Marokko – Botschafterin kehrt nach Madrid zurück.

Spanien ändert politische Haltung zur Westsahara-Frage und entschärft diplomatische Krise mit Marokko

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Botschafterin
Quelle MAP - Marokkanische Botschafterin in Spanien, Frau Karima Benyaich November 2020

Karima Benyaich bestätigt Rückkehr auf ihren Botschaftsposten in Madrid gegenüber spanischen Medien.

Rabat – Die Botschafterin des nordafrikanischen Königreichs Marokko in Spanien ist am gestrigen Sonntag (20. März 2022) nach Madrid zurückgekehrt.

Nahezu ein Jahr nachdem Marokko, als Reaktion auf die Aufnahme des Frente Polisario Führers Brahim Ghali in Spanien, sie zu „Konsultationen“ einberufen hatte, nahm Botschafterin Frau Karima Benyaich ihre Amtsgeschäfte in der spanischen Hauptstadt Madrid wieder auf. Dies bestätigte sie selbst gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE.

„Es ist mir eine Freude, nach Madrid zurückzukehren und die Beziehungen zwischen Spanien und Marokko zu stärken, wie es unsere jeweiligen Länder festgelegt haben“, sagte Botschafterin Benyaich kurz nach der Landung in der spanischen Hauptstadt am gestrigen Abend.

Rückkehr nach einer der schwersten Krisen zwischen den beiden Nachbarländern.

Die diplomatische Krise zwischen Marokko und Spanien, die im vergangen April 2021 ausgebrochen war, gehört zu den schwerwiegendsten der letzten Jahrzehnte.

Die beiden Nachbarländer sind wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng Verbunden und haben aufgrund historischer Gegebenheiten dennoch zahlreiche Konfliktpunkte, die vor allem die jeweilige territoriale Integrität betreffen.

Zugleich war wiederholt wahrzunehmen, dass Spanien den Nachbarn auf der anderen Seite des Mittelmeers nicht als gleichwertig wahrgenommen hat, was sich auch in der Reaktion auf den Protest Marokkos, nach der versuchten heimlichen Aufnahme von Brahim Ghali, aus Sicht Rabats erneut zeigte.

Inzwischen hat sich Marokko wirtschaftlich deutlich weiterentwickelt, an militärischer Kraft gewonnen und sich als wichtiger Stabilitätsanker in Nordafrika erwiesen, was es als Ventil für eine gesteuerte Migrationspolitik, einer zukünftigen Energie- und allg. Sicherheitspolitik für die EU und Spanien unentbehrlich macht.

Zugleich verfolgt man in Rabat inzwischen eine selbstbewusste Außenpolitik und scheut sich nicht, sich in Konflikte mit wirtschaftlich deutlich stärkeren Ländern zu begeben, so z.B. Deutschland und Spanien, wenn es um die territoriale Integrität geht.

Marokko – Botschafterin aus Spanien möglicherweise zurückgerufen.

Spanien ändert politische Haltung zur Westsahara-Frage und entschärft diplomatische Krise mit Marokko

Die Rückkehr von Botschafterin Frau Karima Benyaich erfolgte praktisch unmittelbar nach einer Änderung der politischen Haltung Spaniens in der Westsahara – Frage.

Über Jahrzehnte versuchte Spanien den Eindruck eines neutralen Landes in dieser Frage zu vermitteln, stand aber als ehemalige Kolonialmacht in dieser Region der Sichtweise der Polisario und Algerien nahe. Algerien ist der wichtigste Unterstützer der Frente Polisario und ist aufgrund von Gaslieferung für Spanien von großer Bedeutung, was sich in 2021 in der Aufnahme des Frente Polisario Führers Brahim Ghali auf Bitten Algiers zeigte.

Am vergangenen Freitag zitierte das marokkanische königliche Kabinett aus einem persönlichen Schreiben des spanischen Regierungschefs Pedro Sanchéz an König Mohammed VI., welches eine geänderte politische Haltung Spaniens enthielt.

Für Madrid sei nun der von Marokko 2007 vorgelegte Autonomieplan für die Westsahara / marokkanische Sahara die beste Möglichkeit, um den Konflikt zu lösen. Damit ist aus Sicht Madrids die Forderung der Polisario und Algeriens nach einem Referendum praktisch vom Tisch.

Marokko begrüßte die „neue“ Haltung Spaniens, eröffnete den Dialog und entsendet seine Botschafterin zurück nach Madrid. In Kürze wird der spanische Außenminister Albares und in wenigen Wochen wohl auch der spanischen Premierminister Sanchéz nach Rabat reisen. Termine, die die marokkanische Botschafterin in Madrid mit vorbereiten wird.

Algerien reagierte bereits auf die neue Haltung Spaniens und rief seinerseits seinen Botschafter aus Madrid zurück. Ob Algier durch weitere Maßnahmen gegen Spanien reagiert, z.B. die Gas – Liefermengen trotz langfristiger Verträge reduziert, wird abzuwarten bleiben.

Marokko – Spanien verspricht Engagement für Marokkos territoriale Integrität und passt Haltung zur Westsahara an.

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