Marokko – Spanischer Premierminister zu Gesprächen in Marokko.

Spanischer Premierminister macht in der Pressekonferenz die Migrationsfrage zum Schwerpunkt.

Sánchez
König Mohammed VI. empfängt spanischen Premierminister Pedro Sánchez in Rabat.

Zahlreiche Gesprächsthemen – Migration, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Bewerbung FIFA WM 2030.

Rabat – Der spanische Premierminister Pedro Sánchez ist am Montag zu seinem ersten offiziellen Besuch nach Marokko gereist. Dabei wurde er am Hauptstadtflughafen Rabat – Salé von seinem marokkanischen Amtskollegen Dr. Saad-Eddine El Othmani empfangen. Die Gesprächsthemen zwischen den beiden Ländern sind vielfältig. Auf der Tagesordnung standen die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Bekämpfung der Illegalen Migration, ein „möglicher Besuch“ von König Felipe VI. und Königin Letizia von Spanien in Marokko sowie der Vorschlag Marokkos eine gemeinsame Bewerbung, als Gastgeber der FIFA Fußball WM 2030, einzureichen. Spanien brennt das Thema Illegale Migration unter den Nägeln. Marokko möchte die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen. In Madrid und Rabat scheint man über eine gemeinsame Bewerbung, als Gastgeber der FIFA Fußball WM 2030, nachzudenken. Bei den Gesprächen mit Premierminister El Othmani standen die Wirtschaftsthemen, Sicherheitsfragen sowie die illegale Migration im Fokus.

Premierminister
Premierminister Sánchez und Premierminister El Othmani

Treffen auch mit König Mohammed VI.

Fast sechs Monate nach seiner Ernennung zum Premierminister kam es erst jetzt zum offiziellen Antrittsbesuch von Pedro Sánchez, weil sich kein Termin finden lies, an dem auch König Mohammed VI. zu einen Treffen bereit war. Beobachter vermuten, dass auch dieser Termin erst durch ein persönliches Gespräch zwischen König Felipe VI., Pedro Sánchez und König Mohammed VI., am Rande des Friedensforums von Paris, zustande gekommen ist. Bis zuletzt war es unklar, ob es zu einem Gespräch zwischen dem spanischen Premierminister und dem marokkanischen Monarchen kommen würde. Nach eigenen Angaben hatte Premierminister Sánchez zwar um eine Audienz beim König gebeten, er konnte aber nicht bestätigen, dass man im marokkanischen Palast der Bitte entsprochen hatte. Nun kam es heute doch zu einem kurzen Treffen der spanischen Delegation mit König Mohammed VI. im Regierungspalast von Rabat.

Arbeitsteilung zwischen Premierminister El Othmani und König Mohammed VI.

Zwischen König Mohammed VI. und seinem Premierminister El Othmani kam es wohl zu einer Arbeitsteilung. Während sich der Regierungschef mit seinem spanischen Amtskollegen über die schwierigen Themen unterhielt, kümmerte sich der marokkanische Souverän um eines seiner Lieblingsthemen. Der Monarch ist weiterhin daran interessiert, eine Fußball WM in sein Land zu holen. Bereist für die WM 2026 hatte der König persönlich beim spanischen König Felipe VI. für eine gemeinsame Bewerbung geworben. Diese scheiterte letztendlich, da man in Madrid gerne Portugal ebenfalls im Boot haben wollte. Portugal sagte allerdings ab, da man sich wirtschaftlich nicht mit einer FIFA WM belasten wollte. Daraufhin bewarb sich Marokko zum sechsten mal alleine und verlor die Abstimmung gegen die amerikanischen Ausrichter Kanada, Mexiko und USA. Anscheinend glaubt man in Rabat nicht an eine gemeinsame Bewerbung mit Algerien und Tunesien, die ebenfalls diskutiert wurde.

Spanischer Premierminister macht in der Pressekonferenz die Migrationsfrage zum Schwerpunkt.

Auf der abschließenden Pressekonferenz wiederholte der spanische Regierungschef hinsichtlich der Migrationsfrage die bekannte Position Spaniens. „Die Europäische Union muss Marokko strukturell mit wirtschaftlichen Ressourcen ausstatten“. Spanien, das vermehrt zum Zielland für Flüchtlingen nach Europa geworden ist, setzt sich seit mehreren Monaten dafür ein, dass die Europäische Union die Blockade von Hilfen für Marokko beendet und damit die Steuerung der illegalen Einwanderungsströme unterstützt. „Die spanische Regierung ist der Ansicht, dass wir die Zusammenarbeit und den Dialog mit den Herkunftsländern (der Migranten) verstärken und die Schleußermafia bekämpfen müssen. Es ist eine gemeinsame Verantwortung. Marokko leidet auch unter den Migrationsströmen aus der südlichen Sahara, und wir wollen Marokko unterstützen. Deshalb haben wir die EU um mehr Engagement und Hilfen für das subsaharische Afrika und mehr Unterstützung und Anerkennung seitens Europas für die Zusammenarbeit mit einem Schwesterland Marokko gebeten“, erläuterte der spanische Regierungschef.

Ei Othmani
Treffen zwischen dem spanischen Premierminister Pedro Sánchez und dem marokkanischen Premierminister Saad-Eddine El Othmani in Rabat

Spanien will mehr in eine verbesserte Rückkehr von Migranten investieren.

Pedro Sanchez bekundete auch die Bereitschaft seiner Regierung, „die Zusammenarbeit bei der Rückkehr von Einwanderern zu verstärken“ und dafür zu sorgen, dass zwischen den beiden Ländern eine „volle Übereinstimmung“ in dieser Frage besteht. Hinsichtlich der illegalen Grenzüberschreitung in der Enklave Sebta, kündigte Sánchez an, die seit Ende August praktizierte Abschiebepraxis, verstärkt einzusetzen. Premierminister El Othmani ergänzte, „dass das Migrationsproblem sehr komplex sei und trotz der Bedeutung eines Sicherheitsansatzes nicht alleine durch diesen gelöst werden kann. Wir müssen der Entwicklung in den Herkunftsländern in Afrika Priorität einräumen“. Regierungschef El Othmani machte weiterhin deutlich, dass „Marokko alles in seiner Macht stehende tut, um die illegale Einwanderung zu bekämpfen.“

Wirtschaftliche Zusammenarbeit soll ausgebaut werden.

Die beiden Regierungschefs erörterten auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Pedro Sánchez kündigte an, dass in Kürze ein spanisch-marokkanisches Forum stattfinden werde, um die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu vertiefen. Spanien und Frankreich sind derzeit die wichtigsten Handelspartner Marokkos. Im Bildungsbereich kündigte der spanische Regierungschef an, dass die Zahl der Stipendien, die Marokkanern für ein Studium in Spanien gewährt werden, erhöht wird.

Spanien offen für eine gemeinsame Bewerbung als Gastgeber der FIFA WM 2030.

Abschließend ging Pedro Sánchez auf eine mögliche gemeinsame Bewerbung als Gastgeber der FIFA WM 2030 ein. Er erklärte, dass „es viele Möglichkeiten für eine potentielle gemeinsame Bewerbung gibt.“ Aus seiner Sicht hätte eine gemeinsame Bewerbung den Charm, dass es die erste interkontinentale Bewerbung zwischen Afrika und Europa wäre. Pedro Sanchez wies auch darauf hin, dass die beiden Länder „bei der Vorbereitung einer möglichen Präsentation oder Kandidatur“ zusammenarbeiten werden, ohne jedoch weitere Details zu nennen. Er fügte hinzu, dass man sich um eine Teilnahme Portugals bemühen wird.

 

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