Algerien – Präsidentschaftskandidat spricht sich für Annäherung an Marokko aus.

Wünsch nach Öffnung der seit 1994 geschlossenen Grenzen wächst auf beiden Seiten.

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Präsidentschaftskandidat
Ali Benflis - ehemaliger algerischer Premierminister unter Bouteflika und Präsidentschaftskandidat

Präsidentschaftskandidat Ali Benflis strebt den Dialog mit Rabat an und will die Maghreb – Union wiederbeleben.

Algier – Einer der fünf Präsidentschaftskandidaten der anstehenden Wahl im Dezember, Ali Benflis, hat sich zur Situation zwischen Algerien und Marokko geäußert. Er hat eine diplomatische Annäherung zwischen Marokko und Algerien gefordert und regte Gespräche über Perspektiven für zukünftige Beziehungen zwischen Algier und Rabat an. Ali Benflis, ehemaliger Premierminister Algeriens, sagte in einem Fernsehinterview, dass Rabat und Algier ihre Differenzen beilegen und gemeinsam auf die Errichtung einer starken Maghreb – Union hinarbeiten müssten. „Marokkaner sind unsere Brüder und Nachbarn“, sagte der algerische Politiker dem Fernsehsender El Bilad. „Algerier sind weder Feinde der Marokkaner noch Gegner des marokkanischen Volkes.“

Wünsch nach Öffnung der seit 1994 geschlossenen Grenzen wächst auf beiden Seiten.

Benflis‘ Schwerpunkt, als er über die regionale Bedeutung beider Länder sprach, verlagerte sich bald auf die geschlossenen Grenzen zwischen den beiden Nachbarn. Benflis schloss sich den wachsenden Reihen der Befürworter der Initiative von „Let’s open our borders“ (lasst uns unsere Grenzen öffnen) an und argumentierte, dass die Politik von 1994 keinem der beiden Länder zugutegekommen ist. Er räumte jedoch die Vielschichtigkeit des Themas ein und betonte, dass beide Seiten komplizierte politische Schritte unternehmen müssten. „Diese Frage muss in Form eines ganzheitlichen politischen Ansatzes angegangen werden. Es bedarf Verhandlungen und Diskussionen.“

Erste gewichtige Stimmen der algerischen Politik sprechen von Annäherung.

Der Aufruf des Präsidentschaftskandidaten kommt Wochen nachdem ein hochrangiges Mitglied der Regierungspartei FLN sich in ähnlicher Weise geäußert hatte. Der ehemalige Generalsekretär der FLN, der auch der Ex-Präsident Bouteflika und der jetzige Übergangspräsident Bensalah angehören, sagte, dass die beiden nordafrikanischen Nachbarn die Blockaden „durchbrechen“ und vor allem das, was er als unangebracht für die Feindseligkeit in der Westsahara-Frage betrachtete, regeln müssten. „Die Westsahara ist marokkanisch und sonst nichts“, betonte Amar Saadani, der ehemalige FLN-Generalsekretär, in seinen Ausführungen ausdrücklich.

Marokko wartet auf positive Signale auf das Angebot zur Annäherung.

Unterdessen besteht in Rabat schon seit längerem Konsens darüber, dass man eine Annäherung zur Algier anstreben müsse. Dies gilt insbesondere seit König Mohammed VI. seine „Hände“ ausgestreckt hat und sagte, Rabat sei bereit für einen „offenen Dialog“, der den Weg zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen und der regionalen Zusammenarbeit ebnen könnte.

Marokko – Außenministerium bittet Algerien um offizielle Reaktion auf Dialogangebot.

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