Marokko – Neuer spanischer Premierminister holt Antrittsbesuch nach.

Beziehungen zwischen Marokko und Spanien nicht ungetrübt.

Premierminister
Spanischer Premierminister Pedro Sanchez - Quelle Moncloa Pool / Fernando Calvo

Spanischer Premierminister will noch im August nach Marokko reisen.

Madrid – Der neue spanische Premierminister Pedro Sanchez möchte, laut der spanischen Nachrichtenagentur El Mundo, zeitnah zu seinem ersten offiziellen Besuch nach Marokko reisen. Traditionell reisen alle neuen Premierminister Spaniens als erstes in das Nachbarland Marokko. Dieses Mal war dies nicht möglich, da der EU – Sondergipfel zur Flüchtlingsfrage und private Termine von König Mohammed VI. die Planungen umwarfen. Nun soll noch im August der Besuch von Ministerpräsident Sanchez in Marokko und ein erstes Treffen mit König Mohammed VI. nachgeholt werden.

Besuch während des Thronfestes vorbereitet.

Wie marokkanische Medien berichten, hatte der ehemalige spanische Premierminister und Parteifreund Jose Luis Rodriguez Zapatero das Thema gegenüber König Mohammed VI. angesprochen. Zapatero war als Ehrengäste zum Thronfest Ende Juli vom marokkanischen Monarchen eingeladen worden. Dabei soll der ehemalige spanische Ministerpräsident erste Punkte zum Besuch seines sozialistischen Parteifreundes mit dem marokkanischen König besprochen haben.

Premierminister
Ehemaliger spanischer Premierminister Zapatero trifft König Mohammed VI. beim Empfang zum Thronjubiläum 2018

Dem Sozialisten Zapatero werden gute Kontakte zum Palast und König Mohammed VI. nachgesagt. Der genaue Termin und die Agenda werden auf der Ebene der Regierungen und vor allem zwischen den Außenministerien besprochen. Seit einigen Monaten gestalten sich Termine zwischen Spanien und Marokko etwas schwierig. Seit Monaten ist ein Treffen zwischen König Felipe VI. von Spanien und König Mohammed VI. von Marokko geplant. Dieses Treffen wurde seit Oktober 2017 wiederholt von Marokko, teils sehr kurzfristig, abgesagt.

Migration- und Flüchtlingsfrage führen zu Abstimmungsbedarf.

Die marokkanischen und spanischen Behörden arbeiten bei Sicherheitsfragen und im Antiterrorkampf bereits eng zusammen. Gerade die Erkenntnisse marokkanischer Geheimdienste sind in Spanien und ganz Europa sehr geschätzt. Doch auf übergeordneten Ebenen hat sich Marokko wieder stärker in Richtung Frankreich ausgerichtet. Dennoch werden die beiden Nachbarn über die aktuellen Entwicklungen bei der Flüchtlingsbewegung sprechen müssen. Europa verlangt von Marokko seine Grenzen besser zu schützen und Flüchtlinge von der Überfahrt nach Spanien abzuhalten. Spanien stützt dabei die Entscheidung der Europäischen Union Auffanglager auf nordafrikanischem Hoheitsgebiet einzurichten. Das lehnen bisher alle drei Maghrebstaaten ab.

Flüchtlinge
Flüchtlinge an der Küste Europas gelandet

Spanien erkennt die Stimmung in Marokko frühzeitig.

Erst vor kurzem hat der neue spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez bekundet, die Zusammenarbeit mit Marokko in der Frage der Migration zu verstärken. Bei einer Stellungnahme gegenüber der Presse am Rande des Thronfestes sagte der ehemalige spanische Ministerpräsident Zapatero, er sei überzeugt, dass die neue Regierung die positiven diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Spanien erhalten werde. „Ich bin überzeugt, dass diese positiven Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern mit der neuen spanischen Regierung weiter gefestigt werden“, sagte Zapatero.

Spanien ist für Marokko einer der wichtigsten Handelspartner. Gleichzeitig leben rund 250.000 Marokkanerinnen und Marokkaner in Spanien.

Beziehungen zwischen Marokko und Spanien nicht ungetrübt.

Trotz der Nachbarschaft, den engen wirtschaftlichen Beziehungen und der Zusammenarbeit bei Sicherheitsfragen, ist das Verhältnis nicht ungetrübt. So macht es Spanien seinem Nachbarn nicht selten schwer landwirtschaftliche Güter, die man in Spanien ebenfalls produziert, nach Europa zu exportieren. Spanien war eine der beiden ehemaligen Kolonialmächte in Marokko und hat gerade im Nordosten des Königreichs bis heute wirkende Spuren der Unterdrückung hinterlassen. Nicht selten hat man in Rabat das Gefühl, dass Madrid Verhandlungen nicht auf Augenhöhe mit dem Königreich führt und die Wertschätzung, vor allem gegenüber marokkanischen Arbeitskräften in Spanien, beschränkt ist.

Spanien spielt technische und militärische Stärke gegen Marokko aus.

Neben den beiden spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, die Marokko als Relikt der spanischen Kolonialzeit betrachtet, nutzen vor allem das spanische Militär und die spanische Küstenwache ihre mit Hilfe der EU aufgebaute technische Überlegenheit gegenüber Marokko. So kam es 2002 zu einem Grenzkonflikt wegen eines Felsens (Isla del Perejil – der Petersilienkrieg) nur 200 Meter vor der Küste Marokkos, auf dem Marokko einen militärischen Überwachungsposten einrichten wollte. Madrid entsandte eine militärische Spezialeinheit, um die kleine Insel zu besetzen, was man in Rabat als Demütigung empfand. 2014 wollte die spanische Küstenwache die königliche Yacht im Mittelmeer stoppen und seit 2017 sieht das spanische Militär seine taktische Überlegenheit durch den marokkanischen Aufklärungssatelliten bedroht, was man auch deutlich zum Ausdruck brachte.

Empfohlener Artikel