Tunesien strebt Beitritt zur ECOWAS an.

Wettlauf um Afrika intensiviert sich.

Wirtschaftsgemeinschaft
ECOWAS berät bereits auf der nächsten Sitzung über Beitrittsgesuch

Tunesien strebt ebenfalls Beitritt zur Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten (ECOWAS) an.

Tunis – Tunesien  richtet sich in Richtung Afrika aus und möchte die wirtschaftlichen Beziehungen zu den afrikanischen Nachbarstaaten intensivieren. Dazu strebt Tunesien nun ebenfalls einen Beitritt zur Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten (ECOWAS) an. Dies bestätigte der tunesische Premierminister Youssef Chahed am 22. August. 2017. Neben Marokko strebt damit Tunesien als zweites Land des Maghrebs eine Vollmitgliedschaft an.

ECOWAS berät bereits auf der nächsten Sitzung über Beitrittsgesuch.

Laut der französischen Zeitschrift Jeune Afrique wird bereits auf der nächsten Vollversammlung der ECOWAS im Dezember 2017 über das Beitrittsgesuch beraten. An der Konferenz in der Stadt Lomé in Togo, soll auch der tunesische Staatspräsident Beji Caid Essebsi teilnehmen und für sein Land sprechen. Bereits während der letzten Tagung in Monrovia (Liberia) wurde, neben dem Beitrittsgesuch Marokkos, über die Beziehungen zu Tunesien beraten. Tunesien besitzt seither einen Beobachter- bzw. Gaststatus. Dem Beitrittsgesuch Marokkos wurde grundsätzlich zugestimmt, auch wenn eine aktive Rolle erst nach einer Untersuchung erlaubt werden soll. Die jetzigen Mitglieder der ECOWAS waren sich unsicher über die Folgen einer uneingeschränkten und aktiven Rolle Marokkos innerhalb der Organisation. Es ist davon auszugehen, dass man bei Tunesien ähnlich verfahren wird.

Tunesiens Strategie ähnelt der Politik Marokkos.

Ähnlich wie Marokko hat auch Tunesien lange Zeit die Beziehungen zu seinen afrikanischen Nachbarstaaten wenig weiterentwickelt. Beide Länder wollen dies nun ändern. Marokkos umfangreiche und bisher auch relativ erfolgreiche Afrikapolitik sowie die Rückkehr in die Afrikanische Union, hat aus mehreren Gründen die Aufmerksamkeit der anderen Maghrebstaaten geweckt. Marokko hat zahlreiche bilaterale Handelsabkommen und Projekte initiiert und konnte recht reibungslos eine einflussreiche Position in Afrika einnehmen. Marokko will sich als Drehscheibe für den Handel und als Tor zu Afrika positionieren. Tunesien verfolgt eine ähnliche Strategie. Der tunesische Außenminister Ali Marouani sagte dazu: „Auf kurze und mittlere Sicht wollen wir das Handelswachstum verbessern. Langfristig ist unser Ziel eine Drehscheibe für Afrika zu werden.“

Wettlauf um Afrika intensiviert sich.

Der Weltlauf um die afrikanischen Märkte der Zukunft wird zwischen den arabisch geprägten Ländern immer intensiver. Nicht nur Tunesien und Marokko konkurrieren nun miteinander. Auch Algerien versucht seine Position in Afrika zu stärken, durch die Organisation von Konferenzen und dem Aufbau von Handelsabkommen. Selbst Ägypten möchte seine Position in Afrika stärken. Alle diese Länder hatten den afrikanischen Kontinent lange vernachlässigt und darauf gesetzt, dass sie sich durch die Annäherung an den sog. Westen schneller entwickeln werden.

Erst Anfang August machte der ägyptische Präsident Abdelfattah El Sissi eine Tour durch vier afrikanische Länder. Den örtlichen Medien sagte der Präsident, dass es ihm darum gehe den Einfluss Ägyptens auf dem Kontinent wiederzuerlangen und erklärte, dass Kairos Abwesenheit auf der afrikanischen Bühne von anderen Ländern ausgenutzt worden sei. Marokkos intensivierte Afrikapolitik hatte zu Unstimmigkeiten zwischen Rabat und Kairo geführt, was auch auf der letzten Sitzung der Afrikanischen Union zu spüren war. Nun beteiligt sich auch Tunesien am Wettlauf und sieht ebenfalls eine Chance für die eigene Entwicklung. Allen Ländern des Maghreb ist klar geworden, dass sie die eigene Wirtschaft nur entwickeln können, wenn die eigene ökonomische Basis diversifiziert wird. Algerien leidet unter dem Verfall der Rohöl- und Gaspreisen am Weltmarkt, Tunesien an den Folgen der Terroranschläge für den Tourismus und Marokko, als Agrarland unter dem Klimawandel und der Landflucht. Nun will man stärker in die Bereichen Handel und Industrie investieren und sich als Partner für die anderen afrikanischen Staaten etablieren. Im Vergleich zwischen den drei Maghrebstaaten scheint Marokko einen Vorsprung zu besitzen. Doch alle Staaten haben bereits einen etablierten und wirtschaftlich mächtigen Wettbewerber vor sich. Das ist China, welches seit Jahrzehnten in Afrika investiert und sich so vor allem den Zugriff auf Rohstoffe sichert.

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