Marokko – Premierminister erwarten von Frankreich Unterstützung in der Westsahara-Frage

„Gesundheit und Bildung sind klare Prioritäten unserer Regierung".

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Premierminister Aziz Akhannouch macht in einem Interview die Erwartungen Marokkos gegenüber Frankreich in de Haltung zur Westsahara-Frage deutlich.

Rabat / Paris – Die französisch – marokkanischen Beziehungen sind weiterhin angespannt und benötigen offensichtlich weitere Ereignisse und Gespräche, um wieder ein intensives und vertrauensvolles Niveau zu erreichen, wie es sich derzeit zwischen Spanien und dem nordafrikanischen Königreich entwickelt, wobei auch hier erst eine schwere diplomatische Krise durchlebt werden musste.

Diese Krise konnte auch erst nach einer Änderung der spanischen Position in Bezug auf den Hoheitsanspruch Marokkos über die Westsahara / marokkanische Sahara überwunden werden.

Angesichts dieser Erfahrung, die sicherlich auf das Durchhaltevermögen und die eingesetzten Druckmittel Rabats zurückzuführen ist, die im Land als Erfolg gewertet und der Anpassung der politischen Positionen weiterer Länder der EU, darunter die Niederlande und auch Deutschland, ähnelt, erwartet man nun auch eine entsprechende Positionierung von Frankreich, dem Land, dass einst die Schutzmacht (Protektorat) gewesen ist und mit dem man enge politische und wirtschaftliche Beziehungen pflegt.

Erst vor kurzem wurde nach dem Besuch der französischen Außenministerin Catherine Colonna in Rabat die Visa-Krise offiziell überwunden. Doch Rabat treibt vor allem, insbesondere nach der Anerkennung durch die USA, die Anerkennung des Hoheitsanspruchs über die südlichen Provinzen durch Frankreich an. Dies machte nun der marokkanische Premierminister in einem Interview erneut deutlich und stützte damit von Außenminister Bourita gemachte Aussagen.

„Frankreich darf nicht nur Beobachter sein.“

Regierungschef Aziz Akhannouch gab der französischen Tageszeitung L’Opinion einige Tage vor seiner Abreise zum Davoser Weltwirtschaftsforum, das vom 16. bis 20. Januar 2023 stattfindet, ein Interview.

Laut einem Artikel vom 16. Januar 2023 fand das Gespräch in den Gärten des weltberühmten Luxushotels La Mamounia in Marrakech statt. Der Regierungschef hat zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt am 7. Oktober 2021 mit einem ausländischen Medium gesprochen.

Natürlich wurden auch die Beziehungen zwischen Marokko und Frankreich thematisiert. Auf die Frage des Journalisten Pascal Airault nach der „relativ tiefsitzenden Malaise in den politischen Beziehungen zu Frankreich, das Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen und den Empfang französischer Investoren befürchten lässt“, ließ es sich Aziz Akhannouch nicht nehmen, sehr explizit die Westsahara – Frage hervorzuheben.
„Es gibt große Entwicklungen bei der Anerkennung der Souveränität Marokkos bezüglich unserer südlichen Provinzen durch die Großmächte, und Frankreich sollte nicht nur Beobachter sein“, bemerkte er. „Unsere Wirtschaft ist jedoch nicht von den Turbulenzen betroffen, die Sie als Malaise bezeichnen. Französische Investoren sind willkommen und werden gleichberechtigt mit denen anderer Länder behandelt. Es gab nie ein „chasse gardée“ (Jagdgebiet). Es gibt einfach Investoren, die sich mehr für das Königreich interessieren als andere“, fügte er hinzu.
Die wirtschaftlichen Beziehungen Marokkos zu Frankreich werden sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln, schloss der Regierungschef in diesem Punkt.

„Gesundheit und Bildung sind klare Prioritäten unserer Regierung“.

Im weiteren Verlauf lässt Aziz Akhannouch das nationale Management der russisch-ukrainischen Krise an sich abprallen. „Unsere Priorität war es, die Auswirkungen der Inflation auf die Schwächsten zu verringern, indem wir die Preise für Butangas und Strom einfroren und bestimmte Lebensmittel wie Mehl subventionierten“, erklärte er. Er ging auch auf seine Prioritäten für 2023 ein und betonte, dass Gesundheit und Bildung klare Prioritäten seiner Regierung seien, für die 2023 10 Milliarden Euro bereitgestellt würden, was zwei Dritteln des Staatshaushalts entspreche. Aziz Akhannouch äußerte sich auch zu seinem Treffen mit dem Chefdiplomaten der EU, Josep Borrell, zum Abschneiden der Atlas-Löwen bei der Weltmeisterschaft 2022 und zu dem Erbe, das er nach seiner Amtszeit hinterlassen will.

„Bis zum Ende dieser Amtszeit werden wir die Kaufkraft der Bürger weiter verbessern. Wir müssen die laufenden Strukturreformen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Investitionsförderung zum Erfolg führen. Ein weiteres großes Projekt betrifft die Wasserressourcen. Auf Anweisung Seiner Majestät starten wir ein 15-Milliarden-Dollar-Programm für den Bau von Entsalzungsanlagen, Staudämmen und für den Wassertransfer von wasserreichen in wasserarme Regionen. Das Ziel ist es, unsere Abhängigkeit von den Niederschlägen zu überwinden“.

„Diese Baustelle und die Reform des Energiesektors sind weitere Meilensteine und weitere Schritte auf dem Weg zur strukturellen Umgestaltung des Königreichs“, schloss der Regierungschef.

Marokko – Französische Außenministerin in Rabat eingetroffen.

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