Marokko – Unabhängigkeit der Westsahara für USA keine Option.

Marokko bietet Autonomie für die Westsahara.

399
Washington
links - Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita und rechts - US-Außenminister Mike Pompeo

Königreich sieht sich in seinen Standpunkten durch die USA unterstützt.

Washington D.C. – Die USA sind davon Überzeugt, dass eine vollständige Unabhängigkeit der Westsahara den Konflikt in der Region nicht lösen würde. Wie die amerikanische Tageszeitung Wall Street Journal WSJ am vergangenen Wochenende berichtet hat, haben US – Beamte, in vertraulichen Gesprächen mit marokkanischen Diplomaten sowie internationalen Vermittlern, deutlich gemacht, dass man die Position Marokko unterstütze. Die USA sind deutlich gegen die Schaffung eines unabhängigen Staates in der Westsahara, berichtet die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 11. August 2019 weiter. „Beamte, die an den Gesprächen beteiligt sind, sagten, dass die USA deutlich gemacht haben, dass Washington einen Plan, der zu einer neuen afrikanischen Nation führt, nicht unterstützen wird“, fügt das Blatt hinzu. Laut WSJ hat Marokko sich kritisch zur Haltung des Sicherheitsberaters Bolten geäußert, der Marokko im UNO – Sicherheitsrat unter Druck setzen lies.

MINURSO – Mission dient alleine der Beobachtung

Die US-Administration unter Donald Trump ist mit der MINURSO – Mission, die den Waffenstillstand zwischen dem Königreich und der Polisario-Front beobachten und sichern soll, unzufrieden. Insbesondere der US-Sicherheitsberater Bolten, unter dessen Amtszeit als US – UNO Botschafter und im Zusammenhang des James Backer Plans II 2003 die Beobachtermission ins Leben gerufen wurde, zeigte sich enttäuscht über den Fortbestand des Konflikts. Im Sinne der Deal-Strategie hatten die USA darauf gedrängt, dass die Konfliktparteien, unter Vermittlung des UNO – Sonderbeauftragten Dr. Köhler, eine Verhandlungslösung anstreben sollten. Marokko nutzte diese Haltung, um sowohl Algerien als auch Mauretanien zur Teilnahme an Gesprächen zu drängen. Obwohl man sich in Rabat über die verkürzten Mandate der MINURSO – Mission auf nur noch sechs Monate, statt wie bisher 12 Monate, verärgert zeigte, scheint man jetzt, als engster Verbündeter der USA in Nordafrika, letztendlich die eigene Sichtweise in Washington gestärkt zu haben.

Marokko hat wirkungsvolle Strategien gegen die USA entwickelt.

Die Haltung der USA kommt nicht von ungefähr. Das Königreich ist auf die Unterstützung der USA angewiesen. Die USA sind der wichtigste Partner für die Sicherheitspolitik und Lieferant von Rüstungsgütern. Aber auch die USA können nicht nach Belieben mit Marokko umspringen. Ohne die Kooperation Rabats hätten die USA keinen Zugriff auf Nordafrika und keinen Gegenpol für das eher mit Russland kooperierende Algerien.

Marokko – Anfrage nach Militärflugzeugen bei den USA eingegangen.

Dazu sind Marokkos Geheimdienste sehr erfolgreich, bei der Beobachtung des radikal-islamistisch motivierten Terrorismus. Die Erkenntnisse Marokkos waren mehrfach hilfreich, bei der Verhinderung oder Aufklärung von Terroranschlägen. Das Königreich ist bestens in der politischen Landschaft der USA vernetzt und hat enge Kontakte zu den Konfliktparteien im Nahen-Osten.

Frankreich als Gegenkraft im UNO – Sicherheitsrat

Zugleich hat Marokko einen zweiten engen Unterstützer im UNO – Sicherheitsrat mit Vetorecht. Die Atommacht Frankreich hat sich ebenfalls klar hinter Marokko gestellt, so dass angestrebte US – Resolutionen, mit zu einschränkender Wirkung auf Marokko, durch Paris blockiert werden könnten. Wegen der Westsahara will man in Washington Rabat und Paris nicht unnötig verärgern. Paris ist auf Marokko ebenfalls angewiesen. Für Frankreich ist das Land nicht nur ein wichtiger Handels- und Wirtschaftspartner, sondern ein nicht gerade kleiner Teil der Bevölkerung stammt aus Marokko. Dazu etabliert sich Marokko als wichtiger Produktionsstandort französischer Großkonzernen, an denen Paris teilweise beteiligt ist.

Marokko bietet Autonomie für die Westsahara.

Marokko bietet eine Autonomie für die Westsahara, als Teil des Königsreiches. Die territoriale Integrität Marokkos steht in der marokkanischen Politik nicht zur Diskussion. Die Westsahara ist wichtig für die marokkanische Wirtschaft, insbesondere für die Fischereiabkommen mit der EU und für den Phosphatabbau.

König
Rede von König Mohammed VI. vor der Afrikanischen Union

Zugleich ist sie die politische Achillesferse, die die Integration in die afrikanische Staatengemeinschaft Jahrzehnte behindert hat. Auch jetzt bezeichnen viele Staaten Afrikas und Südamerikas Marokko als letzte Kolonialmacht des Kontinents, obwohl immer mehr Staaten, zugunsten von Wirtschaftsbeziehungen, ihre Haltung überdenken. Hauptkonfliktpartei ist das Nachbarland Algerien, dass als wichtigster Unterstützer der Polisario-Front gilt und ein Interesse daran hat, den Rivalen im Westen zu schwächen, unter anderem, indem man Marokko dazu zwingt, enorme Investitionen in die Rüstung zu tätigen. Der Konflikt behindert auch die Entwicklung einer politischen und wirtschaftlichen Maghreb-Union zwischen Algier, Rabat und Tunis.

Kein Nachfolger für Dr. Köhler benannt.

In den letzten zwei Jahren hatte sich der UNO – Sondergesandter für die Westsahara, Bundespräsident a.D. Dr. Horst Köhler, für die Aufnahme von Gesprächen eingesetzt. Durch den Druck der USA und durch eine geschickte und von persönlichen Gesprächen geprägte Diplomatie schaffte er es, neben Marokko und der Polisario auch Algerien und Mauretanien zu direkten Gesprächen an einen Tisch zu bringen. Anfang des Jahres musste er, nach Angaben der UNO, aus persönlichen Gründen sein Mandat zurückgeben.

Köhler
Dr. Horst Köhler – Premierminister El Othmani – Außenminister Bourita

Das Mandat für die aktuelle MINURSO – Mission endet in wenigen Wochen und bisher wurde kein Nachfolger für Dr. Köhler benannt. Die Zeit arbeitet für Marokko. Das Königreich nutzt die Zeit, um durch bilaterale Gespräche und Abkommen mit bisherigen Unterstützern der Polisario, die eigene Position zu stärken. Die jetzt öffentlich gewordene Haltung der USA kann als Erfolg für König Mohammed VI. und seinen Außenminister Nasser Bourita gewertet werden.

Empfohlener Artikel