Proteste in Al Hoceima nach dem Tod eines Fischhändlers.

Tod eines 31-jährigen Fischhändlers nach Kontrolle löst Proteste in Al Hoceima aus.

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Proteste in Al Hoceima nach dem Tod eines Fischhändlers.
Proteste in Al Hoceima nach dem Tod eines Fischhändlers.

Tod eines 31-jährigen Fischhändlers nach Kontrolle löst Proteste in Al Hoceima aus.

Al Hoceima – Proteste in der Küstenstadt beschäftigen Marokko in diesen Tagen. In den letzten beiden Tagen und Nächten protestierten die Bürger von Al Hoceima und beklagen den Tod des 31-jährigen Fischhändlers Mohsen Fikri. Er starb in der Hydraulikpresse eines Müllwagens nach einer Kontrolle seines Verkaufsstandes durch das Amt für Fischereiwesen. Das regionale Fischereiamt hat den Fischstand des Familienvaters kontrolliert und die handelnden Beamten sollen die Beendigung seiner Tätigkeit und die sofortige Vernichtung seiner Ware an Ort und Stelle angeordnet haben. Sein Fischbestand und der anderer Händler, sollte vor Ort, mit Hilfe eines Mülltransporters, entsorgt werden. Nach noch unbestätigten Informationen soll Mohsen Fikri versucht haben, alleine oder mit anderen gemeinsam, seine Fische aus dem Mülltransporter zu retten und sprang in den offenen Müllwagen. Gleichzeitig soll ein Beamter der Fischereibehörde den Müllfahrer angewiesen haben die Müllpresse des Transporters in Gang zu setzen. Der Familienvater konnte sich wohl nicht mehr rechtzeitig aus dem Transporter retten und wurde durch die hydraulische Presse tödlich verletzt. Der genaue Hergang soll nun Gegenstand einer Untersuchung sein.

Regionalregierung unter Druck.

Der Tod des Fischers löste Proteste in der Hafenstadt aus und setzt die Regionalregierung unter Druck.  Das in den sozialen Netzwerken kursierende Foto des Opfers, heizt die Stimmung nochmals an.

Proteste in Al Hoceima
Fischhändler Mohsen Fikri Tod in im Mülltransporter

Schnell kam der Verdacht auf, dass der Familienvater Opfer behördlicher Willkür geworden ist und seine Ware vernichtet wurde, weil er nicht bereit war Bestechungsgelder zu zahlen. Damit wäre die weit verbreitete Korruption schuld am Tod von Mohsen Fikri. Die Behörde weist dies zurück und begründet die angeordnete Vernichtung der Fische damit, das Mohsen Fikri Vorschriften verletzt habe.

Der Gouverneur der Region Al Hocemia Mohammed Zher stellte sich, laut morocworldnews, noch in der Nacht den Demonstranten. Er drückte der Familie des Opfers öffentlich sein Mitgefühl aus. Gleichzeitig griff er die Forderung der Demonstranten, nach einer umfassenden Aufklärung, auf. Er informierte sie darüber, dass der Chef der Fischereibehörde entlassen wurde. Der Staatsanwalt sicherte zu, dass die nun anstehende Untersuchung der Ereignisse transparent und unter Wahrung der geltenden Gesetze stattfinden wird. In einem Video, das ebenfalls in den sozialen Netzwerken kursiert, ist die Diskussion des Gouverneurs und des zuständigen Staatsanwaltes mit den Demonstranten zu sehen. Die Äußerung des Staatsanwaltes, dass man sich an geltendes Recht halten würde, löste eine Diskussion mit einem Bürger aus, der seine Zweifel in dem Video deutlich zum Ausdruck bringt.

 

Die Zentralregierung in Rabat hat sich zu den Ereignissen in der Küstenstadt Al Hoceima noch nicht geäußert, was bereits zu Kritik an Benkirane führt.

Regierung sollte die Proteste ernst nehmen.

Die marokkanische Regierung tut gut daran, die Ereignisse nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der König selbst wies in seiner Rede an das Parlament Anfang Oktober darauf hin, dass Korruption weiterhin weit verbreitet ist und die Entwicklung des Landes hemmt – maghreb-post berichtete. Gerade für kleine Händler und Tagelöhner ist die Lage schwierig, da sie, um zu überleben, die gesetzlichen Vorgaben nicht immer einhalten können und damit korrupten Beamten schutzlos ausgesetzt sind. Eine nicht selten empfundene Ungerechtigkeit, die auch in der übrigen Bevölkerung meist gut nachempfunden wird. Die Erfahrungen der Menschen mit Behörden im Alltag, haben zu einer großen Frustration geführt, welche gerade in der sehr jungen Bevölkerung Marokkos, weit verbreitet ist.

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass behördliche Willkür und Korruption zum Tod des Fischers und Familienvaters Mohsen Fikri geführt haben, dann wird dies sicherlich zu weniger friedvollen Protesten führen. Man fühlt sich unwillkürlich an die Ereignisse in Tunesien 2011 erinnert, wo ein vermeintlich kleines Ereignis, die Beschlagnahmung eines Obst-Standes und die daraus folgende Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi, zu großen Umruhen und zum Sturz des Tunesischen Diktators Ben Ali geführt hat.

Entsprechend zeigt die marokkanische Regionalregierung Präsenz auf höchster Ebene. Damit soll vermittelt werden, dass man die Menschen auf der Straße ernst nimmt. Gleichzeitig hält sich die Zentralregierung noch mit Kommentaren zurück, damit die Ereignisse in Al Hoceima regional begrenzt wirken.

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