Die marokkanische Wirtschaft wuchs um 4,8% im 2. Quartal 2017.

Haupttreiber für das Wirtschaftswachstum ist die Inlandsnachfrage.

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marokkanische Wirtschaft
Marokkanische Wirtschaft wächst. Trotz Proteste und Liberalisierung des Wechselkurses vertrauen die Bürger in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal steigt auf 4,8%, gegenüber 3,8% im 1. Quartal 2017.

Die marokkanische Wirtschaft wächst. Vor allem in den Bereichen Automobilindustrie sowie im geringen Maße auch im Luftfahrt- und Pharmasektor profitierte Marokko von einer höheren Auslandsnachfrage. Der Export von natürlichen und chemischen Düngemitteln stieg ebenfalls an. Marokko profitierte nicht nur von der gestiegenen Auslandsnachfrage, sondern auch von höheren Exportpreisen. Nach dem Monatsbericht der sog. „Hohen Kommission für Planung (HCP)“, den die Wirtschaftsredaktion von Medias24 vorab einsehen konnte und zusammenfasst, stiegen die Exporte von Waren und Dienstleistungen um 7,6%. Damit fällt das Wachstum nochmals um 2% Punkte höher aus, als das Wachstum im Vorquartal.

Die  Importe  von Waren und Dienstleistungen wuchsen ebenfalls, aber deutlich weniger stark als die Exporte. Die Importe stiegen im 2. Quartal 2017 um 3,6%, was ein deutlich geringeres Wachstum ist. Im Vorquartal lag das Wachstum der Importe noch bei 12,2%. Insbesondere die sog. „Nicht-Energieprodukte“ wurden weniger importiert. Darunter werden Konsumgüter, Halbprodukte und Rohstoffe verstanden. Insgesamt ist dies ein gutes Signal für die Handelsbilanz. Leider belasten auch die Energieimporte weiterhin die Handelsbilanz. Energieträger wie Gas, Treibstoffe und Strom wurden in Q2 ebenfalls mehr importiert. Ihre Importe stiegen um 4%.

Haupttreiber für das Wirtschaftswachstum ist die Inlandsnachfrage.

Das Wirtschaftswachstum in Marokko ist durch eine starke Inlands- bzw. Binnennachfrage getrieben. Nach Angaben des HCP trugen die Verbraucher alleine mit ca. 2,4% zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukt BIP bei. Im Vorjahresquartal lag die Rate noch bei 1,6%. Die Ausgaben für den privaten Konsum der Haushalte stiegen um 4,2% gegenüber dem Vorjahr. Die Planungskommission führt dies zurück, auf einen verbesserten Arbeitsmarkt, gerade in den ländlichen Regionen, und einer geringen Inflation von aktuell 0,3%.

Aber nicht nur die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die niedrige Inflationsrate hatten Einfluss auf die Konsumfreudigkeit der privaten Haushalte, sondern auch ein Anstieg bei der Gewährung von Verbraucherkrediten (4,8%) sowie ein Wachstum bei den Einnahme durch Überweisungen von Auslandsmarokkanern MRE (um 4,4%).

Zahlreiche Sektoren weisen ein deutliches Wachstum auf – Landwirtschaft erholt sich wieder

Neben den oben genannten Sektoren und Einflussfaktoren, hat sich die wirtschaftliche Lage auch durch eine positive Entwicklung in der Landwirtschaft, im Bereich des Tourismus, Bergbau und Dienstleistungssektor verbessert. Einzig die Bauindustrie schwächelt.

Trotz Proteste und Liberalisierung des Wechselkurses weiterhin Vertrauen der Bürger in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Die Menschen in Marokko scheinen trotz all der wahrgenommen Probleme, wie den Unruhen in der Rif – Region oder der Sorge vor der Liberalisierung des Wechselkurses der eigenen Währung, positiv in die Zukunft zu schauen. Zum einen geben die Menschen Geld aus, was dafür spricht, dass man davon ausgeht dies auch zu können, nicht zuletzt weil man in den eigenen Arbeitsplatz oder das eigene Geschäft vertrauen hat. Aber das Vertrauen bezieht sich nicht nur auf die Gegenwart. Die Menschen investieren in die Zukunft durch die Aufnahme von Krediten. Die Inflationsrate ist niedrig und die Kreditzinsen sind es relativ betrachtet ebenfalls. Da gleichzeitig auch die Anlagezinsen relativ niedrig sind, können die Menschen entweder nur in den Kapitalmarkt investieren oder konsumieren. Insgesamt wird die verkündete positive Entwicklung der marokkanischen Wirtschaft das Vertrauen in die eigene Währung stärken, was für die Stabilität des Marokkanischen Dirhams ein wichtiger Faktor sein könnte.

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