Rede von König Mohammed VI. auf dem 1. Gipfeltreffen der Staatschefs der Kongobecken-Klimakommission

König Mohammed VI. hielt am gestrigen Sonntag in Brazzaville eine Rede auf dem ersten Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Klimakommission des Kongobeckens und des „Blue Fonds“.

Auftakt der Zusammenarbeit zur ökonomischen und ökologischen Reorganisation der Region Kongo.

Brazzaville – König Mohammed VI. hielt am gestrigen Sonntag in Brazzaville eine Rede auf dem ersten Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Klimakommission des Kongobeckens und des „Blue Fonds“.

Das Video zeigt die original Rede in französischer Sprache. Die Rede steht bei der marokkanisch-staatlichen Presseagentur MAP im französischen Original zur Verfügung.

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Hier folgt der vollständige Text der Rede in deutscher Sprache nach bestem Wissen von Maghreb-Post erstellt:

„Gelobt sei Gott.
Friede und Segen sei mit dem Propheten, seinen Gesandten und Nachkommen

Eure Exzellenz Denis Sassou-Nguesso, Präsident der Republik Kongo,
Eure Exzellenz, Herr Paul Kagame, Vorsitzender der Afrikanischen Union,
Eure Exzellenzen, die Staats- und Regierungschefs,
Eure Exzellenz, der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union,

Meine Damen und Herren,

Zunächst möchte ich den vielen Staatschefs herzlich danken, die sich trotz der zahlreichen und langfristigen Verpflichtungen (Anm. Terminen) bereiterklärt haben, auf meine Anregung hin, ihre Termine zu ändern, um hier bei uns zu sein, um an diesem wichtigen Gipfel teilzunehmen und ihm die gebührende kontinentale Dimension zu verleihen.

Ich möchte auch unserem verehrten Gastgeber, dem Präsidenten der Republik Kongo, Seiner Exzellenz Denis Sassou-Nguesso, dafür danken, dass er uns hier im Herzen Zentralafrikas zu einem großen Projekt versammelt hat. Es ist ein Pilotprojekt, das vielversprechende Perspektiven für das Kongobecken, für die Region und für unseren Kontinent bietet.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Afrika hat sich unwiderruflich auf den Weg zu einem tiefgreifenden Wandel begeben. Mit jedem Tag setzt sich unser Kontinent mehr und mehr durch und blickt zuversichtlich und gelassen in die Zukunft. Und ja, wir wissen, dass es viele Herausforderungen gibt. Sicherlich ist die wichtigste davon heute, wie man die Notwendigkeit der Entwicklung auf unserem Kontinent mit dem Erwachen des ökologischen Bewusstseins in Einklang bringen kann.

Unser Treffen heute klingt wie ein dringender Weckruf für uns alle. Es ist von entscheidender Bedeutung für unseren Kontinent, ja für die Menschheit, weil es ein kollektives Bewusstsein für die verheerenden Auswirkungen der globalen Erwärmung auf den Planeten impliziert.

Wir tragen eine kollektive Verantwortung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt Afrikas. Die Schädigung dieses gemeinsamen Erbes hat weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen und schadet der sozioökonomischen Entwicklung, der von ihm abhängigen Gemeinschaften.

Das Kongobecken steht dabei im Mittelpunkt. Dies ist die weltweit zweit wichtigste Region für die globale Kohlenstoffspeicherung (CO2) und das zweitgrößte Flussgebiet. Es ist auch eines der größten Waldgebiete der Erde – eine Region, in der mehr als die Hälfte der Tierarten des Kontinents leben.

Dieser Klimaregulator macht Afrika zur „zweiten Lunge“ der Welt. Hier und jetzt wird die Zukunft dieses lebenswichtigen Gutes gestaltet.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Auf der COP22 (Anm.: Weltklimakonferenz), die im November 2016 in Marrakesch stattfand, haben wir Afrika einen Ehrenplatz eingeräumt. Um der Afrika eingeräumten Priorität Nachdruck zu verleihen, habe ich die Einberufung des ersten afrikanischen Aktionsgipfels am Rande der COP22 betont. Das Motto dieses Gipfels war das gemeinsame Auftreten Afrikas. Da wir die Arbeiten des Gipfels praktisch und operativ gestalten wollten, haben wir drei sub-regionale Kommissionen eingesetzt:
Die Sahel-Kommission unter dem Vorsitz der Republik Niger,
die Kommission der Inselstaaten unter dem Vorsitz der Republik Seychellen und
die Kongobecken-Kommission unter dem Vorsitz der Republik Kongo.

Dank der Führung von Präsident Denis Sassou-Nguesso hat die Kongobecken-Kommission greifbare Fortschritte, bei der Umsetzung der klimatischen Herausforderungen in der Region, erzielt.

Seit dem afrikanischen Aktionsgipfel sind mehrere Schritte unternommen worden. Der „Blue Fond“ wurde im März 2017 in Oyo gegründet. Die operativen Maßnahmen wurden im November 2017 in Brazzaville vereinbart und die Umsetzung des Projekts wurde im März 2018 in Rabat, während einer Sitzung über das Mandat der vorbereitenden Studien des „Blue Fond“, beschleunigt.

Während des gesamten Prozesses hat sich das Königreich Marokko hinter dieses ehrgeizige Projekt gestellt, um seinen Erfolg zu sichern, wobei es sich auf das Fachwissen stützt, das mein Land bei der Bekämpfung des Klimawandels erworben hat.

Ich habe mich entschieden, dieses Programm zu unterstützen, weil es auf einem neuen Paradigma basiert, das aktuelle und zukünftige Bedürfnisse erfüllt. Im Mittelpunkt stehen integrierte, integrative und solidarische Programme der neuen blauen und grünen Volkswirtschaften.

Diese Entscheidung wird auch durch die menschliche Dimension gerechtfertigt, die ein zentraler Bestandteil des Projekts ist. In der Tat ist ein integrativer, partizipativer Ansatz, der die Bewohner der Region einbezieht, unerlässlich.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

geleitet von einem brüderlichen Geist und afrikanischer Solidarität haben wir uns versammelt, um eine positive Dynamik zu entfesseln. Es geht um nichts Geringeres, als um die Erhaltung und Entwicklung eines wertvollen afrikanischen Erbes; dem Kongo-Fluss. Das sind wir den 200 Millionen Afrikanern im Kongobecken schuldig, das sind wir unserem Kontinent schuldig.

Die Einrichtung des „Blue Fond“ muss Hand in Hand gehen mit der Mobilisierung von Wirtschaftsakteuren und zivilgesellschaftlichen Organisationen, damit konkrete Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden können, um eine klimaverträgliche Entwicklung zu gewährleisten.

Die Finanzierung ist die größte Herausforderung, bei der Umsetzung des Projekts. Wir müssen innovativ sein und Mechanismen entwickeln, die uns helfen, finanzielle Ressourcen zu identifizieren und aufzubringen. Wir müssen bilaterale- und multilaterale Geber – öffentliche wie private – von der Relevanz des Projekts überzeugen. Der „Blue Fond“ wird unweigerlich eine positive Dynamik auslösen, die die Wirtschaft der Mitgliedstaaten ankurbeln und fördern wird.

Ich denke dabei insbesondere an Maßnahmen zur Verbesserung der Binnenwasserstraßen, zur Entwicklung von Binnenhäfen, zur Förderung nachhaltiger Fischereipraktiken, zur Bekämpfung der Gewässerverschmutzung, zur Verbesserung der Bewässerungssysteme, insbesondere zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität. Diese neue wasserorientierte Wirtschaft wird der Haupttreiber der Entwicklung sein.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

neben den Folgen des Klimawandels können Nahrungsmittelknappheit und schwindende Wasserreserven zu erheblichen Migrationsströmen führen, Staaten schwächen und Unsicherheit schaffen. Wie ist es möglich, dass auf einem Kontinent, der mehr als 5.000 Milliarden Kubikmeter Wasser in seinen Gewässern hat, 320 Millionen afrikanische Männer und Frauen immer noch keinen Zugang zu Trinkwasser haben? Was diese alarmierende Realität umso gravierender macht, ist, dass der Klimawandel in den kommenden Jahren zu Bodenerosion und Wasserknappheit führen wird. Die 25.000 Quadratkilometer Wasserstraßen werden dann der Gefahr der Verschlammung und Verschmutzung ausgesetzt sein. Die kollektive Mobilisierung ist entscheidend und dieser Gipfel zeigt, dass es möglich ist.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

um der Herausforderung der Entwicklung des Kongobeckens gerecht zu werden, müssen wir eine kooperative Dynamik für eine nachhaltige Entwicklung in Gang setzen, nicht nur auf der Ebene der Anrainerstaaten, sondern auch auf dem gesamten Kontinent. Wenn wir die beiden Lungen des Planeten schützen wollen, muss diese Herausforderung zu einem gemeinsamen Ziel werden, das von Afrika und der Welt genährt wird. Die natürlichen und ökologischen Ressourcen unseres Kontinents machen ihn zu einem der wichtigsten Global Player; seine riesigen Becken und Flüsse beherbergen einen unschätzbaren Reichtum; Wasser oder das „blaue Gold“. Da es ein knappes Gut geworden ist, wird Wasser immer begehrter. Seien wir uns unseres Reichtums und unserer Innovationsfähigkeit bewusst. Lassen Sie uns unsere Energien bündeln und unseren Mut aufbringen.

Wir würden nicht nur alle Herausforderungen meistern, sondern auch zeigen, dass Länder, die gemeinsam den gleichen Traum verfolgen, von der gleichen Vision geleitet sind, wissen, wie sie handeln und sich selbst übertreffen können, um einen einheitlichen Kontinent zu schaffen – einen Kontinent, der stolz auf seine vielen Identitäten und seine Wurzeln ist, einen Kontinent, der entschlossen auf dem Weg zum Fortschritt ist.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

bei der Aufgabe das Afrika der Zukunft aufzubauen, ist der Umweltschutz ein oder der Eckpfeiler des afrikanischen Miteinanders. Es ist das Fundament, auf dem das integrative Wirtschaftswachstum des Kontinents aufbauen wird. Wir müssen gemeinsam gegen die globale Erwärmung und ihre Risiken vorgehen und unsere Volkswirtschaften umgestalten, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Unsere heutige Anwesenheit zeugt von unserer Entschlossenheit, diese Fragen in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen. Wir sind entschlossen, konkrete Initiativen zu ergreifen, die dazu beitragen können, die Rechte künftiger Generationen zu schützen. Das Königreich Marokko wird sich entschlossen und unermüdlich für die Umsetzung der großen Entwicklungsprojekte des Kontinents einsetzen. Die ökologische Herausforderung sollte nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance gesehen werden. Das ist die Bedeutung unseres gemeinsamen Engagements heute – ein Engagement, das auf den Grundsätzen der gemeinsamen Verantwortung und der panafrikanischen Solidarität beruht.

Ich danke Ihnen.

Wassalamu alaikum warahmatullah wabarakatuh.“