Tunesien – Tunis bietet sich als Gesprächsplattform für die UAM an.

Marokko will direkte Gespräche mit Algerien.

Premierminister
Tunesischer Premierminister Youssef Chahed

Tunesische Regierung will zwischen Maghrebstaaten vermitteln und hat Terminvorschläge für erste Gespräche der Union des Arabischen Maghreb (UAM) unterbreitet.

Tunis – Im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Algerien und Marokko und dem damit verbundenen Stillstand innerhalb der Union des Arabischen Maghreb (UAM) könnte Bewegung kommen. Seit der Rede von König Mohammed VI. am 6. November 2018, in der er Algerien zu einem direkten Dialog zur Lösung aller bestehenden Konflikte aufgefordert hat, diskutiert der Maghreb über die nächsten Schritte. Algerien hat bisher von Seiten der Regierung nicht direkt auf das Gesprächsangebot aus Rabat reagiert. Algerische Politiker haben aber durch Reden und Bemerkungen eine eher ablehnende Haltung eingenommen. In der algerischen Hauptstadt hat man ausweichend mit dem Wunsch reagiert, eine Sitzung des Außenministerrats der Union des Arabischen Maghrebs einzuberufen. Mauretanien hatte sich in der letzten Woche bereiterklärt die Sitzung zu organisieren. Nun hat sich auch Tunesien zu Wort gemeldet und will einen möglichen Dialog unterstützen. Tunesien hält aktuell den Vorsitz der UAM.

Marokko – Rede des Königs überrascht algerische Politik.

Tunesien will vermitteln.

Am letzten Freitag hat die tunesische Regierung vorgeschlagen, eine Art Vermittlerrolle einzunehmen und angeboten, dass es mehrere vertrauliche Sitzungen zwischen den maghrebinischen Außenministern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, organisieren möchte. Der tunesische Außenminister Khemaies Jhinaoui wird in den maghrebinischen Medien mit der Aussage zitiert: „Tunesien setze seine diplomatischen Bemühungen mit den Brüdern auf der Ebene der Maghreb-Länder fort, um Initiativen zur Wiederbelebung der Institutionen der Union des Arabischen Maghreb zu unterstützen, und wir haben konkrete Termine vorgeschlagen, um ein Konsultationstreffen hinter verschlossenen Türen, fernab vom Rampenlicht, zwischen den fünf Außenministern des Maghrebs zu organisieren.“ Der Minister betonte die anhaltenden Bemühungen seines Landes, „den Konflikt zwischen Marokko und Algerien zu beenden“ und fügte hinzu, dass die Aufforderung von König Mohammeds VI. zu einem Dialog mit Algerien „zur Wiederaufnahme“ der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern beitragen kann.

Marokko will direkte Gespräche mit Algerien.

Bisher hat sich Marokko nur an direkten und bilateralen Gesprächen mit Algerien interessiert gezeigt. Zwar zeigte sich der marokkanische Außenminister Nasser Bourita bereit, an einer Sitzung des Außenministerrates der UAM teilzunehmen, doch er betonte nach einem Treffen mit dem algerischen Botschafter in Marokko, dass diese Sitzung nur dann erfolgversprechend sein kann, wenn die Konflikte zwischen Rabat und Algier gelöst werden können. Daher kann man skeptisch sein, ob Marokko das Vermittlungsangebot Tunesiens annehmen wird. Nicht zuletzt, weil König Mohammed VI. in seiner Rede betonte, dass man für die direkten Gespräche keine Vermittler benötige. Darüber hinaus steht der von Tunesien angebotene Vermittlungsprozess eher der Strategie Algeriens nahe, da es nicht um die Organisation von bilateralen Gesprächen geht, sondern um die UAM. Tunesiens Angebot steht zusätzlich im Wettbewerb zu Mauretanien, die zuvor angeboten hatten eine Sitzung des Außenministerrates zu organisieren.

Marokko – Außenministerium bittet Algerien um offizielle Reaktion auf Dialogangebot.

Empfohlener Artikel