Marokko – Russlands Rückkehr nach Afrika und den Maghreb

Russland und die Maghreb-Staaten

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Gipfel
Quelle TSS Russland - Afrika - Gipfel 2019 - Präsident Ägypten Abdel Fattah al-Sissi (li.) und Präsident der russischen Föderation Wladimir Wladimirowitsch Putin (re.) https://summitafrica.ru/en/

Russland – Afrika – Gipfel beginnt in Sotschi und soll als Aufbruch für eine wachsende Präsenz Russlands in Afrika dienen.

Sotschi – Beginnend mit dem heutigen Tag treffen sich in der russischen Hafenstadt Sotschi (Sochi), am Schwarzen Meer, Vertreter von fast 30 afrikanischen Staaten und Russlands zu einem Forum. Der erste Russland-Afrika-Gipfel soll helfen, die Beziehung zwischen dem größten Land der Erde und dem afrikanischen Kontinent weiterzuentwickeln. Dabei hat Russland den afrikanischen Kontinent geopolitisch für sich wiederentdeckt, nach dem es sich, seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, vornehmlich mit sich selbst beschäftigen musste. Russland will zurück auf die Bühne „Afrika“ und versucht die Beziehungen aus der Sowjetzeit wiederzubeleben. Afrika könnte erneut zum geopolitischen Spielball von Machtblöcken (USA/Europa, Russland, China) werden. China und Russland sehen Potential, da Europa keine Strategie hat und die USA sich in Richtung Asien orientiert haben. Die Afrikaner hoffen, die Interessierten Parteien, zum eigenen Vorteil, gegeneinander ausspielen zu können.

Sotschi als Start für die russische Rückkehr nach Afrika.

Es ist noch nicht so lange her, da hat Afrika für die Pläne des Kremls kaum eine Rolle gespielt. Russland hat den Kontinent den ehemaligen europäischen Kolonialmächten, den USA und China überlassen. In Sotschi wird Wladimir Putin diesen Gipfel mit seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sissi, als Reaktion unter anderem auf die „Foren zur chinesisch-afrikanischen Zusammenarbeit“, leiten. China gilt seit Anfang des Jahrhunderts, als der führende Partner Afrikas.

Zahlreiche Redner und Gesprächsrunden soll es an den beiden Tagen geben. Dabei haben sich die Spielregeln praktisch umgedreht. Nicht die vermeintlich armen Afrikaner bitten um Unterstützung, sondern Russland will zeigen, was es als „Partner“ zu bieten hat. Nach Angaben des Kremls habe man „viel zu bieten“. „Wir bereiten Investitionsprojekte mit russischen Investitionen in Milliardenhöhe vor und realisieren sie“, sagte Wladimir Putin in einem am 21. Oktober von der staatlichen Agentur Tass veröffentlichten Interview.

Russland muss Vertrauen schaffen

Die afrikanischen Staaten werden zunehmend umworben und Russland ist spät dran. Für den russischen Präsidenten, Wladimir Putin, geht es darum, zu beweisen, dass er bereit ist afrikanische Interessen zu berücksichtigen. Bisher glänzte Russland und Putin mit Abwesenheit. In den letzten 20 Jahren sind lediglich drei Afrikareisen bekannt, wobei Präsident Putin lediglich Südafrika besuchte. Damit hat man den Anschluss an die ehemaligen europäischen Kolonialmächte, den USA und vor allem China, das für die russische Afrikapolitik das Vorbild liefert, verloren. Im gleichen Interview listet der russische Präsident mögliche Kooperationsfelder auf. Darunter eine „militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit“, Hilfe gegen Ebola, Ausbildung von „afrikanischen Führungskräften“ an russischen Universitäten und betonte, dass alle bisher von Russland vorgeschlagenen Projekte ohne „politische oder andere“ Einmischung durchgeführt wurden.

Afrika erneut Spielbrett geopolitischer Interessen.

Russland wird Afrika Investitionen und Unterstützung bei der eigenen Entwicklung anbieten. Aber was möchte Russland dafür? Obwohl Russland selbst reich an Rohstoffe ist, so gibt es bestimmte Rohstoffe, die es eher in Afrika gibt. Dazu gehören seltene Erden, die für anspruchsvolle technische Entwicklungen benötigt werden. Aber auch Energiequellen sind von Interesse. Zugleich will man auf dem afrikanischen Markt agieren. Russlands Produktpalette bietet Güter, die Europa und die USA den afrikanischen Staaten vorenthalten. Hier geht es z.B. um Nukleartechnik in Form von Atomkraftwerken. Erste Länder wie Ägypten haben bereits zugegriffen. Dazu gehört ebenfalls modernstes militärisches Gerät, was meist, bei ähnlicher Leistungsfähigkeit, deutlich günstiger ist, als in Europa und den USA. Russland will aber auch geopolitisch mehr Gewicht und sucht nach Wegen, die Sanktionen der USA und der EU zu umgehen.

Russland und die Maghreb-Staaten

Traditionell hat Russland noch eher zu den Ländern mehr oder weniger gute Kontakte, die einst zur geopolitischen Einflusssphäre der ehemaligen UDSSR gehörten. Damals hatte sich Moskau einen prominenten Platz geschaffen, indem es die Kämpfe der Dekolonisierung unterstützte. Ehemalige französische Kolonien wie Mali und Guinea hatten sich seit den 1960er Jahren dem Sozialismus sowjetischer Prägung zugewandt. Mosambik hatte gar das russische Gewehr „Kalaschnikow“ als Symbol auf der Landesflagge. Angola oder Äthiopien nannten sich „Schwesterländer“ der UdSSR. Viele afrikanische Führer waren in der Sowjetunion ausgebildet worden. Im Maghreb sind die Beziehungen vor allem zu Algerien eng. Algerien gehört zu den wichtigsten Abnehmern russischer Rüstungsgüter und gilt in Moskau als Gegenposition zur Dominanz der USA in dieser Region. Durch den Konflikt zwischen Marokko und Algerien treffen unmittelbar die USA und Russland aufeinander, denn Marokkos engster sicherheitspolitischer Partner sind die USA.

Quelle TSS Russland – Afrika – Gipfel 2019 – Ankunft von Präsident Algerien Abdelkader Bensalah in Sotschi zur Teilnahme am Russland-Afrika-Gipfel – https://summitafrica.ru/en/

Marokkos Interesse an Russland.

Das nordafrikanische Königreich bemüht sich seit längerem, um ein besseres Verhältnis zu Russland. Der Besuch von König Mohammed VI. in Moskau im Jahr 2016 gilt als wichtiger Meilenstein. Das ist nicht einfach, weil die Beziehungen zu den USA viel enger und historisch gewachsen sind. Bis heute loben die USA Marokkos Vorgehensweise nach dem Unabhängigkeitskrieg von Großbritannien im Jahr 1777. Marokko war das erste Land, das die USA anerkannten. Die Kooperationen im Sicherheitsbereich sind eng und der Großteil der Rüstungsgüter, die Marokko einkauft, stammt entweder aus Frankreich oder mehrheitlich aus den USA. Marokko ist am Marktzugang nach Russland interessiert. Erste Abkommen wurden bereits unterzeichnet, die den Tourismus und den Austausch von landwirtschaftlichen Gütern betreffen. Ein umfassendes Handelsabkommen wird derzeit verhandelt.

Marokko an weiterer Unterstützung im UNO Sicherheitsrat interessiert.

Marokko will sich politisch breiter aufstellen, denn seit Bestehen der Trump-Administration und den Erfahrungen mit dem inzwischen entlassenen Sicherheitsberaters Bolten, in Bezug auf die Westsahara, ist die Sorge, um die verlässliche Unterstützung der USA, in Rabat gestiegen. Die außenpolitische Achillesferse Marokkos ist die Westsahara. Während es in Marokko keine Zweifel gibt, dass die Westsahara ein fester, unzweifelhafter und integrierter Teil des Königreiches ist, werfen andere Staaten, wie Algerien, Marokko vor, die letzte afrikanische Kolonialmacht zu sein. Die USA nahmen die schützende Hand über die Haltung Marokkos zurück und erhöhten sogar den Druck, den Konflikt final zu lösen, in dem Bolten die Westsahara zum Thema im UNO – Sicherheitsrat machte und Marokko dazu nötigte, in direkte Gespräche mit der Polisario (Westsahara – Befreiungsfront) einzutreten. Nur mit Hilfe Frankreichs konnte Marokko dafür sorgen, dass auch Algerien, das die Polisario beherbergt und direkt unterstützt, sowie Mauretanien an den Gesprächen teilnehmen mussten. Eine engere Beziehung zwischen Moskau und Rabat heißt auch, dass Russland im Streitfall Westsahara sich tendenziell neutraler ausrichtet.

Russlands Interesse an einem zweiten Ansprechpartner in Nordafrika

Zugleich bekommt Russland mit Rabat einen zweiten und wirtschaftlich relativ potenten Ansprechpartner in Nordafrika, der aktuell politisch stabiler ist, als der Verbündete Algerien. Die politische Situation in Algerien ist weiterhin von Protesten geprägt und die mächtigen Sicherheitsorgane sowie das Militär scheinen langsam die Geduld mit den Demonstranten zu verlieren. Eine solche Situation gibt es im benachbarten Königreich nicht und sie zeichnet sich auch nicht ab. Marokko hat für sich die Strategie definiert, als Drehkreuz, Hub oder Tor zu Afrika und vor allem zur Sub-Sahararegion zu fungieren. Frankreich hat dies bereits erkannt und nutzt das nordafrikanische Königreich entsprechend. China scheint das Potential langsam ebenfalls zu erkennen, auch wenn man mit Griechenland bereits im Mittelmeer aktiv und auch sonst in Afrika bereits engagiert ist. Wie Russland dies tun kann, wird sich zeigen müssen.

Russland-USA-China: Machtkampf um Afrika [Video]

 

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