Tunesien – Erste Bürgermeisterin in Tunesien gewählt.

Als erste Aufgaben hat sich Souad Abderrahim vorgenommen: „Tunis schön machen"

Souad Abderrahim
Erste Bürgermeisterin Tunesiens Souad Abderrahim

Die tunesische Hauptstadt wählt Souad Abderrahim zur ersten Bürgermeisterin des Landes.

Tunis – Die Abstimmung am 3. Juli 2018 in der Hauptstadt Tunesiens wird zurecht in die politische Geschichte des Landes eingehen. Zum ersten Mal wurde eine Frau zur Bürgermeisterin einer Stadt in dem nordafrikanischen Land gewählt. Dabei wurde Souad Abderrahim nicht in irgendeiner Stadt gewählt, sondern in der Hauptstadt Tunis. Souad Abderrahim, Mitglied der islam-konservativen Ennahdha Partei, stand an der Spitze der Wahlliste für die letzte Kommunalwahl in der Hauptstadt Tunis. Die Ennahdha gewann als stärkste politische Kraft die Abstimmung in der Hauptstadt. Am 3. Juli 2018 kam es im Stadtparlament zur Abstimmung über die Besetzung des Bürgermeisterpostens und die Hauptstadt bekam Frau Abderrahim.

Ich widme meinen Wahlsieg allen Frauen in diesem Land …

„Ich widme diesen Sieg allen Frauen meines Landes, allen Jugendlichen und allg. allen Tunesiern“, so die neue Bürgermeisterin der tunesischen Hauptstadt. Souad Abderrahim, Geschäftsführerin eines Pharmaunternehmens, definiert sich als Unabhängige. Die neue „erste Frau“ der Hauptstadt, die nun ihre Geschäftsführertätigkeit ruhen lassen muss, wird „zum“ ersten „Scheich der Medina“, einem traditionell männlichen Titel, der dem Bürgermeister der Hauptstadt verliehen wird, weil „er“ während bestimmter religiöser Feiertage eine besondere Funktion einnimmt.

Wahl der Politikerin nicht unumstritten.

Die Wahl im Stadtparlament ging nicht ganz reibungslos von statten. Es bedurfte zwei Abstimmungsrunden. Insgesamt stimmten 26 von 60 Stadträte für die Politikerin. Dabei gab es auch 22 Gegenstimmen. Der Rest hat sich der Stimme enthalten. Hauptgegner war der ehemalige und bereits unter Zine el Abidine Ben Ali tätige Politiker Kamel Idir. Er ist Vorsitzender der Regionalvertretung von Nidaa Tournés, die vom derzeitigen Präsidenten Béji Caïd Essebsi gegründet wurde. Vertreter der Sozialisten riefen auch zum Boykott der Wahl auf. Die Ennahdha, eine von islamistischen Ideen beeinflusste Partei, erzielte 21 von 60 möglichen Sitzen im Stadtrat von Tunis. Durch viele Enthaltungen reichte die Stimmenmehrheit von 26 Stimmen zur Wahl der ersten Bürgermeisterin. Doch sie regiert ohne Sitzmehrheit im Stadtrat.

Vorwurf einer reinen Imagebildung für die Partei

Souad Abderrahim ist eine langjährige Begleiterin der Ennahdha-Partei, aber die Bewegung wurde während der Kampagne beschuldigt, sie zur Modernisierung ihres Images zu nutzen. Als Aktivistin während ihrer Studienzeit saß sie von 2011 bis 2014 im Ennahdha-Block der Verfassungsgebenden Versammlung, wo sie vor allem gegen alleinerziehende Mütter wetterte, bevor sie aus der politischen Landschaft verschwand. Die neue Bürgermeisterin von Tunis lehnt das Etikett „islamistisch“ als Image der Partei selbst ab. Die Ennahdha hat Mitte 2016 ihre Bezeichnung in „Bürgerpartei mit islamischem Bezug“ umgewandelt, und bekennt sich zu einer Trennung zwischen Politik und Religion. Die Mitglieder der Partei bezeichnen sich nun als „muslimische Demokraten“.

Als erste Aufgaben hat sich Souad Abderrahim vorgenommen: „Tunis schön machen“

Souad Abderrahim trifft auf eine schwierige Situation in der tunesischen Hauptstadt. Die Stimmung ist geprägt von anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und einem Misstrauen gegenüber den Eliten. „Wir haben Transparenz als Motto gewählt.“ sagte Souad Abderrahim und versicherte, dass sie mit allen anderen Parteien zusammenarbeiten wolle. „Die erste Aufgabe wird sein, Tunis schön zu machen“, sagte Souad Abderrahim gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die tunesische Hauptstadt steht vor einem Abfallproblem, das sich nach 2011 verschärft hat. Hier will die neue Bürgermeisterin als erstes anpacken.

Empfohlener Artikel