Marokko – Truppenverlegungen an die Grenzen im Osten und Süden.

Marokko hat Algerien über Truppenbewegungen und möglichen Militäreinsatz informiert.

Militär
Marokkanisches Militär in Bewegung

Massive Truppenverlegungen in die Westsahara und an die Ostgrenze des Königreichs geben Anlass zur Besorgnis.

Rabat – Die Spannungen in der Westsahara drohen weiter zu eskalieren. Seit Monaten verstärkt sich der Konflikt zwischen Marokko und der Westsahara – Befreiungsfront Polisario. Nach Angaben Marokkos hat die Polisario das Waffenstillstandsabkommen von 1991 wiederholt unterlaufen und gebrochen. Zuletzt unterstellte Marokko der Polisario, das diese sich in der sog. Pufferzone, an der östlichen Grenze der Westsahara, unerlaubt festgesetzt hat, um quasi staatliche Strukturen rund um die Ortschaft Bir Lahlou aufzubauen.

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Unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich des Status des betroffenen Gebietes.

Bei dem Status der Region östlich des Verteidigungswalls besteht keine Einigkeit. Marokko bezeichnete diesen zwischen fünf und zehn Kilometer breiten Landstreifen als marokkanisches Hoheitsgebiet, das als Pufferzone dient. Die Polisario nennt dieses Gebiet „befreite Zone“. Die UNO unterscheidet nur zwischen östlichen und westlichen Gebieten vom Verteidigungswall und sah keinen aktuellen Handlungsbedarf. Marokko hat erst die UNO aufgefordert die Polisario zum Rückzug aufzufordern und hat gleichzeitig angedroht notfalls selbst gegen die Polsiario vorzugehen. Nun scheint Marokko alles für eine militärische Aktion vorzubereiten.

Marokko hat Algerien über Truppenbewegungen und möglichen Militäreinsatz informiert.

Nach exklusiven Informationen der Middle East Eye hat Marokko über diplomatische Kanäle Algerien darüber informiert, dass das Königreich militärisch gegen die Polisario vorgehen wird, sofern die Polisario sich nicht zurückzieht. Hintergrund der informellen Kommunikation sind zwei wesentliche Aspekte. Zum einen weiß Marokko um den Einfluss Algeriens auf die Polisario und um die Unterstützung der Befreiungsfront durch das maghrebinische Nachbarland. Algerien könnte, aus Sicht Marokkos, die Polisario dazu auffordern sich zurückzuziehen. Zum anderen geht es darum, militärische Missverständnisse zwischen Algerien und Marokko zu vermeiden. Algerien könnte sich durch militärische Aktivitäten in der Nähe der algerisch – marokkanischen Grenze bedroht fühlen. Mit Algerien und Marokko stehen sich unter Umständen die zwei stärksten Militärmächte in der Region gegenüber.

Marokko hat umfangreiche Truppenverlegungen vorgenommen.

Seit einigen Tagen verlagert Marokko Truppen an die östlichen und südlichen Grenzen des Königreichs. Nach Beobachtungen in der Bevölkerung wurden Raketenwerfer, Panzer und Truppentransporter verlegt. In der Region Er-Raschidia fanden Manöver des Militärs und der Luftwaffe statt. Während in der Region Nador/Oujda die vorhandenen Schienenwege genutzt wurden, wurden militärische Fahrzeuge auf der Autobahn Marrakech – Agadir beobachtet, die in Richtung Süden fuhren.

Marokko hat auch die Satellitenüberwachung der Region intensiviert. Bereits beim Besuch des Außenministers Bourita in New York wurden Satellitenbilder dem UN – Generalsekretär als Beweis vorgelegt. Zur Aufklärung kann davon ausgegangen werden, dass man die Beobachtung nochmals intensiviert hat.

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Urlaubssperre für Offiziere und Reservisten ausgesprochen.

Sollte es zu einer militärischen Intervention kommen, dann wird sie sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie marokkanische Medien berichten, hat die Militärführung eine Urlaubssperre für Militärangehörige und vor allem Offiziere verhängt. Darüberhinaus sollen Reservisten und Frühpensionäre gebeten worden sein, sich für eine Einberufung bereitzuhalten. Darüber hinaus fanden in den letzten Tagen mehrere Treffen unter Führung von Generalleutnant Abdelfattah Louarak statt. Sicherlich wurde über die aktuelle Lage beraten. Der Umfang der militärischen Vorbereitungen gibt Anlass zur Sorge. Anscheinend geht man im Königreich davon aus, dass es zu einem massiven Einsatz von Bodentruppen kommen wird. Auch das Operationsgebiet, so nahe an der Grenze zu Algerien, lässt in der gesamten Region die Nervosität steigen. Wenn es zu einem Vorgehen gegen die Polisario kommt, dann sicherlich an allen Fronten im Osten (Bir Lahlou) und Süden (Guerguerat).

Beginn der militärischen Operation unklar.

Die Anzeichen auf einen baldigen Beginn der drohenden Kampfhandlungen zwischen Marokko und der Polisario mehren sich. Es bleibt zu hoffen, dass sich alle Beteiligten besinnen und doch noch eine diplomatische Lösung gefunden wird. Noch scheint Zeit zu bestehen, denn der Beginn der militärischen Aktion ist noch unklar und auch Ultimaten wurden noch nicht ausgesprochen. Darüberhinaus befindet sich der Oberbefehlshaber der marokkanischen Streitkräfte, König Mohammed VI., nicht im Land. Prinzipiell ist es möglich, dass Marokko auch dann losschlägt, wenn sich König Mohammed VI. weiterhin zur Genesung in Frankreich befindet, doch es ist schwer vorstellbar, dass bei einer militärischen Konfrontation der König nicht in Marokko und an der operativen Spitze des Landes stehen würde. Es ist auch davon auszugehen, dass die diplomatischen Kanäle zwischen Algier, Moskau, Paris, Rabat und Washington intensiv genutzt werden. Dazu könnte die Anwesenheit des Königs in Paris hilfreich sein.

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