Marokko – Personaldefizit von 95.000 Kräften im Gesundheitswesen erwartet.

Marokko investiert Milliarden in eine Erweiterung des allgemeinen Sozialschutzes

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Gesundheitsminister
Quelle Gesundheitsministerium - Gesundheitsminister Marokko Prof. Khalid Aït Taleb

Im Zusammenhang mit der Erweiterung der allgemeinen Krankenversicherung wirbt der Gesundheitsminister im Parlament für Systemöffnung und um mehr Personal.

Rabat – Für den marokkanischen Gesundheitsminister Prof. Ait Taleb steht das Land vor großen Herausforderungen, wenn es gilt, die Vorgaben von König Mohammed VI. umzusetzen und den allgemeinen Sozialschutz zu verbessern. Der Erfolg des marokkanischen Plans zur Umsetzung der allgemeinen Gesundheitsversorgung (allgemeine Krankenversicherung) hängt von der Deckung des Defizits an medizinischem Personal ab, das auf 95.000 Kräfte geschätzt wird, so der Gesundheitsminister.

In einer Stellungnahme im Parlament, Anfang dieser Woche, sagte Minister Khaled Ait Taleb, dass Marokko 32.522 weitere Ärzte und 65.044 Pflegekräfte benötige und fügte hinzu, dass das Königreich derzeit nur 1,7 Ärzte pro 1000 Einwohner habe, was weit unter der WHO-Empfehlung von 2,5 Ärzten pro 1000 Einwohner liege.

Zugang für Mediziner*Innen aus dem Ausland soll vereinfacht werden.

Der Minister betonte auch die Notwendigkeit, den Status und die Regelungen für das Gesundheitspersonal im öffentlichen Dienst zu überprüfen und die Einstellung ausländischer Ärzte sowie die Öffnung des Sektors für ausländische Investoren zu ermöglichen. Hier zielt der Gesundheitsminister auf die Migrationsbewegung aus Subsahara über Marokko nach Europa ab. In Kooperation mit der EU hält das nordafrikanische Land viele Menschen von der Überfahrt in Richtung Europa ab und muss diese auch teilweise in die Gesellschaft integrieren. Viele haben eine gute Ausbildung in ihren Herkunftsländern absolviert, die sie aber nicht einsetzen konnten. Marokko denkt anscheinend darüber nach, vorhandene Potentiale für sich zu nutzen, wenn der heimische Markt nicht ausreichende Potentiale bereitstellt. Eine überraschende Haltung angesichts einer hohen Arbeitslosigkeit gerade unter jungen Menschen, die aber oft kein Interesse an einem beruflichen Einstieg im Gesundheitswesen haben, in dem die Bedingungen teils wenig ausreichend reizvoll zu sein scheinen.

Ca. 22 Mio. Menschen sollen einen ersten oder erweiterten Zugang zu einer allgemeinen Krankenversicherung erhalten.

Bereits seit Jahrzehnten existiert in Marokko ein rudimentärer Sozialversicherungsschutz, der aber bisher vor allem festangestellten Berufsgruppen im öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft offenstand. Ergänzend gab es das sog. RAMED – Unterstützungssystem für erfasste Bedürftige, die ihr geringes oder mangelndes Einkommen nachweisen konnten. Alle anderen Menschen wurden nicht erfasst. Die Folgen dieser Sozialpolitik zeigten sich während der Coronavirus – Pandemie. Es erwies sich, dass mehrere Millionen Menschen als Einzelselbstständige, Freiberufler und in prekären Arbeitsverhältnissen, im sog. informellen Sektor (Schwarzarbeit), oder als Arbeitslose nicht von beiden Systemen erfasst und ohne Schutz den Folgen der Pandemie ausgesetzt waren.

Hilfsgelder
Marokko zahlt erneut Hilfsgelder an Menschen im sog. informellen Sektor. Geld soll im Rahmen des Gesundheitsnotstands unterstützen.

Anfang April wurde in Umsetzung königlicher Anweisungen ein Projekt gestartet, das 22 Millionen zusätzlichen Menschen bis 2022 den Zugang zu einer gesetzlichen Krankenversicherung ermöglichen soll. Experten erwarten, dass nach der Einführung einer beitragsbasierenden Krankenversicherung auch die Nutzung des Gesundheitswesens steigt, was einen höheren Personalbedarf nach sich ziehen könnte.

Marokko investiert Milliarden in eine Erweiterung des allgemeinen Sozialschutzes

Der gleiche Sozialplan zielt darauf ab, Familienbeihilfen bis 2024, Altersrenten bis 2025, die vor allem Landwirten und Selbstständigen zugutekommen sollen, und Entschädigungen für den Verlust des Arbeitsplatzes bis 2025 in Übereinstimmung mit den Richtlinien, die in einer königlichen Rede im Juli letzten Jahres festgelegt wurden, einzuführen.

Für dieses Programm werden bis 2025 Mittel in Höhe von 51 Milliarden marokkanische Dirham MAD oder 4,74 Milliarden EURO* benötigt, von denen 23 Milliarden MAD oder 2,14 Milliarden EURO* aus dem laufenden Staatshaushalt der nächsten Jahre finanziert werden sollen.

*Wechselkurs Stand 28. April 2021

Marokko – König initiiert Projekte zur Ausweitung der Sozialversicherungen.

 

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