Marokko – Rede des Königs überrascht algerische Politik.

Sehnsucht nach Frieden und offenen Grenzen

Rede
Rede zum 43 Jubiläums "Grüner Marsch"

König streckt Hand zum Dialog in Richtung Algerien aus.

Rabat – In seiner gestrigen Rede überraschte König Mohammed VI. von Marokko die politischen Beobachte im In- und Ausland und vor allem im Nachbarland Algerien. In deutlichen Worten machte er Algerien ein Angebot und streckte dabei die Hand des Königreichs zum Dialog aus. In seiner Rede anlässlich des 43. Jubiläums des „Grünen Marsch“, betonte er die Gemeinsamkeiten zwischen Algerien und Marokko, die der König nicht nur in der geografische Nähe, in der gemeinsamen Religion und Sprache erkennt, sonder sogar in der Blutsverwandtschaft und familiären Banden sieht.

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Algerien und Marokko brauchen keine Vermittler.

König Mohammed VI. machte klar, dass es zwischen den beiden „Brüderstaaten“ Differenzen gibt. In seiner Rede schlug Mohammed VI. vor, die bilateralen Beziehungen wieder in Gang zu bringen. Er schlug die Einrichtung eines „gemeinsamen politischen Mechanismus für Dialog und Konsultation“ vor, um Streitigkeiten zwischen den beiden Ländern beizulegen. „Aufgrund seines Mandats muss sich dieser Mechanismus dazu verpflichten, alle bilateralen Fragen offen, objektiv, aufrichtig und nach Treu und Glauben ohne Bedingungen oder Ausnahmen auf einer offenen Agenda zu prüfen“, sagte er. Er betonte dabei, dass die beiden Länder keine Vermittler benötigen, um in einen Dialog einzutreten.

Algerien hat noch nicht reagiert.

Die Rede des marokkanischen Königs hat bisher in Algerien noch keine Reaktionen ausgelöst. Die algerischen Medien haben nur vereinzelt auf die Rede und den Vorschlag aus Rabat hingewiesen. Von Seiten der algerischen Regierung gab es noch keine offizielle Reaktion. In Algier herrscht Zurückhaltung, waren die letzten Jahre eher von gegenseitigen verbalen Frontalangriffen geprägt. Gleichzeitig machte der marokkanische König klar, dass die territoriale Integrität des Königreiches nicht zur Diskussion steht, welche die Westsahara mit einschließt. Gerade die Situation um und in der Westsahara spielt eine wichtige Rolle im Konflikt zwischen den Nachbarländern. Noch hat Algier nicht reagiert. Entweder weiss man noch nicht, wie man reagieren soll oder das Schweigen an sich ist bereits eine Botschaft in Richtung Rabat.

Sehnsucht nach Frieden und offenen Grenzen

In beiden Ländern gibt es einen Unterschied zwischen der Haltung der politischen Elite und dem Empfinden der Bevölkerung. Die Menschen sehen keine ausreichenden Gründe für diesen Jahrzehnte andauernden Konflikt, der beide Länder Milliarden von US-Dollar jedes Jahr kostet, sowohl durch die entgangener wirtschaftlicher Entwicklung, als auch durch hohe Rüstungsausgaben verursacht. Marokkos König hat diese Sehnsüchte nun genutzt, um für seinen Vorschlag zu werben. Dabei gibt er ein innenpolitisches und strategisches Instrument auf. Wann immer es in Algerien und Marokko innenpolitische Spannungen gegeben hat, scheuten beide Regierungen nicht davor zurück, die Einheit des jeweiligen Landes einzufordern, in dem sie einen äußeren Feind im Nachbarland identifizierten. Dies würde bei einer Annäherung wegfallen.

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