Strategien „Grüne Generation 2020-2030″ und „Wälder Marokkos“ vor.

Minister Akhannouch betonte eingangs, dass die neue „strategische Vision“ für den Agrarsektor, die Vorgaben des Königs, aus seiner Rede im Oktober 2018 vor beiden Kammern des Parlaments, aufgreift.

In dieser Rede hatte der König, unter anderem die Sicherung der bisherigen Erfolge in der Landwirtschaft gefordert und dazu aufgerufen neuer Maßnahmen zu entwickeln, die zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen, vor allem zugunsten der jungen Menschen in den ländlichen Gebieten, geeignet sind. Ziel solle es sein, die Entstehung einer landwirtschaftlichen Mittelschicht unter günstigen Rahmenbedingungen anzuregen, damit die Landwirtschaft letztlich ihre doppelte Funktion, als Faktor des Gleichgewichts und Hebel der sozioökonomischen Entwicklung, erfüllen kann, so der Minister in seiner Ansprache.

Landwirtschaftsminister zieht Bilanz zum PMV

Minister Akhannouch unterstrich die Ergebnisse des bisherigen Plans, der 2008 vom König ins Leben gerufen wurde. Er betonte die Unterzeichnung von 19 Programmverträgen, die Umsetzung von 12 regionalen Landwirtschaftsplänen, die Schaffung von vier neuen Agenturen, das Inkrafttreten von 4.500 Gesetzestexten und mehr als 34 Milliarden Dirham, die durch internationale Finanzierung mobilisiert werden konnten.

Auf makroökonomischer (gesamtwirtschaftlicher) Ebene hat der PMV die Vervielfachung des landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der Agrarexporte sowie die Erhöhung des Investitionsvolumens ermöglicht, stellte Akhannouch fest und erklärte, dass der PMV auf sozialer Ebene dazu beigetragen hat, Arbeitsplätze zu schaffen und den Deckungsgrad des Nahrungsmittelbedarfs zu erhöhen.

Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit habe der Plan dazu beigetragen, Wasser einzusparen, die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft zu verbessern und die regenabhängige Landwirtschaft zu reduzieren. Darüber hinaus habe er die Integrationsdynamik für die kleine und mittlere Landwirtschaft gefördert, was 2,7 Millionen Landwirten zugute gekommen sei.

Landwirtschaftsminister
Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch stellt neue Pläne 2020-2030 vor.

Landwirtschaft soll eine neue Entwicklungsebene erreichen.

Landwirtschaftsminister Akhannouch erläuterte weiter, dass der marokkanische Agrarsektor eine neue Entwicklungsebene erreichen solle, wobei er festhielt, dass die neue Agrarstrategie auf zwei Hauptfundamenten basiert.

Zum einen auf der Förderung des menschlichen Faktors, durch das Entwickeln einer neuen landwirtschaftlicher Mittelschicht (350.000 bis 400.000 Haushalte).

Zum anderen auf dem Entstehen einer neuen Generation junger Unternehmer, durch die Bereitstellung und Erschließung von einer Million Hektar öffentlichem Landes, um die Schaffung von 350.000 Arbeitsplätzen für junge Menschen zu ermöglichen.

Diese Mittelschicht und diese jungen Landwirte werden auch in der Lage sein, eine neue Generation von innovativeren landwirtschaftlichen Betrieben aufzubauen und von neuen Unterstützungsmaßnahmen zu profitieren, die es ihnen ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu verbessern, erklärte der Minister. Laut Akhannouch ist die zweite Grundlage dieser neuen Strategie mit der Fortsetzung der Entwicklungsdynamik des Sektors vereinbar, indem die menschliche und soziale Entwicklung gefördert wird.

Ehrgeizige Ziele für die Landwirtschaft formuliert

Die neue „Vision“ sieht die Stärkung der Agrarsektoren vor, mit dem Ziel, die Exporte (50 bis 60 Milliarden marokkanische Dirham MAD, ca. 4,74 bis 5,68 Milliarden Euro*) und das landwirtschaftliche BIP (200 bis 250 Milliarden MAD oder 18,94 bis 23,68 Mrd. Euro*) bis 2030 zu steigern. Dazu sollen auch die Distributionsprozesse der Produkte, durch die Modernisierung von 12 Großhandelsplattformen und traditionellen Märkten, verbessert werden, sagte Akhannouch.

Es gehe auch, um die Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Entwicklung sowie um die Verbesserung der Qualität und der Innovationsfähigkeit, stellte Akhannouch fest und fügte hinzu, dass 120 moderne Schlachthöfe zugelassen und die Gesundheitskontrolle verstärkt werden sollen.

Die Umsetzung dieser Strategie werde eine jährliche Erhöhung des Etats des Wirtschaftszweigs um fast 2,5% ab dem Jahr 2020 erfordern, sagte der Minister.

Marokkanische Wälder seien im schlechten Zustand.

In Bezug auf die neue Strategie für den Wasser- und Forstsektor „Wälder Marokkos“ betonte Minister Akhannouch die Bedeutung der Wälder, die sich über eine Fläche von schätzungsweise 9 Millionen Hektar erstrecken.

In diesem Zusammenhang gestand er ein, dass sich der marokkanische Wald in einem vernachlässigten Zustand befindet, insbesondere aufgrund der jährlichen Zerstörung von 17.000 ha Waldfläche, der geringen Aufforstung der Korkeichenwälder, der übermäßigen Abholzung von Brennholz sowie der übermäßigen Nutzung als Weidefläche.

Moderne Forstwirtschaft soll den Wald schonen und Menschen Perspektiven bieten.

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors zu stärken und seine Modernisierung sicherzustellen, wurde die neue Wasser- und Forststrategie, laut dem Minister, auf der Grundlage eines integrierten, nachhaltigen und wohlstandschaffenden Wirtschaftsmodells entwickelt.

Landwirtschaftsminister
Marokkanischer Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch

Diese neue Strategie zielt darauf ab, die Wälder zu einem Raum der Entwicklung zu machen, um die nachhaltige Bewirtschaftung sicherzustellen. Dabei soll ein auf Mitwirkung der bisherigen Nutznießer beruhender Ansatz verfolgt werden. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten der Wälder zu stärken und die biologische Vielfalt zu erhalten, sagte der Minister. Er fuhr fort, dass diese Strategie darauf abzielt, bis 2030 ca. 133.000 ha Wald neu zu beleben und 27.500 zusätzliche direkte Arbeitsplätze zu schaffen, sowie die Einkommen entlang der Produktionsketten und über den Ökotourismus zu verbessern, um einen jährlichen Umsatz von fünf Milliarden MAD zu erreichen.

Plan „Wälder Marokkos“ beruht auf vier Säulen.

Zu diesem Zweck wird die neue Strategie auf vier Hauptsäulen berühren.
Zum ersten die Schaffung eines neuen Modells, das auf einem partizipativen Ansatz beruht, der die Bevölkerung mit der Bewirtschaftung verbindet.
Zum zweiten die Entwicklung oder Aufforstung der Waldgebiete entsprechend ihrem Bestand.
Zum dritten die Förderung und Modernisierung der Waldberufe durch die Schaffung moderner Forstbaumschulen und die Einführung von digitalen Hilfsmitteln in der Verwaltung des Sektors.
Zum vierten schließlich die institutionelle Reform des Sektors durch die Einrichtung eines Ausbildungs- und Forschungspols sowie die Schaffung einer Wasser- bzw. Forstbehörde sowie einer Naturschutzagentur.

Neue Nationalparks sollen gegründet werden.

Diese Strategie sieht auch die Entwicklung und Aufwertung von zehn Nationalparks vor, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unter voller Achtung des natürlichen, kulturellen und territorialen Erbes zu gewährleisten.

Diese beiden neuen Strategien („Grüne Generation 2020-2030″ und „Grünes Marokko“) werden ab 2020 insbesondere auf territorialer Ebene und entsprechend den Besonderheiten und Vorzügen jeder Region umgesetzt, und zwar in Abstimmung mit allen Beteiligten sowie nach den Grundsätzen der guten Regierungsführung, im Hinblick auf die Überwachung und Bewertung von Investoren sowie auf Effizienz- und Leistungsindikatoren, schloss Minister Akhannouch seine Präsentation.

*Wechselkurs Stand 14. Februar 2020

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