Marokko – Reformkonzept der Berufsausbildung unzureichend.

König will nun Qualität vor Schnelligkeit

Arbeitssitzung
Quelle MAP: Arbeitssitzung zur Reform der Berufsausbildung

König Mohammed VI. fordert Nacharbeiten vom Premierminister.

Rabat – Bei einer Arbeitssitzung im königlichen Palast von Rabat, die König Mohammed VI. am vergangenen Donnerstag (28. November 2018) einberufen hatte, ging es um das Konzept einer Bildungsreform im Bereich Berufsausbildung. In seiner diesjährigen Thronrede erklärte der König, dass er und die Regierung mehr gegen die Jugendarbeitslosigkeit tun werden. Aus Sicht des Monarchen ist eine Bildungsreform, die den jungen Menschen im Land die nötigen Fähigkeiten für einen zukünftigen Berufsstart vermittelt dringend nötig. In der Rede von König Mohammed VI. vor dem Parlament 2017 warf er der Regierung bereits vor, dass das aktuelle Bildungswesen „Arbeitslose hervorbringe“ und die Arbeitslosigkeit insbesondere bei jungen Menschen und trotz Wirtschaftswachstum wachse.

König macht Druck.

Anfang Oktober gab König Mohammed VI. dem Regierungschef, Dr. Saad-Eddine El Othmani, die Anweisung binnen drei Wochen ein Konzept für eine Bildungsreform zu erarbeiten und vorzulegen. Ende Oktober bat der Premierminister den König um eine Fristverlängerung, die gewährt wurde. Am letzten Donnerstag legte El Othmani nun sein Konzept vor. Die Regierung steht von zahlreichen Seiten unter Druck. Die Wohlstandsschere geht immer weiter auseinander, gerade junge und teils hoch ausgebildete Akademika sind von der Arbeitslosigkeit betroffen und wollen das Land verlassen. Gleichzeitig beklagen sich Unternehmen über Fachkräftemangel und dem Fehlen von praktischen Fähigkeiten bei Bewerbern. Gerade ausländische Investoren gründen vermehrt eigene Ausbildungsstätten, um die benötigten Fähigkeiten zu vermitteln. Doch noch viel wichtiger ist der ansteigende Zorn unter den jungen Marokkanerinnen und Marokkanern, der zunehmend offen zum Ausdruck gebracht wird.

Rede
König Mohammed VI. von Marokko vor dem Parlament

Premier- und Bildungsminister müssen nacharbeiten.

Das Reformkonzept der Regierung El Othmani fand bei König Mohammed VI. keine vollständige Zustimmung. Wie in der anschließenden Presseerklärung mitgeteilt wurde, hatte der König nochmals bekräftigte, dass die „zukünftigen Anforderungen in diesem Sektors im Rahmen einer ergänzenden Vision der Reform des Berufsbildungssystems und unter Nutzung der erfolgreichen internationalen Erfahrungen in diesem Bereich, insbesondere der Verbindung zwischen theoretischer Ausbildung und Praktika in Unternehmen, erfüllt werden müssen“. Aus Sicht des Königs ist das vorgelegte Konzept nicht ausreichend und weise Lücken auf, die die Regierung nun füllen müsse. Insbesondere habe das Konzept Schwächen bei der Erfolgskontrolle der geplanten Mechanismen sowie bei der Finanzierung, so die Erklärung weiter, die über die marokkanische – staatliche Nachrichtenagentur MAP veröffentlicht wurde. Detail zum Inhalt des vorgelegten Konzeptes wurden nicht bekannt gegeben.

König will nun Qualität vor Schnelligkeit

Nach der Sitzung scheint es aber auch bei König Mohammed VI. ein Umdenken gegeben zu haben. Anscheinend ist allen Beteiligten bewusst geworden, dass die Entwicklung eines erfolgversprechenden Konzeptes eine komplexe Aufgabe ist. Diesmal hat Mohammed VI. Saad-Eddine El Othmani keine Frist gesetzt, um eine umfassende und integrierte Strategie zur Förderung der Jugendbeschäftigung durch eine marktgerechte Berufsausbildung vorzulegen. In Folge der Sitzung vom 29. November 2018 wurde nun die geplante Tagung zur Bildungsreform, die vor Ende diesen Jahres stattfinden sollte, abgesagt. In der Erklärung des königlichen Kabinetts hieß es, dass die Tagung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird, um zunächst „die Voraussetzungen für den Erfolg dieses wichtigen nationalen Treffens zu schaffen und es zu einer geeigneten Gelegenheit zu machen, einen qualitativen und grundlegenden Sprung in der Beziehung zwischen Ausbildung und Beschäftigung zu ermöglichen“.

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