Marokko – Regierungssprecher weigert sich Israel – Kontakte zu kommentieren.

Politische Aktivisten stellen sich gegen eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel.

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Regierungssprecher
Regierungssprecher Mustapha Khalfi

Regierungssprecher El Khalfi bezeichnet erneut Berichterstattung als „Gerüchte“.

Rabat – Am Rande der Pressekonferenz zur wöchentlich stattfindenden Regierungsratssitzung wurde Regierungssprecher Mustapha El Khalfi auf die jüngsten Berichte zu Kontakten zwischen Marokko und Israel angesprochen. In den letzten Wochen mehrten sich die Berichte darüber, dass der israelische Premierminister, Benjamin Netanyahu, sich darum bemühen würde, das Königreich Marokko offiziell besuchen zu können. In der letzten Woche berichtete der israelische Fernsehsender „Kanal 13“, dass es bereits im September vergangenen Jahres, am Rande der UNO Generalversammlung in New York, zu einem geheimen Treffen zwischen dem marokkanischen Außenminister Nasser Bourite und Benjamin Netanyahu gekommen sei. Bereits zu dem mutmaßlichen Besuch des israelischen Regierungschefs in Marokko nahm die Regierung keine eindeutige Stellung. Der Regierungssprecher nannte die damaligen Berichte „Gerüchte“, die er nicht kommentieren würde. Nun wurden weitere Details berichtet und erneut wurde Mustapha El Khalfi zu einer Reaktion gedrängt.

Netanjahu
Benjamin Netanyahu, Premierminister von Israel auf dem World Economic Forum in Davos, January 25, 2018. Copyright by World Economic Forum / Manuel Lopez

Reaktion auf den Bericht von „Kanal 13“ ausweichend.

Die bei der Pressekonferenz anwesenden Journalisten, konfrontierten den Regierungssprecher mit dem Fernsehbericht von „Kanal 13“. Er wurde deutlich danach gefragt, ob an dem Bericht des israelischen Senders etwas Wahres sei. Regierungssprecher El Khalfi lehnte es aber ab, konkret auf die Fragen der Journalisten zu diesem Thema einzugehen. Auf die unmissverständliche Frage nach den Berichten über ein geheimes Treffen zwischen dem marokkanischen Außenminister Nasser Bourita und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu, sagte El Khalfi, dass „das Königreich Marokko nicht auf Gerüchte reagiert“. Damit folgt El Khalfi der Linie Israels. Das Büro von Premierminister Netanyahu sagte auf Anfrage des TV-Senders, dass sie sich nicht zu „Kontakten mit Ländern, zu denen Israel keine formalen Beziehungen unterhält“, äußern. Klare Dementis hören sich anders an. Statt die Berichte als Gerüchte zu bezeichnen, hätte man in Rabat einfach „Nein“ sagen können. Das ist aber nicht geschehen.

Bourita
Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita

Politische Aktivisten stellen sich gegen eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel.

Auch wenn es keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zwischen dem nordafrikanischen Königreich und Israel gibt, so ist unzweifelhaft, dass inoffizielle Kontakte vorhanden sind. Menschen jüdischen Glaubens und die jüdische Kultur sind ein tief verwurzelter Teil der marokkanischen Geschichte. Zahlreiche Berater, Geschäftsleute und Bürgerinnen und Bürger in Marokko sind jüdischen Glaubens. Die größte Gruppe von im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkanern lebt in Israel, ist überwiegend jüdischen Glaubens und verehrt den marokkanischen König als ihr Staatsoberhaupt. Die Monarchie stellt Menschen jüdischen Glauben in Marokko unter besonderen Schutz. Vor dem Hintergrund der historischen und sehr ausgeprägten Solidarität Marokkos für die Palästinenser, die unter der Besatzung Israels leben müssen, machten zahlreiche politische Aktivisten deutlich, dass sie eine Annäherung an einen Staat Israel ablehnen. Zahlreiche Vertreter dieser Gruppen machten ihre Position im Parlament deutlich.

Mutmaßliche Unterstützung für die Westsahara – Position soll Marokko umstimmen.

In einer Erklärung sagte das marokkanische Anti-Normalisierungskomitee, dass der mögliche Besuch von Netanyahu darauf abzielen würde, eine von den USA vorgeschlagene Lösung für den Sahara-Konflikt zu diskutieren. Der Generalsekretär der Beobachtungsstelle, Aziz Hanawi, sagte Marokko World News in einer früheren Erklärung, dass „diejenigen, die einen Besuch von Netanyahu in Marokko fördern, versuchen, uns davon zu überzeugen, dass es sich um eine Vermittlungsfrage im Westsahara – Konflikt handle“. In dem Beitrag des israelischen TV-Senders „Kanal 13“ wird berichtet, dass Marokko eine Annäherung an Israel womöglich nicht mehr generell ablehnt, um die Unterstützung der USA im Westsahara-Konflikt zu erhalten.

Marokko – Gerüchte um geheime Kontakte zu Israel ebben nicht ab.

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