Marokko – Bewegung in der Krise zw. Marokko und Spanien.

Zahlreiche politische Hindernisse erschweren weiterhin die Annäherung.

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Spanien
Diplomatisches Beziehungen zwischen Marokko und Spanien durch den Fall des Polisario - Führers Ghali belastet.

Spekulationen über baldige Rückkehr der marokkanischen Botschafterin nach Madrid und Vorbereitungen für eine hochrangige Regierungskonsultation.

Madrid/Rabat – Nach der Rede von König Mohammed VI. am vergangenen Freitag (20. August 2021), anlässlich des Gedenkens an „die Revolution des Königs und des Volks“ im Kampf um Unabhängigkeit, in der er konkret Spanien und die bilaterale Krise zwischen den beiden Nachbarländern ansprach, scheint Bewegung in die Bewältigung der diplomatischen Eiszeit zu kommen. Der marokkanische König machte sehr deutlich, dass er die Beziehungen zu Spanien wieder verbessern will, wenn auch unter neuen, den Entwicklungsstand und die Interessen seines Landes berücksichtigenden Kontext.

Marokko bietet Zusammenarbeit auf der Basis von gegenseitigem Verständnis und Vertrauen an.

In dieser Rede erneuerte der König das Engagement Marokkos für die Partnerschaft mit Europa und mit dem Nachbarland Spanien und erklärte die Bereitschaft des Landes, eine neue Seite in den diplomatischen Beziehungen zu Spanien aufzuschlagen. Zugleich forderte er von Europa und Spanien die eigenen Verpflichtungen gegenüber Marokko einzuhalten. Der Monarch erklärte, die neue Zusammenarbeit werde auf gegenseitigem Verständnis und Vertrauen beruhen, aber auch auf einer neuen Basis stehen müssen.

Spanien und die EU bewerteten Rede und marokkanischen Ansatz positiv.

Die königliche Rede wurde vom spanischen Premierminister Pedro Sanchez begrüßt, der Marokko auf einer Pressekonferenz am Samstag als „Freund“ und „strategischen Verbündeten“ bezeichnete. Auch die Präsidentin der EU – Kommission Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident der EU-Rates, stimmten der Einschätzung des spanischen Premierministers bei einem gemeinsamen Termin am 21. August 2021 in Madrid zu und bezeichneten Marokko als strategischen Partner der gesamten EU.

Marokko – Premierminister Pedro Sanchéz begrüßt positive Aussagen von König Mohammed VI. in Bezug auf Spanien.

Spekulationen über bevorstehende Rückkehr der marokkanischen Botschafterin nach Madrid.

Die bisher schwerste diplomatische Krise zwischen Marokko und Spanien seit Jahrzehnten wurde ausgelöst, nach dem Madrid den Führer der Befreiungsfront für die Westsahara, Frente Polisario, wegen einer COVID-19 Erkrankung aufgenommen hatte und dessen Einreise versuchte vor Rabat zu verheimlichen. Auf die Proteste Marokkos reagierte Madrid mit einer Einbestellung der marokkanischen Botschafterin, in einer aus Sicht Marokkos respektlosen Form, worauf hin Rabat seine Botschafterin, Karima Benyaich, Am 18. Mai 2021 abzog. Nach den aktuellen Entwicklungen spekulieren nun spanische Medien über eine baldige Rückkehr der marokkanischen Botschafterin nach Spanien. „Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Marokko im Anschluss an ihre Abberufung aus Madrid wird die marokkanische Botschafterin in Spanien, Karima Benyaich, in den kommenden Tagen in das europäische Land zurückkehren, um ihr Amt wieder aufzunehmen,“ berichtet die spanische Zeitung El Pais, und beruft sich auf die marokkanische Nachrichtenwebsite Rue 20 und nicht weiter genannte diplomatische Quellen. Von Seiten des marokkanischen Außenministeriums gab es bisher keine Stellungnahme.

Marokko – Botschafterin aus Spanien möglicherweise zurückgerufen.

Vorbereitung von direkten Regierungskonsultationen.

Wie der marokkanische König in seiner genannten Rede bestätigte, gab es trotz der Krise weiterhin Gespräche zwischen beiden Ländern, die er selbst überwacht habe. Nicht weiter konkret genannte diplomatische Quellen, auf die sich die spanische Zeitung El Pais beruft, sollen angegeben haben, dass eine der ersten Aufgaben der marokkanischen Diplomatin nach ihrer Rückkehr die Vorbereitung eines hochrangigen Treffens zwischen Marokko und Spanien sein wird. Dieses Treffen sollte bereits im vergangenen Dezember stattfinden, wurde jedoch aufgrund der Pandemie und der ersten diplomatischen Spannungen zwischen Madrid und Rabat mehrfach verschoben. Eine Rückkehr von Botschafterin Karima Benyaich würde mit der Rede von König Mohammed VI. im Einklang stehen, auch weil Madrid in politische Vorleistung gegangen war.

Neue Entwicklung im Kontext der Regierungsumbildung in Spanien

Die marokkanische Regierung wertete, die im vergangenen Monat in Madrid vorgezogene Regierungsumbildung, als Signal in Richtung Rabat und als Bereitschaft die bilateralen Beziehungen wiederherzustellen. Nicht zuletzt durch die Ernennung des ehemaligen spanischen Botschafters in Paris, Jose Manuel Albares, der als enger Vertrauter des Premierministers Sanchéz und guter Kenner Marokkos bezeichnet wird, zum Nachfolger von Außenministerin Arancha Gonzales Laya.

Marokko – Spanische Außenministerin verlässt Regierung.

Zahlreiche politische Hindernisse erschweren weiterhin die Annäherung.

Trotz der sich abzeichnenden Entwicklung, ist noch unklar, wie man die Differenzen zwischen beiden Ländern ausräumen will. Marokko sieht sich, laut König Mohammed VI., einer feindlichen Kampagne mehrere Länder, auch in Europa, ausgesetzt, die auch die territoriale Integrität betrifft. Die Aufnahme des Frente Polisario Führers, Brahim Ghali, und der damit einhergehenden fast schon als „abfällig“ zu bezeichnenden Behandlung der Kritik Marokkos, wird in Rabat als Ablehnung der territorialen Ansprüche auf die Westsahara durch Spanien gewertet. Offiziell sei Madrid neutral doch das Verhalten sei offensichtlich pro Polisario und damit auch pro Algerien. Dies wird sicherlich zu einer neuen Ausrichtung der Beziehungen zwischen beiden Ländern führen. Neben dem Thema Westsahara stehen Handels- und Agrarabkommen, Grenzfragen rund um die Enklaven Ceuta/Sebta und Melilla sowie Fragen der Migration auf der Agenda.

Marokko – Ursachen der marokkanischen-spanischen Krise aus Sicht Marokkos.

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