Marokko – Thronrede des Königs vom 31. Juli 2021 in einer deutschen Übersetzung.

Dank an alle Kräfte des Landes im Kampf gegen die COVID-19 Pandemie

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Thronrede
König Mohammed VI. von Marokko - Prinz und Thronfolger Moulay Hassan (li.) und Prinz Moulay Rachid (re.)

König Mohammed VI. erneuert Angebot an Algerien zum direkten Dialog und zur Öffnung der Grenzen.

Fés – Seine Majestät König Mohammed VI., hielt am Samstagabend (31. Juli 2021) eine Rede an die Nation. Hier ist der vollständige Text der Königlichen Rede in einer deutschen Übersetzung.

Die Rede ist nach bestem Wissen von Maghreb-Post ins Deutsche übersetzt. Bei Fehlern bitten wir um entsprechende Hinweise.

Alle Rechte an der Übersetzung liegen ausschließlich bei Maghreb-Post. Ein Kopieren, sei es auch nur in Teilen oder Auszügen, ist grundsätzlich nicht erlaubt! Gegenteiliges Verhalten verletzt das Urheberrecht und wird entsprechend verfolgt. Kooperationen können gerne vorab angefragt werden.

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Hier folgt der vollständige Text der königlichen Rede:

„Gelobt sei Allah (Gott),
Friede und Segen seien mit dem Propheten, seinen Gefährten und Seinen Nachkommen.

Liebe Mitbürger (geliebtes Volk),

der zweiundzwanzigste Jahrestag meiner Inthronisierung, den wir heute mit Stolz begehen, ist mehr als nur ein Gedenken an meine Thronbesteigung.

Diese Feier verdeutlicht das Band der heiligen Bei’a, des Treuegelöbnisses, sowie den festen Zusammenhalt, der seit jeher zwischen den Sultanen und Königen Marokkos und dem marokkanischen Volk besteht, ganz gleich unter welchen Umständen.

Marokko ist ein traditionsreicher Staat – eine geeinte Nation, deren Wurzeln tief in der Geschichte verankert sind.

Unser Land schöpft seine Stärke aus seiner nationalen Einigkeit und aus der gemeinsamen Haltung aller seiner Angehörigen zu den heiligen Werten der Nation.

Die Stärke der marokkanischen Nation beruht auch auf ihren Institutionen, auf der Kraft und den Fähigkeiten ihrer Bürgerinnen und Bürger sowie auf der Arbeit und den Bemühungen des marokkanischen Volkes um die Entwicklung und den Fortschritt des Landes und um die Verteidigung seiner Einheit und Stabilität.

Es ist genau dieses stets lebendige menschliche und kulturelle Vermögen, das unser Land in die Lage versetzt hat, sich den Herausforderungen zu stellen und Schwierigkeiten und Nöte im Laufe seiner langen Geschichte – der alten wie der modernen – zu überwinden.

Liebe Mitbürger (geliebtes Volk),

Zunächst möchte ich dem gesamten Personal des Gesundheitswesens – im öffentlichen, privaten und militärischen Sektor – sowie den Sicherheitskräften und den öffentlichen Behörden für ihren Einsatz und ihr großes Verantwortungsbewusstsein bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie danken.

Dies war für uns alle eine schwierige Situation, für mich und meine Familie, wie für alle Bürger. Wenn ich sehe, wie die Marokkaner leiden, fühle auch ich ihren Schmerz und empfinde die gleichen Gefühle.

Obwohl die Epidemie die wirtschaftlichen Projekte und Aktivitäten des Landes beeinträchtigt und die materiellen und sozialen Lebensbedingungen vieler Bürger verschlechtert hat, habe ich mich bemüht, Lösungen zu finden, um die Auswirkungen der Krise zu mildern.

Unmittelbar nach Ausbruch der Epidemie habe ich die Initiative zur Einrichtung eines Sonderfonds ergriffen, um die Auswirkungen der Krise zu mildern – eine Initiative, die von den Bürgern spontan angenommen wurde.

Außerdem habe ich einen ehrgeizigen Plan zur Ankurbelung der Wirtschaft auf den Weg gebracht, um die von der Krise betroffenen kleinen und mittleren Unternehmen zu unterstützen und durch direkte materielle Hilfe Arbeitsplätze und die Kaufkraft der Haushalte zu erhalten.

Ebenso habe ich den Investitionsfonds Mohammed VI. eingerichtet, um Investitionen in die Wirtschaft zu fördern und um verschiedene Investitionsprojekte zu begleiten und zu finanzieren.

König
König Mohammed VI. von Marokko

Dennoch haben wir heute allen Grund, die Erfolge Marokkos im „Wettbewerb um die Impfstoffe“ – der alles andere als einfach ist – sowie die erfolgreiche Durchführung der nationalen Impfkampagne und das massive Engagement der Bürger zu feiern.

Da ich die medizinische Autonomie für ein Schlüsselelement bei der Verwirklichung der strategischen Sicherheit des Landes halte, habe ich ein Pilotprojekt zur Herstellung von Impfstoffen, Medikamenten und dem notwendigen medizinischen Material in Marokko gestartet.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass die Epidemie noch nicht vorbei ist und die Krise weiter anhält. Jeder sollte weiterhin wachsam sein und die Anweisungen der Behörden befolgen.

Liebe Mitbürger (geliebtes Volk),

neben den Entwicklungsinitiativen im eigenen Land ist Marokko bestrebt, seine ernsthaften Bemühungen zur Förderung von Sicherheit und Stabilität auf afrikanischer und euro-mediterraner Ebene und insbesondere in der benachbarten Maghreb-Region fortzusetzen.

Im Einklang mit dieser Politik wiederhole ich meinen aufrichtigen Appell an unsere Brüder in Algerien, sich gemeinsam und ohne Vorbedingungen für die Entwicklung der bilateralen Beziehungen auf der Grundlage von Vertrauen, Dialog und guter Nachbarschaft einzusetzen.

Ich bin mit dem derzeitigen Stand unserer Beziehungen nicht zufrieden, denn sie dienen weder den Interessen unserer Völker, noch sind sie für viele Länder zu akzeptieren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine offene Grenze zwischen zwei benachbarten Ländern und zwei brüderlichen Völkern der Normalfall sein sollte.

Die Schließung der Grenzen ist unvereinbar mit einem natürlichen Recht und einem eigentlichen Rechtsgrundsatz, die beide in internationalen Abkommen verankert sind, darunter der Vertrag von Marrakesch, der den Gründungstext der Union des Arabischen Maghreb darstellt. Dieser Vertrag sieht den freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr zwischen den Staaten der Union vor.

Seit 2008 sage ich dies offen und betone es immer wieder und bei verschiedenen Gelegenheiten.

Denn weder der derzeitige algerische Präsident, noch sein Vorgänger, noch ich sind für die Entscheidung, die Grenze zu schließen, verantwortlich.

Aber wir sind politisch und moralisch verantwortlich für ihre Fortsetzung – wir sind verantwortlich vor Gott, vor der Geschichte und vor unseren Bürgern.

Es gibt keine vernünftige Rechtfertigung für die derzeitige Situation, zumal die Gründe, die zur Schließung der Grenze geführt haben, nicht mehr gelten. Das heißt, es gibt keine vernünftige Rechtfertigung für die Schließung.

Ich möchte niemanden beschuldigen oder belehren. Wir sind Brüder, die durch einen Eindringling getrennt worden sind, der sich nicht zwischen uns stellen darf.

Was einige sagen, nämlich dass die Öffnung der Grenzen nur Unheil und Probleme nach Algerien oder Marokko bringen wird, ist einfach nicht wahr. Niemand kann solche Behauptungen glauben, insbesondere im Zeitalter der Kommunikation und der modernen Technologie.

Die Schließung der Grenze unterbricht nicht die Verbindung zwischen den beiden Völkern, sondern trägt nur dazu bei, die Köpfe zu verschließen, die durch die von einigen Medien verbreiteten falschen Behauptungen beeinflusst werden, nämlich dass die Marokkaner von Armut geplagt sind und von Schmuggel und Drogen leben.

Jeder kann sich selbst davon überzeugen, dass diese Behauptungen schlichtweg nicht wahr sind. Es gibt eine algerische Gemeinschaft, die in unserem Land lebt, und Algerier aus Europa und auch aus dem Inneren Algeriens, die Marokko besuchen, die dies bestätigen können.

Unseren Brüdern in Algerien möchte ich Folgendes sagen: Marokko wird euch nie etwas Böses oder Probleme bereiten. Mein Land wird euch auch nicht in Gefahr bringen oder bedrohen. Denn das, was Sie betrifft, betrifft uns, und das, was Ihnen widerfährt, schadet uns.

Deshalb glaube ich, dass die Sicherheit und Stabilität Algeriens und der Frieden seines Volkes untrennbar mit der Sicherheit und Stabilität Marokkos verbunden sind, und umgekehrt: Was Marokko betrifft, betrifft auch Algerien, denn die beiden Länder sind wie ein und derselbe Körper.

Denn Marokko und Algerien leiden beide unter den Problemen der Migration, des Schmuggels, der Drogen und des Menschenhandels.

Unser eigentlicher gemeinsamer Feind sind die Banden, die solche Aktivitäten betreiben. Wenn wir gemeinsam gegen sie vorgehen würden, könnten wir ihre Aktivitäten mit Sicherheit eindämmen und ihre Quellen versiegen lassen.

Andererseits bedauere ich die medialen und diplomatischen Spannungen, die derzeit die Beziehungen zwischen Marokko und Algerien kennzeichnen; sie schaden nicht nur dem Ansehen beider Länder, sondern erwecken auch einen negativen Eindruck, insbesondere in internationalen Gremien.

Ich rufe daher dazu auf, der Logik der Weisheit und unserer höchsten Interessen den Vorrang zu geben, um dieser bedauerlichen Situation ein Ende zu setzen. Dies ist eine Situation, in der die Energien unserer beiden Länder vergeudet werden und die mit den Banden der Zuneigung und Brüderlichkeit zwischen unseren Völkern unvereinbar ist.

Marokko und Algerien sind mehr als nur zwei benachbarte Länder: Sie sind Zwillinge, die sich gegenseitig ergänzen.

Aus diesem Grund fordere ich Seine Exzellenz, den algerischen Präsidenten, auf, dass wir zusammenarbeiten, sobald er es für richtig hält, um die brüderlichen Beziehungen zu fördern, die unsere Völker in Jahren des gemeinsamen Kampfes aufgebaut haben.

Liebe Mitbürger (geliebtes Volk),

ich möchte die Gelegenheit dieses glorreichen Ereignisses nutzen, um unseren Königlichen Streitkräften, der Königlichen Gendarmerie, den nationalen Sicherheitskräften, den Hilfskräften und den Rettungsdiensten für ihren Einsatz und ihre ständige Mobilisierung unter meiner Führung zur Wahrung der Einheit und Souveränität der Nation und zur Erhaltung ihrer Sicherheit und Stabilität meine Anerkennung auszusprechen.

In tiefer Ehrfurcht möchte ich auch das Andenken an unsere ehrwürdigen Vorfahren für ihre Opfer ehren, insbesondere an meinen verehrten Großvater und Vater, Ihre verstorbenen Majestäten König Mohammed V. und König Hassan II. – mögen sie in Frieden ruhen – sowie das Andenken an die tapferen Märtyrer der Nation.

Gott, der Allmächtige, sagt: „Wenn Gott etwas Gutes in euren Herzen findet, wird er euch etwas Besseres geben“. Das Wort Gottes ist wahr.

Wassalamu alaikum warahmatullah wabarakatuh.“

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