Maghreb – Gewalt in Jerusalem – Maghreb-Staaten drücken ihre Besorgnis aus.

Algerien, Marokko und Tunesien verurteilen die Gewalt in Jerusalem.

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Jerusalem
Al Quds - Felsendom in Jerusalem

Enteignung von arabischstämmigen Bewohnern von Ost – Jerusalem und der sog. „Jerusalem-Tag“ lösen gewaltsame Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften aus.

Algier/Rabat/Tunis – Die neuerlichen Ausbrüche von Gewalt zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften in Jerusalem haben in der arabischen und islamischen Welt für Besorgnis, Bestürzung und Ablehnung gesorgt. Seit dem vergangenen Freitag sind die Spannungen, die sich während des gesamten Ramadans aufgebaut haben, eskaliert. Neben den ohnehin ständigen Einschränkungen und Repressalien, denen die Palästinenser während des Ramadans ausgesetzt sind, entzünden sich die aktuellen Konfrontationen an geplanten Zwangsräumungen von Wohnungen und Häusern in Ost – Jerusalem, in denen vor allem arabische und muslimische Menschen leben. Einige der betroffenen Familien leben teils seit Jahrzehnten in diesen Häusern und müssen sich derzeit gegen Ansprüche mutmaßlicher israelischer Eigentümer wehren. Für die Palästinenser sind die angekündigten und teilweise durchgeführten Zwangsräumungen ein Versuch, vor allem Ost – Jerusalem von Arabern zu räumen.

300 Palästinenser und 20 israelische Soldaten bisher verletzt.

Seit der neuerlichen Eskalation der Gewalt soll es bisher 300 Verletzte auf Seiten der Palästinenser und ebenfalls 20 Verletzte israelische Soldaten gegeben haben. Auch am heutigen Morgen (10. Mai 2021) kam es bereits auf dem Tempelberg und rund um die Al-Aksa Moschee zu gewaltsamen Zusammenstößen. Zahlreiche Amateurvideos in den sozialen Netzwerken und Medienberichte zeigen, wie israelische Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Blendgranaten sowie mutmaßlich auch Tränengas einsetzen. Die Palästinenser werfen mit Steinen nach den Polizisten und Soldaten. Nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds (Hilfsorganisation) soll es bereits mehrere hundert Verletzte gegeben haben. Ca. 50 Personen mussten in Krankenhäuser behandelt werden. Beobachter sprechen von den heftigsten Zusammenstößen seit Jahrzehnten.

Algerien, Marokko und Tunesien verurteilen die Gewalt in Jerusalem.

Am gestrigen Sonntag sprach der tunesische Präsident Kais Saied mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas.

Saied
Tunesischer Präsident Kaid Saied

Laut einer offiziellen Erklärung des Präsidentenpalasts versicherte Präsident Saied, dass Tunesien seine Position zu Gunsten der Palästinenser nicht aufgibt und die „gerechte palästinensische Sache“ unterstützt. Zugleich verurteile man die „fortgesetzten Angriffe auf die Al-Aqsa-Moschee sowie die Expansionspolitik und die Annexionspläne“ Israels.

In einer Erklärung am gestrigen Sonntag (9. Mai 2021) des algerischen Außenministeriums heißt es: „Algerien verurteilt auf das Schärfste die rassistischen und extremistischen Angriffe, die in der besetzten Stadt Al-Quds (Anm. des Autors: Al-Quds ist der arabische Name für Jerusalem) gegen palästinensische Zivilisten verübt wurden, sowie die eingeschränkte Religionsausübung in der Al-Aqsa Moschee.“

In der Erklärung des algerischen Außenministeriums werden „die wiederholten Versuche, mit Gewalt die Logik der Enteignung von fremdem Land zu legitimieren und die Souveränität über die Heilige Stadt zu erzwingen“ abgelehnt. Algier sieht das Handeln Israels als „eklatante Verletzung“ des Völkerrechts. Algier fordert die internationale Gemeinschaft und den UNO – Sicherheitsrat zum Handeln auf.

Außenministerium
Offizielles Kommuniqué des marokkanischen Außenministeriums

Das Königreich Marokko formuliert seine Position deutlich gemäßigter. In einer ebenfalls vom marokkanischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung heißt es unter anderem: „Das Königreich Marokko hat die gewalttätigen Ereignisse in Al-Quds Asharif und der Al-Aqsa-Moschee mit tiefer Besorgnis verfolgt“.

„Marokko, dessen Souverän, König Mohammed VI., möge Gott ihm beistehen, den Vorsitz des Al-Quds-Komitees innehat, betrachtet diese Übergriffe als einen unzulässigen Akt, der geeignet ist, Spannungen zu schüren“, so das Ministerium in seiner Erklärung weiter.

„Das Königreich“, fügte das Ministerium hinzu, „ist der Ansicht, dass einseitige Maßnahmen keine Lösung sind.“ Marokko ruft zum Dialog und zur Achtung des Rechts auf.

Das marokkanische Außenministerium betonte, dass Marokko die Notwendigkeit bekräftigt, den besonderen Status der Stadt Al-Quds zu bewahren und den islamischen Charakter der heiligen Stadt und die Heiligkeit der Al-Aqsa Moschee zu schützen.

Tunesien ruft UNO – Sicherheitsrat an.

Das nordafrikanische Land Tunesien ist derzeit Mitglied des UNO-Sicherheitsrats und Stimme der arabischen Völker und des Maghreb. In dem Telefonat mit Palästinenser Präsident Abbas kündigte der tunesische Präsident an, dass sein Land nun den UNO-Sicherheitsrat anrufen und die Situation vor Ort auf die Tagesordnung setzen werde.

UNO, USA und EU rufen zur Mäßigung auf. Türkei bezeichnet Israel als Terrorstaat.

Die Lage in Jerusalem löst nicht nur bei den Maghreb-Staaten Besorgnis aus. Auch die UNO reagierte. So hatte der UNO – Generalsekretär bereits am Freitag vor heftigen Reaktionen nach bevorstehenden Zwangsräumungen von arabischen Bürgern in Ost – Jerusalem gewarnt. Guterres, der sich für eine zweite Amtszeit in Position bringt, rief nun erneut alle Parteien zur Mäßigung auf. Auch die USA und die EU zeigen sich besorgt. Der Sprecher der EU, Borell, lies am 8. Mai 2021 verkünden: „Die Europäische Union ruft die Verantwortlichen auf, dringend zu handeln, um die derzeitigen Spannungen in Jerusalem zu deeskalieren. Akte der Aufwiegelung rund um den Tempelberg/Haram al-Sharif müssen vermieden und der Status quo muss respektiert werden.“ Auch das US-Außenministerium und der UNO-Sondergesandte für den Nahost – Konflikt, Wennesland, riefen in ihren Stellungnahmen zu Mäßigung auf. Nach UN-Angaben habe das Präsidialamt in Washington mitgeteilt, dass US-Sicherheitsberater Sullivan mit seinem israelischen Kollegen Ben-Shabbat telefoniert hat. Der türkische Präsident Erdogan sprach, im Zusammenhang mit den Zwangsräumungen und der Gewalt, von Israel als Terrorstaat.

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Israel feiert Eroberung von Ost – Jerusalem

Der heutige Tag und die Gewaltausbrüche in der Jerusalemer Altstadt bekommen einen brisanten Kontext. Israel feiert ausgerechnet heute den sogenannten „Jerusalem-Tag“. Dieser soll an die Eroberung bzw. Annektierung von Ost – Jerusalems durch israelische Truppen im Sechs-Tage-Krieg 1967 erinnern. Bis dahin stand die Altstadt, der Tempelberg und die Klagemauer in Jerusalem unter jordanischer Verwaltung und unter dem Schutz des jordanischen Königshauses. Die Palästinenser betrachten Ost – Jerusalem als zukünftige Hauptstadt eines freien Palästinas. Mit dem Tempelberg, der jüdischen Klagemauer, des Felsendoms und der Al-Aksa-Moschee sind für die Juden und Moslems wichtige heilige Stätten auf engstem Raum miteinander verbunden. Jerusalem bzw. Al-Quds gehört neben Mekka und Medina zu den drei heiligsten Städten des Islam. Nach jüdischem Glauben und Überlieferung standen dort zuvor jüdische Tempel. Zuletzt soll die Tempelanlage ca. 70 n.Chr. von den Römern zerstört worden sein. Die Klagemauer soll von diesem zuletzt zerstörten Tempel übriggeblieben sein und wird daher von Menschen jüdischen Glaubens sehr verehrt.

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