Marokko – Verlängerung des Gesundheitsnotstands

Regierung verlängert Gesundheitsnotstand um 21 Tage.

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Premierminister
Marokkanischer Premierminister Dr. Saad-Eddine El Othmani im Parlament mit Schutzmaske

Premierminister gibt im Parlament bekannt, daß die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Coronavirus – Pandemie bis zum 11. Juni verlängert werden.

Rabat – Seit Tagen wird über das weitere Vorgehen der marokkanischen Regierung spekuliert. Der bis zum 20. Mai 2020 geltende Gesundheitsnotstand, der unter anderem aus einer Ausgangssperre und einer Maskenpflicht besteht, gehört zu einem der umfangreichsten im internationalen Vergleich. Im Kampf gegen die Coronavirus – Pandemie hat das Land große Schäden für die heimische Wirtschaft hingenommen und die Verschärfung der prekären Situation für tausende von Menschen im sogenannten informellen Sektor im Kauf nehmen müssen. Hinzu kommen umfangreiche Eingriffe in freiheitliche Bürgerrechte und Nachteile für die Bildung von jungen Menschen. Entsprechend schwerwiegend ist die heutige Entscheidung, den Gesundheitsnotstand zu verlängern.

Regierung verlängert Gesundheitsnotstand um 21 Tage.

In seiner Ansprache vor dem marokkanischen Parlament, die im Nachrichtenkanal M24, der marokkanisch – staatlichen Nachrichtenagentur MAP, live übertragen wurde, verkündete der marokkanische Premierminister heute die Verlängerung des Gesundheitsnotstands, um voll 21 Tage und damit über das Ende des für Muslime heiligen Monat Ramadan hinaus. Ein Umstand der allen Beteiligten sicherlich nicht einfach gefallen ist, weil damit auch das fest zum Ende des Ramadan nur sehr eingeschränkt begangen werden kann. Wie marokkanische Medien im Vorfeld berichteten, gab es im Kabinett teils kontroverse Diskussionen. So haben wirtschaftsnahe Minister eine Aufhebung oder zumindest weitreichende Lockerung der Einschränkungen gefordert. Wie das Nachrichtenportal Le360 aus Quellen, sowohl unter den Regierungsmitgliedern, Abgeordneten, Fachleuten und hochrangigen Beamten der PJD sowie anderer politischer Parteien, erfahren haben will, stehen Premierminister Dr. El Othmani, Innenminister Abdelouafi Leftit und Gesundheitsminister Prof. Khalid Aït Taleb – letzterer hat die Verantwortung für die nationalen Strategie zur Bekämpfung von Covid-19 hat – „einer baldigen Lockerung negativ gegenüber“.

Neuinfektionen vor allem in Ballungszentren.

Dabei kommen die aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums zutragen, nach denen es zuletzt 129 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gegeben hat. Einzig positive ist, dass es bereits einige Provinzen im Land gibt, in denen es seit einigen Tagen weder Neuinfektionen gegeben hat, noch aktuell COVID-19 Patienten behandelt werden müssen. Hauptsächlich melden die Ballungszentren Casablanca – Settat, Marrakech – Safi und Fés – Meknés Neuinfektionen an das Gesundheitsministerium in Rabat. „Mit der Entscheidung, eine neue Verlängerung der Eindämmungsmaßnahmen einzuführen, will die Regierung das Auftreten weiterer Ausbrüche von Covid-19-Kontaminationen vermeiden, die insbesondere während der Eid-el-Fitr-Feierlichkeiten auftreten könnten“, so eine nicht weiter genannte Quelle gegen Le360, die an den vorbereitenden Sitzungen der Regierungspartei PJD teilgenommen haben soll.

Marokko – 129 neue bestätigte Infektionsfälle mit SARS-COV 2

Regierung will schlimmeres verhindert haben.

Die erneute Verlängerung des Gesundheitsnotstands in Marokko wäre die zweite, seit Ausbruch der Coronavirus SARS-COV 2 Pandemie im nordafrikanischen Königreich. Bereits am 20. April hatte die Regierung die umfangreichen Eindämmungsmaßnahmen bis zum 20. Mai 2020 verlängert und sogar während des Ramadans eine nächtliche vollständige Ausgangssperre eingeführt.

In seiner Rede vor dem Parlament erläuterte der Premierminister Dr. El Othmani nochmals die Situation, vor der die Regierung seit Ausbruch der Pandemie in Marokko gestanden hat, und unter welchen Unsicherheiten Entscheidungen getroffen werden mussten. Bei den Entscheidungen stand stets das Leben und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt, gemäß den Anweisungen von König Mohammed VI., so der Premierminister. Nach Angaben des Premierministers haben die Eindämmungsmaßnahmen das Land vor weit schlimmeren bewahrt. „Experten zufolge hat Marokko 300.000 bis 500.000 Infektionsfälle und 6.000 sog. intensivmedizinische Behandlungen vermieden. Marokko hat zudem fast 10.000 Todesfälle vermeiden können. Das wären 6.000 Neuinfektionen sowie durchschnittlich 200 Todesfälle pro Tag seit Anfang März gewesen.

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