Marokko – Tunesische Ennadha Partei plädiert für Maghreb-Union ohne Marokko.

Ghannouchi stellt sich gegen Bemühungen Marokkos zur Wiederbelebung der Maghreb-Union.

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Ennahda
Quelle Facebook - Chef der Ennahda Partei Tunesiens - Rached Ghannouchi

Sprecher des tunesischen Parlaments und Chef der Ennadha-Partei lehnt Marokkos Beziehung zu Israel ab.

Tunis – Der Sprecher des tunesischen Parlaments und Chef der islam-konservativen Ennadha – Partei sprach in einem Radio-Interview über seine Position zur Maghreb-Union. Rached Ghannouchi löste damit in dieser Woche eine Kontroverse aus, nachdem er für eine Maghreb-Union plädierte, die nur Libyen, Algerien und Tunesien umfasst. Ghannouchi, der kürzlich Marokkos Entscheidung kritisierte, Beziehungen zu Israel aufzubauen, fordert damit eine Maghreb-Union ohne Marokko. Der tunesische Funktionär äußerte sich in einem Interview mit Radio Diwan FM zur Gesamtsituation in Nordafrika. In dem Interview forderte Ghannouchi vor allem die Wiederbelebung dessen, was er als das Dreieck der Arabischen Maghreb-Union bezeichnete, das Libyen, Algerien und Tunesien einschließt. „Dies sollte der Ausgangspunkt für die Wiederbelebung des Traums der Union des Arabischen Maghreb sein, die helfen wird, die Probleme Tunesiens zu lösen“, argumentierte er.

Enge Beziehungen zwischen Tunis und Algier hervorgehoben.

Ghannouchi forderte, dass die Entwicklung der Maghreb-Union die Öffnung der Grenzen zwischen den drei Ländern beinhalten sollte, um eine gemeinsame Zukunft für die Maghreb-Länder zu schaffen. Er forderte auch die Vereinheitlichung der Währungen der Länder. Da die drei Nationen gemeinsame Interessen und Herausforderungen haben, müssen sie auch eine gemeinsame Zukunft entwickeln, plädierte er. Ghannouchi drückte seine Zufriedenheit mit den Beziehungen zwischen Tunis und Algier aus und sagte, die Beziehungen seines Landes zur Regierung von Abdelmadjid Tebboune seien „ausgezeichnet“.

Wiederholter Versuch der Ausgrenzung von Marokko durch Ghannouchi

Der Chef der tunesischen islam-konservativen Ennadha – Partei, die hinsichtlich der Ideologie eigentlich der marokkanischen Regierungspartei PJD nahesteht, versucht das Königreich Marokko nicht zum ersten Mal auszugrenzen. Nachdem Marokko und Israel im Dezember letzten Jahres ihre Beziehungen „normalisiert“ hatten, bezeichnete Ghannouchi die geschlossenen Abkommen als Verstoß gegen den arabischen Konsens. Er sagte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Sputnik, sein Land sei „schockiert über diesen Schritt, der dem arabischen Konsens widerspricht, wie er in der arabischen Friedensinitiative zum Ausdruck kommt.“

islam-konservative
Quelle Facebook – Premierminister Marokkos, Dr. Saad-Eddine El Othmani (li.) und Parlamentspräsident Tunesiens Rashed Ghannouchi

Ghannouchi stellt sich gegen Bemühungen Marokkos zur Wiederbelebung der Maghreb-Union.

Marokko hatte eigentlich wiederholt die Zusammenarbeit mit Tunesien gesucht, um die Maghreb-Union wiederzubeleben. Seit Jahrzehnten liegt der Prozess am Boden, da die beiden Nachbarländer Algerien und Marokko zerstritten sind. Das nordafrikanische Land versucht seit der Thronbesteigung von König Mohammed VI. die Maghreb-Union wiederzubeleben. Inspiriert durch die Zielsetzung der Europäischen Union hofft das Königreich, dass die Maghreb-Union dabei hilft, wirtschaftliche Vorteile zu erschließen und sich zugleich daraus ein Friedensprojekt für Nordafrika entwickelt, vor allem um das kostspielige Wettrüsten mit Algerien beenden zu können.
„Wir sind optimistisch und hoffnungsvoll, dass wir für die Erfüllung der Bestrebungen der maghrebinischen Völker nach Einheit, Zusammenarbeit und Integration arbeiten können“, sagte König Mohammed VI. während einer Rede zum 20. Jahrestag der Thronbesteigung des Monarchen im Jahr 2019. Zugleich forderte der marokkanische König Algerien zu einem direkten Dialog auf, um alle Probleme aus dem Weg zu räumen. Doch bisher wurden alle Bemühungen zurückgewiesen.

Maghreb-Union
Mitglieder der Maghreb-Union – Algerien, Mauretanien, Marokko, Libyen, Tunesien

Tunesien in wirtschaftliche Abhängigkeit zu Algerien.

Die Position des Chefs der tunesischen Ennadha – Partei ist beeinflusst, durch die grundsätzliche Haltung der Muslimbruderschaft zu Israel. Die Ennadha – Partei steht der Ideologie der Muslimbrüder sehr nahe. Sie lehnen den israelischen Staat grundsätzlich ab.

Hier sind sie politisch eigentlich im Gleichklag mit der marokkanischen Regierungspartei PJD, unter der Leitung von Regierungschefs El Othmani, doch in Marokko zählt abschließend die Stimme des Königs und er sah die Chance die territoriale Integrität, durch die Anerkennung der Westsahara als Teil des Hoheitsgebiets des Königreiches durch die USA, zu stärken. Zugleich versicherte er, dass man das Engagement für die Palästinenser und einer Zwei-Staatenlösung fortführen wird.
Jetzt gilt es abzuwarten, ob die Position der Ennadha auch die Position Tunesiens wird und man sich von Marokko distanziert. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von Algerien ist groß. Man bezieht einen Großteil seiner Energie aus dem Nachbarland, zahlreiche Touristen kommen aus dem Osten Algeriens und hinsichtlich der COVID-19 Pandemie hofft man auf Impfstofflieferungen aus Russland über den Nachbarn.

Das gesamte Interview:

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