Marokko – Bertelsmann und Saham gründen Gemeinschaftsunternehmen

Neues Unternehmen wird 48.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro haben.

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Zusammenlegung des Call-Center- und Service-Bereichs in Europa Afrika und Asien

Casablanca – Das Medienhaus Bertelsmann, zu der zahlreiche Verlage und mehrheitlich die RTL Group gehören und die Saham Group Maroc schließen sich zusammen. Die beiden Unternehmen haben sich darauf geeinigt, künftig das internationale Call-Center- und Servicegeschäft zusammenzulegen. Dafür bringt die Bertelsmann AG die Tochter Avator in die Kooperation ein. Saham Group bringt im Gegenzug sein Call-Center Geschäft in Ägypten, Marokko, Senegal, Elfenbeinküste, Togo, Qatar und Saudi-Arabien ein. Das gemeinsame Unternehmen wird je zur Hälfte von den beiden Partnern gehalten.

Saham
links: Thomas Mackenbrock (CEO Arvato CRM Solutions), mitte Moulay Mhamed El Alamy (Repräsentant der Saham Gruppe), rechts Thomas Rabe (Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann).

Neues Unternehmen wird 48.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro haben.

Das neue Unternehmen wird seinen Sitz in Luxemburg haben und insgesamt rund 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das gemeinsame Geschäft wird in 25 Ländern betrieben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erwartet der Bertelsmann – Chef Thomas Rabe einen Jahresumsatz von 1,2 Mrd. Euro. Bertelsmann wird den Vorstandschef stellen, während der Aufsichtsratsvorsitzende der neuen Firma, deren Namen noch nicht feststeht, von der Saham Group gestellt werden wird. Weil Bertelsmann durch die Arvato Service einen größeren Wert in die Partnerschaft einbringt, wird die Saham Group einen in seiner Höhe unbekannten finanziellen Ausgleich nach Ostwestfalen überweisen.

Saham investiert Erlöse aus dem Verkauf der Versicherungssparte.

Hinter der Saham Group, mit Sitz in Casablanca, steht die Familie El Alamy, die in Wirtschaft und Politik des Königreichs wichtige Schlüsselpositionen innehält, darunter das Sportministerium durch Rachid Talbi El Alamy und lange Jahre den Vorsitz des Unternehmerverbandes durch Frau Miriam Bensaleh-Chaqroun, die ebenfalls zur Familie gehört und die unteranderem die Firma Oulmes, mit der vom Boykott betroffenen Marke Sidi Ali, leitet.

Die Saham Group hat sich gerade von der eigenen Versicherungssparte, durch einen Verkauf an die südafrikanische Finanzgruppe Sanlam, getrennt. Die Kriegskasse wurde dadurch um bis zu 13 Mrd. marokkanische Dirhams (ca. 1,2 Mrd. Euro*) gefüllt.

Saham
Marokkanischer Versicherer an Südafrikaner verkauft.

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Bertelsmann löst das Problem Arvato.

Bertelsmann wird direkt und indirekt durch die Familie Mohn kontrolliert. Zum einen durch ca. 17% direkte Anteile und weiteren 52% in Händen der Bertelsmann-Stiftung, die durch die Familie Mohn ins Leben gerufen wurde. Weitere rund 30% befinden sich im Eigentum der Groupe Bruxelles Lambert (GBL), des belgischen Finanzinvestors Albert Frère.

Arvato
Bertelsmann Tochter ARVATO

Seit Anfang des Jahres stand die Arvato Service öffentlich zum Verkauf, die sich bereits in zahlreichen Ländern als Dienstleister um Call-Center und den telefonischen Kundenservice zahlreicher Unternehmen kümmerte. Bertelsmann war zuletzt nicht mehr bereit in die technische Infrastruktur der Arvato zu investieren und ist daher dankbar, dass man in der Saham Group einen Partner gefunden hat, der durch seine Standorte einen Beitrag zu weiteren Kostensenkungen leisten kann.

*Wechselkurs Stand 19. September 2018

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