Marokko – Regierung plant Neuregelung bei Vaterschaftsurlaub.

Gesetzentwurf soll Männern die Möglichkeit geben, sich mehr einzubringen.

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Vaterschaftsurlaub
Männer sollen erweiterten Anspruch auf Vaterschaftsurlaub bekommen.

Marokkanische Männer sollen einen Anspruch auf bis zu 30 Tagen Vaterschaftsurlaub bekommen.

Rabat – Relativ still und leise hat die Regierung einen Gesetzentwurf erarbeitet, der zukünftigen Vätern eine neue Möglichkeit einräumt, sich nach Geburten mehr einzubringen.

Nach jetzigem Stand sollen Väter bei der Geburt eines Kindes bis zu 30 Tage Vaterschaftsurlaub nehmen können. Die ersten 15 Tage sind bezahlte Auszeit. Die weiteren 15 Tage kann ein Vater optional wählen, muss aber dann auf eine Lohnfortzahlung verzichten. Dies bestätigte Minister Mohamed Benabdelkader, zuständig für die Reform der Verwaltung und des öffentlichen Dienstes, in einer Klausurtagung des Ausschusses für Justiz, Recht und Bürgerrechte. Das aktuell diskutierte Gesetz geht auf einen Entwurf der RNI-Partei zurück, die diesen bereits im Oktober letzten Jahres eingebracht hatte. Aus „terminlichen“ Zwängen konnte sich der Ausschuss erst jetzt mit dem Thema beschäftigen.

Gesetzentwurf soll Männern die Möglichkeit geben, sich mehr einzubringen.

Die noch aktuelle Regelung sieht vor, dass ein Mann, bei der Geburt seines Kindes, drei Tage an Sonderurlaub nehmen kann. Das führt dazu, dass die Frauen oder Partnerinnen sehr schnell ohne ihren Partner klar kommen müssen. Gleichzeitig haben die Väter von Beginn an nicht die Möglichkeit, gerade in den ersten Wochen, zu unterstützen und das Erlebnis mit den Müttern zu teilen. Die marokkanische Regierung will und muss an dieser Stelle reagieren. Die Geschlechter sollen nicht nur auf dem Papier eine Gleichstellung erhalten, sondern gerade die Männer sollen stärker in die Verantwortung genommen werden, wenn es um Familie und Erziehung geht.

Parlament
Marokkanisches Parlament in Rabat

Verfassung sieht Gleichstellung der Geschlechter vor und der Gesetzgeber muss diese umsetzen.

Solche und ähnliche Gesetze sollen einen erzieherischen Effekt haben. Bisher konnten nur die Frauen einen längeren Mutterschutz einfordern. Die marokkanische Verfassung sieht eine Gleichstellung der Geschlechter vor, so dass auch die Überarbeitung der bisherigen Regelung juristisch geboten ist. Zugleich ändern sich in der marokkanischen Gesellschaft auch die sozialen Gegebenheiten. Familien werden immer kleiner, Eltern und andere Verwandte, die helfen könnten, leben immer häufiger nicht in unmittelbarer Nähe der Paare, sondern teils weit entfernt.

Unternehmen beklagen Kosten.

Erste Stimmen aus der Wirtschaft äußern Kritik. Unternehmen müssen nicht nur ihre Mitarbeiter freistellen, sondern auch die ersten 15 Tage eine Lohnfortzahlung sicherstellen. Hier will die Regierung anscheinend reagieren. Den betroffenen Unternehmen soll die Möglichkeit gegeben werden, eine Rückerstattung zu beantragen. Zuständig soll die „Caisse nationale de sécurité sociale (CNSS)“ (Sozialkasse der Regierung) sein. Nach Antragstellung prüft die Sozialkasse den Anspruch. Dabei scheint man diesen Punkt in der marokkanischen Regierung als unkritisch zu bewerten. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Telquel soll eine nicht weiter genannte Quelle, aus dem Umfeld des Ausschusses, festgestellt haben, dass die Finanzierung kein Problem darstellen wird. Man geht von einer überschaubaren Anzahl von Anträgen aus.

Gesetzentwurf muss noch durch den Regierungsrat.

Noch ist nicht sichergestellt, dass das Gesetz verabschiedet wird oder in welcher Form. Nach Medienberichten ist der Gesetzentwurf noch nicht auf der Agenda des Regierungsrats, unter Vorsitz von Premierminister El Othmani, aufgetaucht. Der Ausschuss muss selbst die letzten vorbereitenden Arbeiten umsetzen, damit das Gesetz die nächste Hürde nehmen kann.

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