Marokko – Tunesischer Premierminister in Marokko

Hochrangige Vertreter aus Politik und Finanzwesen in Casablanca.

Premierminister Youssef Chahed
Tunesischer Premierminister zum Arbeitsbesuch in Marokko

Youssef Chahed zum Arbeitsbesuch in Marokko eingetroffen.

Marrakech – Der tunesische Premierminister Youssef Chahed ist zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch in Marokko eingetroffen. Am heutigen Montag, den 29. Januar 2018, findet in der marokkanischen Metropole Marrakech eine hochrangig besetzte Wirtschaftskonferenz statt. Eingeladen hatten der Internationalen Währungsfonds (IWF), der Arabischen Währungsfonds (AMF) und der Arabische Fonds für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (AFESD).

Hochrangige Vertreter aus Politik und Finanzwesen in Casablanca.

An der Sitzung werden u.a. IWF-Geschäftsführerin Christine Lagarde, Abdelatif Al-Hamad, Exekutivdirektor des Arabischen Fonds für wirtschaftliche und soziale Entwicklung und Abdelrahman Al-Houmeidi, Geschäftsführer des Arabischen Währungsfonds, teilnehmen. Sie vertreten die internationale Finanzwelt. Ziel dieser Konferenz ist es, das Wachstum in der arabischen Welt zu diskutieren. Motto der Konferenz ist: „Chancen für alle – Förderung des Wachstums, Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten und Verbesserung der Integration in der arabischen Welt“. Von seiten Marokkos ist bekannt, dass der Chef der Bank Al Magrib, Abdellatif Jouahri, teilnehmen wird, der sich bereits am gestrigen Sonntag mit Frau Lagarde getroffen hatte.

Abdellatif Jouahri
Chritine Jagader (IWF) und Abdellatif Jouahri (Bank Al Magrib) in Marrakech Quelle Twitter

Treffen des tunesischen Premierminister mit marokkanischem Amtskollegen geplant.

Im Laufe seines Besuches in Marokko wird sich, nach nicht offiziell bestätigten Meldungen, der tunesische Premierminister auch mit seinem marokkanischen Amtskollegen Saad Eddine El Othmani treffen. Dieser reist frisch vom Gipfel der Afrikanischen Union zurück, auf dem er König Mohammed VI. vertreten hat. Der tunesische Premierminister hatte Marokko letztmalig im Juni 2017 besucht.

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Im Juni letzten Jahres fanden die marokkanischen – tunesischen Regierungskonsultationen statt. Dabei wurden zahlreiche Absichtserklärungen und Abkommen unterzeichnet.

Eine feste Agenda scheint es für die beiden Regierungschefs dieses Mal nicht zu geben, obwohl beide ähnliche Sorgen plagen. Sowohl in Tunesien als auch in Marokko zeigt sich die Bevölkerung zunehmend ungeduldig, hinsichtlich der eingeleiteten Reformen und der wirtschaftlichen Entwicklung, was sich in Protesten und Unruhen ausdrückt.

Wirtschaftliche Entwicklung im Maghreb sehr unterschiedlich.

Lässt man mal die diffuse Lage in Libyen unberücksichtigt und betrachtet man nur Algerien, Marokko und Tunesien, so ringen alle drei Länder um eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Alle drei Vertreter der Finanzwirtschaft sehen im Maghreb Licht und Schatten.

Algerien

Unter den drei Staaten ist, rein gemessen am BIP (Brutto Inlandsprodukt), Algerien die größte Volkswirtschaft. Doch das täuscht. Algeriens Wirtschaft basiert hauptsächlich auf dem Export von Öl und Gas. Die Wirtschaft ist nur wenig diversifiziert und sie weist eine sehr hohe Staatsquote auf. Das algerische Warenangebot besteht zu einem sehr hohen Anteil aus Importgütern, was sich in Zeiten relativ niedriger Rohölpreise am Weltmarkt, negativ auf die Außenhandelsbilanz auswirkt. Reformen und Investitionen sind nötig, um sich breiter aufstellen zu können. Doch zum einen fehlt das Geld und zum anderen fehlt an oberster Stelle der Reformwillen.

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Marokko

Marokko ist zwar breiter aufgestellt und erfreut sich seit vielen Jahren an einem stetigen Wirtschaftswachstum, doch dieses reicht nicht aus um den Staatshaushalt aus den roten Zahlen zu bekommen. Marokko hat für sich das Geschäftsmodell als Drehscheibe und Tor zu Afrika entdeckt sowie sich China und Russland angenähert, nach dem Europa sich praktisch, nach der Finanzkrise, abgewendet hat. Aus Sicht der drei Vertreter der Finanzwirtschaft gilt Marokko noch als Musterland im Maghreb, nicht zuletzt, weil das Königreich seine Landeswährung mehr der Bewertung durch den Devisenhandel geöffnet hat. Die Wechselkursliberalisierung war eine der Forderungen des IWFs für die Zuteilung von neuen Krediten.

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Tunesien

Tunesien gerät zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Durch Terroranschläge ist der so wichtige Tourismus eingebrochen und erholt sich nur langsam, die Inflation ist hoch und die Devisenreserven schmelzen dahin. Anders als Algerien hat Tunesien keine signifikanten Rohstoffe anzubieten und auch kein Geschäftsmodell bzw. keine wirtschaftliche Strategie entwickelt. Hinzu kommt der destabilisierte Nachbar Libyen.

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