Marokko – Repräsentantenhaus verabschiedet Organgesetz zu Amazight – Sprache.

Kritiker halten Gesetzentwurf für unzureichend.

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Parlament
Marokkanisches Parlament in Rabat

Neues Organgesetz soll Verfassungsstatus konkretisieren.

Rabat – Am gestrigen Montag verabschiedete das marokkanische Repräsentantenhaus einstimmig, einen Entwurf eines Organgesetzes zum Status der Amazight – Sprachen in der Verwaltung und offiziellen Einrichtungen. Acht Jahre nach der Anerkennung der Amazight – Sprache in der marokkanischen Verfassung und Diskussionen in zahlreichen Ausschüssen geht es nun um den allgemeinen Umgang.

Der Entwurf, der noch durch das Abgeordnetenhaus muss, definiert den allgemeinen Gebrauch der Amazigh – Sprache in der Verwaltung, den lokalen Behörden und den öffentlichen Diensten, dem Unterricht in den Schulen und den Einsatz im kulturellen Leben. Die Sprache Amazigh wurde 2011 nach jahrzehntelangem Kampf der Amazight – Aktivisten als offizielle Sprache in die Verfassung aufgenommen.

Schwieriges Verhältnis zur Sprache der Amazight.

Das arabisch dominierte Königreich kämpft bis heute, um einen offiziellen Platz, die praktische Anerkennung und grundsätzlichen Würdigung der Muttersprache eines bedeutenden Teils seiner Bevölkerung. Die Annahme des Entwurfs des Organgesetzes wird es ermöglichen, „die Funktionsfähigkeit der Amtssprache Amazight (….) zu gewährleisten, diese Sprache zu erhalten und dieses kulturelle Erbe zu schützen“, versicherte der Kulturminister Mohamed Laaraj am Ende der Abstimmung.

Marokko
Marokko – Politiker im Parlament Rabat

Laut einer Volkszählung von 2004 sprachen acht Millionen Menschen täglich einen der drei Amazight – Sprachen, die auch als „berberische“ Dialekte des Landes bezeichnet werden. Eine der bemerkenswertesten Folgen dieser Anerkennung in der Verfassung war das Erscheinen des Tifinagh – Alphabets auf öffentlichen Gebäuden, neben Arabisch und Französisch.

Kritiker halten Gesetzentwurf für unzureichend.

„Das ist nicht das, was die Amazight – Gemeinschaft erwartet hat. Dieses Gesetz bleibt vage, es bestimmt nicht, wie das Amazigh gelehrt oder in den Medien verwendet werden soll“, sagte der Amazight – Schriftsteller und Aktivist Mohamed Assid der Nachrichtenagentur AFP. „Wir fordern eine Änderung des Konzepts für die Gleichstellung der beiden Amtssprachen. Dies ist jedoch nicht der Fall, und die Diskriminierung geht mit diesem Gesetz weiter“, bedauerte er.

Seit der Verfassungsänderung im Jahr 2011 erschien die Sprache nicht nur auf Gebäuden, sondern auch in Zeitungen und Onlinemedien. Die staatliche Medienanstalt SNRT sendet mehrere Radiosender und betreibt einen TV-Kanal in der Sprache der Amazight. Die Hauptnachrichten werden auf dem Hauptkanal einmal täglich in jedem der drei geläufigsten Ausprägungen gesendet. Derzeit diskutiert man im Finanzausschuss und in der Regierung darüber, auch auf der Landeswährung Schriftzeichen des Tifinagh – Alphabets abzudrucken.

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